Bei Borussias 0:4 So machte Stindl anders als erhofft den Unterschied

Mönchengladbach · Beim 0:4 in Leverkusen vergab Borussias Kapitän Lars Stindl einen Strafstoß. Das Thema Elfmeter ist früh in der Saison ein Gladbacher Ärgernis. Vergangenes Jahr lief es vom Punkt noch glänzend.

 Lars Stindl nach seinem Fehlschuss.

Lars Stindl nach seinem Fehlschuss.

Foto: dpa/Marius Becker

Lars Stindl ist einer der Unterschied-Macher Borussias. Im DFB-Pokal-Spiel beim 1. FC Kaiserslautern erzielte er das 1:0-Siegtor, beim 1:1 gegen die Bayern legte er Alassane Plea das 1:0 auf. Nun in Leverkusen hätte er den nächsten Scorerpunkt einsammeln können. Doch dieses Mal machte er auf eine ihm unangenehme Art und Weise den Unterschied beim 0:4 gegen Bayer. Denn er verschoss den Elfmeter, den Schiedsrichter Deniz Aytekin nach dem brutalen Foul, mit dem Leverkusens Mitchel Bakker Stefan Lainer womöglich den Knöchel brach, verhängte nach kurzer Korrespondenz mit dem Video-Assistenten Tobias Welz.

Für Bayer-Trainer Gerardo Seoane war es ein „Schlüsselmoment“ der Partie, es stand 2:0 für Bayer und Borussia wäre kurz vor der Pause wieder herangekommen. Was in solchen Situationen passieren kann, zeigt die Erinnerung an 2017. Damals führte Bayer auch 2:0, doch nach Stindls Anschlusstreffer und seinem Ausgleich sorgte Raffael noch für das 3:2 der Borussen.

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Foto: dpa/Marius Becker

Dass ein verwandelter Elfmeter Stindls am Samstag wieder eine solche Dynamik erzeugt hätte, ist natürlich reine Spekulation. Doch wer Bayer kennt, der weiß: Auch die Werkself ist nicht selten wankelmütig und lässt sich durch Negativerlebnisse schnell mal aus der Bahn werfen. Und Borussia hat die Gabe, sich mental plötzlich wieder aufzupumpen, wenn etwas Positives passiert. Daher ist die These, das ein Anschlusstreffer zwei Minuten vor der Pause eine ganz große Wirkung hätte haben können, zumindest nicht aus der Luft gegriffen. So gesehen war Stindls Tat der Schlüsselschuss des Spiels.

„Den Elfmeter hätte ich besser schießen müssen. Vor ein paar Monaten habe ich gegen Lukas Hradecky noch vom Punkt getroffen. Das hatte ich mir natürlich auch diesmal vorgenommen, aber das hat leider nicht geklappt“, sagte Stindl. Im November 2020 hatte er gegen Hradecky ebenfalls nach rechts gezielt, damals mit Erfolg (wobei das Spiel ebenfalls verloren ging, 3:4). Möglicherweise hat sich der Finne daran erinnert und war nun da, wo der Ball war, und der war dann nicht im Tor.

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Foto: Dirk Päffgen Paeffgen (dirk)

Dabei waren gerade die Elfmeter in der vergangenen Saison Stindls Parade-Disziplin. In sieben von acht Fällen traf der 32-Jährige vom Punkt, nur an Augsburgs Rafal Gikiewicz brachte er im März 2021 den Ball nicht vorbei, auch da verlor Borussia. In Leverkusen gab es den zweiten Elfmeterfehlschuss des Gladbacher Kapitäns im Kalenderjahr 2021.

Generell kann man feststellen, dass das Thema Elfmeter für die Borussen in dieser Saison eher ein Ärgernis ist. Beim 1:1 gegen die Bayern waren die Gladbacher erzürnt, weil zwei Attacken von Dayot Upamecano gegen Marcus Thuram, die durchaus elfmeterwürdig waren, nicht geahndet wurden. „Auch ohne Gladbach-Brille kann man zweimal Elfmeter geben“, befand Stindl. Immerhin wurde seine Befürchtung, dass die Elfmeter-Verweigerungs-Geschichte ein Dauerthema werden könne, widerlegt. „Vielleicht haben wir noch mal Glück in diesem Jahr und kriegen Elfmeter“, sagte Stindl nach dem Bayern-Spiel.

In Leverkusen gab es nun den Elfmeter. Zwar erst im zweiten Anlauf, weil Aytekin zunächst die Bakker-Attacke gegen Lainer außerhalb des Strafraums verortet hatte. Stindl deutete sogleich auf die Spuren im Rasen und auf dem Kreidestrich, der den Strafraum markiert, als auch schon das Signal aus dem Kölner Keller kam und Aytekin umentschied. Doch brachte der Elfmeter nicht das erwünschte Ergebnis, sondern einen weiteren Frustmoment.

Das war vergangene Saison anders. 14 Elfmeter gab es wettbewerbsübergreifend, von denen 13 im Tor landeten, das war eine Erfolgsquote von 92,9 Prozent. Neben Stindl traten Jonas Hofmann (3), Ramy Bensebaini (2) und Julio Villalba (1) vom Punkt an, alle drei hatten eine 100-Prozent-Quote. Die hat nun auch Stindl in dieser Saison. Aber eine negative. „Der Elfmeter passt zu diesem Tag. Aber so etwas passiert. Unabhängig davon bin ich mit unserem gesamten Auftritt sehr unzufrieden“, sagte Stindl. Tatsächlich war der Elfmeter nur die Zuspitzung einer allgemeinen Mangel-Leistung der Borussen. Möglich, dass selbst ein gelungener Versuch Stindls nicht grundlegend etwas geändert hätte an diesem Abend.

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