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Borussia Mönchengladbach: Lars Stindl trifft beim Sieg über FC Bayern München

Gladbacher Kapitän : Starkes Comeback gegen Bayern - Stindl tut Borussia gut

Überraschend gehörte Lars Stindl in München zur Startelf. Er spielte im Zentrum des Angriffs und trug maßgeblich zum 3:0-Erfolg bei – mit einem Tor und einer Balleroberung. Seinen Platz im neuen System hat er schnell gefunden.

Der Kapitän bekam einen Sonderapplaus von den 6000 Gladbach-Fans in der Allianz Arena. 66 Minuten hatte er mitgewirkt beim 3:0-Sieg der Borussen beim FC Bayern München, dann war „die Batterie“ leer, wie er gestand. Er wird den körperlichen Raubbau gern in Kauf genommen haben, markiert er doch einen wichtigen Punkt in seiner Karriere. Er ist wieder da und das gleich mit voller Schaffenskraft. Er „pinselte“ in München über den Rasen, als hätte er nicht 162 Tage gefehlt. Und er fügte sich ins neue System der Borussen ein, als hätte er es schon mit der Muttermilch aufgesogen.

In den vergangenen Wochen, in denen sich andeutete, dass er zurückkehren werde, war immer wieder die Stindl-Frage gestellt worden: Wohin mit ihm im 4-3-3? Den Job, den Stindl in Gladbach so unglaublich gut gemacht hatte, den als hängende Spitze, die in jeder möglichen Tiefe des Raumes zu finden ist, gibt es so nicht mehr im Dreierangriff. Doch hatte Trainer Dieter Hecking schon längst die passende Idee für Stindl – ausprobiert hat er sie genau einen Monat vor dem Comeback seines Anführers beim Testspiel in Willigen gegen Bochum. Auch da kam Alassane Plea über links, Raffael, der da sein letztes Spiel machte, bevor die Wade wieder zwickte, war der Mann im Zentrum. Hinzu kam Ibrahima Traoré. Schon da wurde die Wucht dieser Variante deutlich.

Stindl spielt sein Spiel – er ist nun eben eine spielende Nummer 9, so wie er es beim Confed-Cup 2017 im Nationalteam war. Stindl ließ sich immer wieder fallen, in diesen Momenten verwandelte sich das 4-3-3 quasi in ein 4-3-1-2 mit einer Raute, Stindl war dann eine fast klassische 10, der Räume frei machte für die Kollegen. 8,83 Kilometer spulte er ab, hatte eine starke Passquote von 71 Prozent und gewann 67 Prozent seiner Zweikämpfe. Darunter den gegen Nationalverteidiger Niklas Süle. In der Folge entspann sich der Angriff, den Plea zum 1:0 abschloss.

Pure Begeisterung: Michael Lang jubelt mit Torschütze Stindl ebenso wie Florian Neuhaus und Thorgan Hazard (von links). Foto: dpa/Matthias Balk

Die Art, wie Stindl hier den Ball „klaute“, war typisch für ihn: Er drehte den Körper rein in der Gegner und schob sich so zwischen Spieler und Ball. „Beim 1:0 habe ich ein bisschen spekuliert, dass ich den Ball klauen kann, das hat funktioniert. Danach spielen wir es als Mannschaft sehr gut aus“, sagte Stindl. Seinem eigenen Tor zum 2:0 ging ebenfalls ein Ballklau voraus, hier war es Jonas Hofmann, der Thiago die Kugel abnahm und Stindl dann bediente. „Der Winkel war nicht gut, darum habe ich versucht, den Ball auf den rechten Fuß zu legen. Das hat glücklicherweise geklappt und der Ball ging in die kurze Ecke“, beschrieb er. Das bis dahin letzte Tor hatte er am 20. April gegen Wolfsburg erzielt.

Nach dem Einschuss hob der Torschütze ab. Auf den Fotos dieses Moments ist er als fliegender Stindl eingefroren, das erinnert an den Drehsprung von Günter Netzer nach dessen 2:1-Siegtor im Pokalfinale gegen den 1. FC Köln 1973. Netzer und den anderen Borussen aus dem Original der Fohlenelf war kein Sieg bei den Bayern vergönnt, Stindl trug nun taktisch und torjägerisch wesentlich dazu bei. Dass er auch ein Achter sein kann, wie Hecking vor der Reise nach München sagte, liegt auf der Hand. Er ist Ballverteiler, Ballsicherer und Anläufer ebenso wie Tormacher und Vorbereiter.

Dass der Kapitän als Stütze auch in der Kabine wichtig ist für die Mannschaft, hatte Hecking schon angemerkt. „Lars tut uns gut“, versicherte auch Matthias Ginter, der Abwehrchef. Das Team hat Stindl insofern unterstützt, dass es ihm mit dem guten Start alle Zeit beschert hat, in Ruhe zurückzukehren. Es funktionierte ohne den Kapitän. Doch seit München wissen alle Borussen: Es funktioniert auch mit ihm. Das ist eine wesentliche Erkenntnis des Bayern-Spiels. „Wenn man einen Nationalspieler hat, der nach einer langen Verletzungspause wieder in Form kommt, braucht man als Trainer auch das Quäntchen Glück, dass es so klappt“, sagte Hecking.

Stindl hat in München die Verletzung abgehakt. Er hat keine Probleme mehr, ist vollkommen fit. Er wird nun die Länderspielpause nutzen, um die nächsten Schritte zu machen. Am Freitag ist das Testspiel beim Wiener SC, noch einmal eine Woche danach das nächste Liga-Spiel gegen Mainz. Dann wird es spannend, wer ran darf in der Offensive, weil auch Raffael bis dahin zurück sein will. Stindl jedenfalls hat sich positioniert. Mit einem Knalleffekt. „Siege in München sind in jeder Karriere etwas Besonderes“, sagte Stindl.