Borussia Mönchengladbach: "Leider ein gerechtes Unentschieden"

Borussia ärgert sich über 2:2 gegen Bremen: "Leider ein gerechtes Unentschieden"

"Nicht Fisch, nicht Fleisch" – für Borussias 2:2 gegen Werder Bremen scheint diese Redewendung erfunden worden zu sein. Befreit hat sich Dieter Heckings Mannschaft trotz der vier Punkte aus den vergangenen zwei Spielen immer noch nicht.

"Nicht Fisch, nicht Fleisch" — für Borussias 2:2 gegen Werder Bremen scheint diese Redewendung erfunden worden zu sein. Befreit hat sich Dieter Heckings Mannschaft trotz der vier Punkte aus den vergangenen zwei Spielen immer noch nicht.

In den vergangenen Wochen waren die Borussen mit dem, was ihnen das Schicksal so beschert hatte, oftmals unzufriedener als mit den eigenen Leistungen. "Spielglück" war ein vielzitiertes Wort. Und tatsächlich entschieden von Köln am 18. Spieltag bis Stuttgart am 22. Spieltag, von Mitte Januar bis Mitte Februar fast immer Kleinigkeiten. Jedes 0:1, 1:2, 0:2 oder 2:0 hätte ohne allzu große Launen des Schicksals andersherum ausgehen können. Es kam das Spiel gegen Dortmund, erstmals in der Rückrunde war Gladbach klar überlegen - und verlor trotzdem. In Hannover gab es einen 1:0-Sieg, der auf dem besten Weg war, ein 0:1 zu werden, aber Ihlas Bebou vergab beim Stand von 0:0 die Riesenchance zur Führung für Hannover.

Am Freitagabend, nach dem 2:2 gegen Werder Bremen, sprach Borussias Sportdirektor Max Eberl dann einen zuletzt selten gehörten Satz aus: "Hinten raus war es leider ein gerechtes Unentschieden." Eine Punkteteilung hatte es mit Gladbacher Beteiligung neun Spiele in Folge nicht gegeben. Und dass die Partie gegen Werder mit dem 2:2 auch noch das passendste Resultat fand - noch seltener. Für Borussia war das ein schwacher Trost, eher gar keiner. Sie hatte von zwei verschiedenen Halbzeiten schließlich in der ersten die Nase vorne gehabt. Bei 2:0 und 0:2 in der Addition beider Hälften ist die Mannschaft, die vorgelegt hat, naturgemäß der gefühlte Verlierer.

Denis Zakaria stand in den ersten 45 Minuten gleich mehrmals im Mittelpunkt: Tor zum 1:0 (nach unfreiwilliger Vorlage des Bremers Thomas Delaney), Vorlage zum 2:0 (die Niklas Moisander genauso unfreiwillig ins eigene Tor lenkte), dazwischen die Gelbe Karte, kurz vor der Pause beinahe die zweite — und dann beendete Trainer Dieter Hecking den Arbeitstag des Schweizers, bevor es Schiedsrichter Benjamin Cortus tun konnte.

"Wir hätten uns auch nicht beschweren dürfen, wenn er da Gelb-Rot kriegt", sagte Eberl. Gegen Maximilian Eggestein war Zakaria deutlich zu spät gekommen. "Beim zweiten Foul hat Denis richtig Glück gehabt. Gerade auf dem Boden gab es keine andere Möglichkeit, als ihn auszuwechseln. Als Sechser musst du in die Zweikämpfe gehen", sagte Hecking. Das Schneetreiben war in der Schlussphase so heftig, dass ein roter Ball angebrachter gewesen wäre. In Zeiten der Torlinientechnik ist ein schneller Tausch allerdings nicht mehr möglich, weil die entsprechenden Kameras erst kalibriert werden müssten.

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Erst schwächte sich Borussia also selbst, später wurde sie unfreiwillig geschwächt, als in Christoph Kramer der zweite Sechser runter musste. Bei ihm gab es am Samstagmorgen die Entwarnung, der 27-Jährige konnte schon wieder trainieren, nachdem ihn ein eingeklemmter Nerv im Wadenbeinköpfchen gestoppt hatte. Die eine Hälfte der Rhythmusstörungen war also personeller Natur, die andere auch — allerdings von Bremer Seite erzwungen. Trainer Florian Kohfeldt brachte zur zweiten Hälfte Aron Johannsson, der alleine genauso viele Schüsse aufs Tor abgab wie Borussia im gesamten Spiel. In der 78. Minute erzielte der US-Amerikaner das 2:2. Überfällig war der Ausgleich nicht, beschweren konnte sich allerdings auch kein Gladbacher.

"Wir sind nicht weggeknickt nach dem 2:1, aber waren auch nicht mehr so im Spiel", fasste Eberl dieses Gefühl zusammen. "Da spielt die Achse dann eine wichtige Rolle." Dass vor der Abwehr in der Schlussphase Michael Cuisance an der Seite von Tony Jantschke spielen musste, war aus der Not geboren. Kurz nach dem 2:2 ging es auch für Reece Oxford nicht weiter, weil beide Waden zugemacht hätten, wie Eberl berichtete.

Spielglück, Verletzungen - da fehlt natürlich noch ein drittes prägendes Thema der Rückrunde. Wie diplomatisch Eberl und Hecking über einen möglichen Handelfmeter beim Stand von 2:0 sprachen, verdeutlichte, dass Schiedsrichter Cortus wohl in einem 50:50- oder 60:40-Dilemma steckte, als Jonas Hofmann an den Arm von Eggestein köpfte. "Ich akzeptiere es, dass es für den Schiedsrichter kein Elfmeter ist, wenn er es sich noch einmal angesehen hat", meinte Hecking. "Alles, was mit Hand auf der Linie ist und ein Tor verhindert, ist für mich Elfmeter", sagte Eberl, betonte aber, dass es deshalb "keinen Streit" mit Cortus gegeben habe, sondern einfach unterschiedliche Meinungen.

Für solche Spiele ist die Redewendung "Nicht Fisch, nicht Fleisch" erfunden worden. "Mit einem Sieg hätten wir Luft nach hinten geschaffen und wären vorne wieder dran gewesen", sagte Eberl. Die Borussen wissen gerade nicht, wo sie hingehören. In einer Woche begeben sie sich auswärts bei Bayer Leverkusen wieder auf die Suche nach Antworten. Sieben Punkte aus acht Rückrundenspielen klingen in der Addition mit der Hinrunde allerdings höchst mittelmäßig.

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(jaso)