Borussia Mönchengladbach: Lars Stindl kann Rolle von Jonas Hofmann einnehmen

Neue Aufgabe für den Kapitän?: Stindl kann Hofmanns Rolle einnehmen

In Leipzig zeigte sich, wie wichtig der Achter für das 4-3-3 ist. Kapitän Lars Stindl könnte die Rolle ähnlich interpretieren wie der verletzte Jonas Hofmann.

Borussia hat das Verletzungsproblem der vergangenen Spielzeit in den Griff bekommen. Doch nun hat das Schicksal mal wieder zugeschlagen und ausgerechnet zwei Protagonisten der bisherigen Saison aus dem Spiel genommen: Abwehrchef Matthias Ginter und Mittelfeld-Taktgeber Jonas Hofmann. Die Art, wie beide im Team wirken, wurde vermisst am Sonntag beim 0:2 bei RB Leipzig.

Dass die Abwehr ohne Ginter, der vor seiner Augenhöhlenfraktur, die er sich beim 4:1 gegen Hannover zugezogen hat, keine Sekunde verpasst hatte, seit er nach Gladbach gekommen ist, eine Einspielzeit brauchen würde, nutzte Leipzig eiskalt aus mit dem Blitztor von Timo Werner. Danach fing sich Borussia, mal abgesehen vom unnötigen 0:2 kurz vor der Pause. Doch den entscheidenden Druck, den konnte Trainer Dieter Hecking Team nicht erzeugen. Auch, weil Hofmann fehlte.

Es ist schon kurios: Der Mann hat so lange gebraucht, bis er richtig ankam in Gladbach. Und nun ist er nicht nur ein Gesicht des neuen Systems, sondern nahezu unersetzlich. Denn: Hecking hat den 26-Jährigen zum Chef-Anläufer gemacht. Hofmann gibt also den Takt vor in der Offensive, er bestimmt, wie aggressiv von Fall zu Fall das Pressing ausfällt. Dass er sein taktisches Fachwissen nutzt, um effektive Anlaufwege zu nehmen, hat er oft gezeigt in der bisherigen Saison. Diesen Kniff hat Denis Zakaria, der junge Schweizer, noch nicht raus. Er ist engagiert und gewillt, Bälle zu ergattern, doch sind seine Laufwege zuweilen zu uneffektiv, um den Gegner wirklich zu beeindrucken.

Am Mittwoch um 10 Uhr starten die Borussen in die Vorbereitung auf das Spiel am Sonntag (18 Uhr) gegen den VfB Stuttgart. Ein wesentliches Lernziel dürfte sein, das Hofmann-lose Angriffsspiel so zu definieren, dass der Druck auf den Gegner wieder wächst. Dabei kann eine Personal-Rochade helfen: Lars Stindl wäre einer, der dem Anforderungsprofil entspricht.

Stindl ist ohnehin viel unterwegs als gelernte hängende Spitze, er könnte dann mehr aus der Tiefe kommen als sonst. Das Zentrum des Angriffs könnten Alassane Plea oder Raffael besetzen gegen den VfB. Beide sind heiß auf Tore, Plea hat seit dem 26. September nicht mehr daheim getroffen, und auch Raffael will beweisen, dass er mehr ist als ein Edeljoker.

Stindl könnte derweil seine Erfahrung in der Zentrale einbringen: Er ist wie Hofmann ein gewiefter Balleroberer, siehe zum Beispiel seine Klau-Aktion vor dem 1:0-Führungstor in München. Dass er die ominösen Räume kennt, das Spiel mit seinen Pässen schnell machen kann und sehr umtriebig ist, ist ebenfalls bekannt. In der Schlussphase in Leipzig rückte Stindl auch schon auf die Acht. Im Testspiel gegen Münster probte Hecking die Variante gar von Beginn an, Stindl schoss ein Tor und spielte die Rolle zu Heckings Zufriedenheit. Zudem hat er den Job in Hannover früher öfter mal gemacht. Warum sollte es also kein Ansatz sein? Zumal Stindl sein Talent für seine eigentliche Rolle, die Neuneinhalb, vielleicht als Achter im 4-3-3 noch mehr ausleben kann, denn als Mittelstürmer.

In Leipzig wurde nochmal deutlich, wie wichtig eine funktionierende Doppelacht für das System ist. Hecking hofft, seinen Taktgeber Hofmann in diesem Jahr doch noch wieder einsetzen zu können. Wie lange dieser mit seiner Muskelverletzung aber tatsächlich ausfällt, ist offen. Mindestens für Sonntag sollte Heckings Devise sein: Ab auf die Acht, Herr Kapitän!

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Lars Stindl

(kk)
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