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Borussia Mönchengladbach - Lehren aus dem Sieg beim FC Bayern München

2:0-Erfolg in München : Das kann Borussia aus dem Sieg beim FC Bayern ziehen

Vor Borussias Testspiel-Ausflug nach München lag die Frage nach dem Sinn der Reise in der Luft. Die hat Adi Hütters Mannschaft auf ihre Weise eindeutig beantwortet. Wer beim 2:0 überzeugte, wer enttäuschte und warum nicht nur Gladbachs Cheftrainer zufrieden sein konnte.

Wie sah die Aufstellung aus? Wie in den vergangenen beiden Testspielen entschied sich Adi Hütter für die derzeit wohl beste, vor allem aber prominenteste Startelf. Da Borussia vom Verletzungspech gebeutelt ist und am Mittwoch auch noch Stefan Lainer passen musste, sah die Mannschaft allerdings auf drei Positionen anders aus als am Samstag gegen den FC Metz: Tobias Sippel kehrte ins Tor zurück, Andreas Poulsen rückte kurzfristig ins Team, dadurch konnte Joe Scally wieder von der linken auf die rechte Abwehrseite wechseln. Vorne ersetzte Mika Schroers den verletzten Alassane Plea. Dazwischen sah das Personal so aus: Jordan Beyer und Tony Jantschke in der Innenverteidigung, Christoph Kramer vor der Abwehr, Laszlo Bénes und Hannes Wolf als Achter-Zehner-Duo, Keanan Bennetts links vorne und Patrick Herrmann auf rechts.

Zur zweiten Halbzeit kam Conor Noß, Matchwinner gegen Metz, für den unauffälligen Schroers. Während Sippel und Poulsen durchspielen durften, kamen in der 70. Minute acht Neue: Michel Lieder, Michael Wentzel und Luiz Skraback für die Viererkette, Rocco Reitz für die Sechserposition, dazu Yvandro Borges Sanches, Per Lockl, Moustafa Moustafa und Famaza Quizera für die Reihe weiter vorne. Bénes war damit der einzige EM-Fahrer, der bei Borussia zum Einsatz kam.

Wie fielen die Tore? Kramer setzte in der 59. Minute am gegnerischen Strafraum energisch nach und eroberte den Ball. Auf halbrechts fand er Scally, der den Kopf hochnahm und flankte, anstatt den ebenfalls möglichen Abschluss zu wählen. Bei seiner chipartigen Hereingabe kreuzte Noß, sodass Wolf den Ball direkt nehmen konnte mit seinem starken linken Fuß. In der 76. Minute, nach insgesamt 19 Wechseln auf beiden Seiten, sorgte Wentzel für die Entscheidung. Kurz zuvor hatte Noß eine beinahe identische Chance vergeben, wie er sie gegen Metz noch nutzen konnte. Diesmal gab es Eckball, den Borussia kurz ausführte. Borges Sanches bediente Moustafa, der gefühlvoll nach innen flankte. Noß verpasste, aber irritierte Bayerns Torwart Ron-Thorben Hofmann so sehr, dass der vor die Füße von Wentzel abwehrte. 17, 17 und 19 Jahre alt sind die drei Borussen, die beim 2:0 nacheinander den Ball berührten.

War das Ergebnis angemessen? Zur Pause fasste Borussias Chefscout das Geschehen treffend zusammen. „Es ist noch ein bisschen viel Stückwerk, zu viele Fehlpässe. Die Bayern sind ein bisschen überlegen, wir hatten auch gute Phasen. Nach vorne sollten wir noch gefährlicher werden“, sagte Steffen Korell bei „Magenta TV“. Gute Chancen hatten die Gastgeber bis dahin durch Joshua Zirkzee und Tanguy Nianzou gehabt, Gladbach lediglich durch Scally einen nennenswerten Abschluss.

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Borussia kam verbessert aus der Kabine, sie schob weiter nach vorne, presste besser. Das resultierte zunächst in zwei guten Flanken von Poulsen, bei denen jeweils Herrmann von rechts einlief, aber nicht zum Erfolg kam. Das 1:0 war dann eine Aktion, die Hütter besonders gefallen haben dürfte. Mindestens ein Tor hätten die Bayern schon verdient gehabt, aber besonders in der Phase nach den vielen Wechseln war es bemerkenswert, wie fleißig Gladbachs extrem junge Mannschaft gegen den Ball arbeitete und dabei versuchte, vorne Nadelstiche zu setzen. Das ist den Arrivierten vergangene Saison oftmals deutlich schlechter gelungen, wenngleich die Münchner in dieser Besetzung natürlich nicht ihr gewohntes Niveau verkörpern. Doch Borussia war da, nachdem der Gegner seine beste Phase ungenutzt gelassen hatte, und zeigte sich effizienter vor dem Tor.

