Borussia Mönchengladbach: Lars Stindl, Yann Sommer & Co. brauchen kein Binde, um Boss zu sein

Bosse ohne Kapitänsbinde : Borussias neue Führungsstärke

Ein Stoffstück entscheidet bei Borussia nicht darüber, wer Verantwortung übernimmt. Das zeigten in den vergangenen Wochen viele Spieler, zuletzt auch der eigentliche Kapitän Lars Stindl, der die Binde noch gar nicht getragen hat.

Letztlich ist es nur ein Stück Stoff. Farblich, das darf man sagen, passt es am besten zu den weißen Heimtrikots der Gladbacher, schließlich ist die Kapitänsbinde bei Borussia in den Vereinfarben gehalten: Schwarz-Weiß-Grün. Mit dem grellgelben Outfit, das Yann Sommer am Sonntag beim starken 4:2-Sieg gegen Eintracht Frankfurt trug, harmoniert es nur so la la. Ein Farb-Berater hätte in der Halbzeitpause interveniert und geraten: „Herr Sommer, bitte geben sie die Kapitänsbinde ab an Herrn Stindl.“

Von Rechtswegen wäre das aber gar nicht möglich gewesen, obwohl Stindl, der nach 35 Minuten für Breel Embolo ins Spiel kam, der offizlelle Kapitän ist. Der Spieler, der mit der Binde startet, behält sie auch. Und das war Stindls Vereter Yann Sommer. Doch Stindl ist keiner, der solche Ansprüche stellen würde. Vielmehr hat er bei seinen Kurzeinsätze untermauert, was sein Prinzip ist: Stindl ist auch der Boss ohne Binde. Gleiches indes gilt auch für Sommer und andere Spieler im Team: Sie übernehmen Verantwortung. Ur-Borusse Berti Vogts hat generell festgestellt, dass im Team von Marco Rose „nicht nur einer vorangeht, sondern alle 18 im Kader das tun. Das Team funktioniert“.

„Yann macht das überragend“, lobt Stindl den Kollegen. „Er hat absolute Autorität in der Mannschaft. Und wir sprechen uns auch immer wieder ab, wenn es um wichtige Dinge geht. Von daher ist es egal, wer die Binde hat.“ Gesprächsbedarf hatte der Schweizer Torhüter auch zuletzt. Indes in einer ganz anderen Angelegenheit. „Da ging es um Vaterfragen“, ließ Stindl wissen. Er ist am Freitag zum zweiten Mal Papa geworden, im Hause Sommer wird der erste Nachwuchs erwartet. Da kann ein Erfahrener wie Stindl schonmal Tipps geben. Über die Sache mit der Binde müssen die beiden sowieso nicht sprechen. Stindl wird sie natürlich wieder bekommen, wenn  er zur Startelf gehört. Das könnte am Mittwoch beim Pokalspiel bei Borussia Dortmund der Fall sein, Trainer Marco Rose wollte da noch nichts verraten.

Dass Stindl schon große Fortschritte gemacht hat, zeigte das Frankfurt-Spiel. Durch Embolos Verletzung kam er zu überraschend viel Spielzeit. „Ich habe mich gut gefühlt. Dass nach einer so langen Verletzungszeit die Beine nach gut einer Stunde auf dem Platz schwer werden, ist normal. Das Spiel hat mir gezeigt, dass ich schon ein paar Minuten mehr spielen kann“, sagte Stindl. Er trug mit seiner Vorlage für Denis Zakaria, der das 4:2 erzielte, auch noch zählbar zum Sieg bei. In der Szene war er ganz der Alte: Er war unnachgiebig im Zweikampf, holte den Ball und spielte dann einen Edelpass. „Da war es leicht, das Tor zu machen“, sagte Zakaria.

Ob Stindl nun in Dortmund zu seinem ersten Startelf-Einsatz seit seiner Verletzung am 13. April in Hannover kommt und dann erstmals auch wieder die Kapitänsbinde tragen wird, „das muss der Trainer entscheiden“. Für 90 Minuten, stellte Rose klar, reicht es noch nicht bei Stindl, was aber einen Einsatz von Beginn an nicht ausschließt. Auch Jonas Hofmann, der wie Stindl nach langer Verletzungspause wieder da ist, wäre eine Option für die erste Elf. „Wir sind trotz der vielen Verletzten noch sehr gut aufgestellt“, findet Stindl. Auch, weil es einige gibt, die auch ohne Binde Boss sein wollen und können.