Welche Borussen fielen auf? Der erste Drittligist, der erste Zweitligist, der erste Erstligist, der erste Top-Gegner – Joe Scally hat Level für Level auf sich aufmerksam gemacht und wird langsam zum ernsthaften Startelf-Kandidaten fürs DFB-Pokalspiel beim 1. FC Kaiserslautern. Durch Physis und Geschwindigkeit hatte er bereits überzeugt, nun sprang der erste Scorerpunkt bei seinen Bemühungen heraus. Dass der Abnehmer Hannes Wolf hieß, passte dabei ins Bild. Der Österreicher war wieder agil und flexibel unterwegs, dazu stark im Abschluss. Wolf untermauert auch in der vierten Woche der Vorbereitung sein Gewinner-Potenzial.

Erneut gut eingefügt hat sich Conor Noß, der inzwischen mit deutlich breiterer Brust agiert. Auch U23-Kollege Per Lockl hat sich in seinem Praktikum bei den Profis ein erkennbares Selbstbewusstsein erarbeitet. Moustafa Moustafa und Yvandro Borges Sanches machten mit ihren 17 Jahren wieder einen unbekümmerten und fast schon abgeklärten Eindruck.

Dagegen verpasste in der Abwehr Jordan Beyer eine Chance, verursachte beinahe einen Elfmeter und ließ in einigen Szenen die nötige Abgeklärtheit vermissen. Er hat in Abwesenheit der Stamm-Innenverteidiger keinen Boden gutgemacht. So ist er auch kein Kandidat, um aufzurücken, falls Matthias Ginter geht. Laszlo Bénes konnte den ordentlichen Eindruck aus dem Testspiel gegen Metz nicht bestätigen. Keanan Bennetts setzte keine gewinnbringenden Akzente und dürfte so keine Zukunft bei Borussia haben.

Welche Szene blieb sonst noch hängen? Adi Hütter und Bayern-Trainer Julian Nagelsmann machten vor dem Spiel einen sehr vertrauen Eindruck im Gespräch. Und tatsächlich kennen sich die beiden schon lange, hätten nach eigenen Angaben beinahe mal zusammengearbeitet, als Hütter noch in Salzburg war. „Ich mag ihn unglaublich gern. Ein sehr netter Kollege, mit dem man gut über Fußball sprechen kann, aber auch über andere Themen. Wir haben schon länger Kontakt“, sagte Nagelsmann über Hütter. „Auch letztes Jahr haben wir uns immer wieder ausgetauscht und auch abseits der Spieltage mal telefoniert. Das ist nicht mit jedem Kollegen der Fall. Ich freue mich, dass er sich wohlfühlt bei seiner neuen Aufgabe.“

Was sagt der Trainer? „Es war trotz allem ein interessantes Spiel von beiden Mannschaften. Ich finde, dass wir in der zweiten Halbzeit besser im Spiel waren und zum Schluss vielleicht nicht unverdient gewonnen haben“, meinte Hütter. „Es hat Spaß gemacht, auch wenn man bedenkt, dass zwei 17-Jährige im Spiel gewesen sind. Wir haben zu Null gespielt, einen Prestigeerfolg geholt, nicht mehr und nicht weniger. Schöner wäre es natürlich, wenn wir in 16 Tagen das gleiche Ergebnis hätten.“

Was sagen unsere Reporter zum Spiel? Die EM-Fahrer sind zurück im Training, aber waren noch nicht spielbereit. Ähnlich sah es beim FC Bayern aus, weshalb etliche Spieler auf dem Rasen standen, die in beiden Vereinen keine Chance haben werden auf Pflichtspieleinsätze bei den Profis. So lag vor diesem Testspiel die Sinnfrage in der Luft. Doch am Ende lieferte Borussia in Form eines Sieges das beste Argument, warum sich der Kurztrip nach München gelohnt hat. Für einige der jungen Spieler wird der 2:0-Erfolg ohne Übertreibung das bisherige Highlight ihrer Laufbahn gewesen sein. Man denke nur an Torschütze Wentzel oder die beiden 2004er Moustafa und Borges Sanches.

Adi Hütter kann mitnehmen, dass sich einige Trends verfestigen: Beyer hat sich nicht angeboten für einen Stammplatz, Poulsen fehlt noch einiges, was sein drei Jahre jüngerer Außenverteidiger-Kollege Scally dagegen schon mitbringt, auf Kramer ist als Mittelfeld-Boss erstmal Verlass. Freuen kann sich jetzt schon U23-Trainer Heiko Vogel: Denn einige seiner Jungs mögen am Ende der Vorbereitung zwar nicht den Sprung in den Profikader geschafft haben, aber mit eminent wichtigen Erfahrungen zurückkehren ins Regionalliga-Team.

Wie geht es weiter bei Borussia? Am Donnerstag geht es um 10.30 Uhr auf den Trainingsplatz, die München-Reisenden werden allerdings vor allem regenerieren. Der Freitag bringt dann die große Zusammenführung, wenn sich die, die schon lange dabei sind, mit denen, die gerade zurück sind aus dem Urlaub, erstmals gemeinsam auf ein Testspiel vorbereiten. Das findet am Samstag um 15.30 Uhr im Borussia-Park gegen den FC Groningen statt. Die Einnahmen kommen den Opfern der Flutkatastrophe zugute.

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