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Borussia Mönchengladbach: Kurioses aus den Sommer-Trainingslagern von früher

Raftingtour und Knastbesuch : Borussias Trainingslager-Historie hat so manche Kuriosität zu bieten

1968 bereitete sich Borussia erstmals fernab des Bökelbergs auf die kommende Bundesligasaison vor, auch in die Karibik ging es mal. Viele Jahre lang hatte sie ein Stammquartier wie es heute Rottach-Egern am Tegernsee ist. Und teambildende Maßnahmen gab es auch schon in der Anfangszeit.

In der Vorbereitung zur Saison 1970/71 gingen Borussias Profis für ein paar Stunden in den Knast. Die Gladbacher hatten indes während ihres Trainingslagers in der Sportschule „Schöneck“ in Karlsruhe-Durlach nichts verbrochen, sie kamen damit nur einer Bitte des Gefängnispfarrers von Bruchsal nach, der die Trainer und Spieler des amtierenden Deutschen Meisters zu einem Diskussionsabend in die Anstaltskirche eingeladen hatte.

„Wir folgten dieser Bitte, steckten die Taschen voller Zigarettenpackungen und zogen ins Gefängnis ein. Selten habe ich ein so informiertes, interessiertes und dankbares Publikum erlebt wie in der mit Strafgefangenen rappelvollen Gefängniskirche“, schrieb Borussias damaliger Manager Helmut Grashoff in seinem Buch „Meine launische Diva“. Von Teambuilding-Maßnahmen war damals noch nicht die Rede, doch auf jeden Fall war der Gefängnis-Besuch im Jahr 1970 ein besonderer Termin im Trainingslager-Alltag der Gladbacher.

Dieser Alltag in der intensivsten Trainingswoche der gesamten Vorbereitungsphase dürfte sich im Verlauf der Jahrzehnte gar nicht so stark verändert haben, auch wenn die Aktionen außerhalb der Reihe mittlerweile womöglich etwas anders aussehen als noch in den Anfängen der Trainingslager. Grashoffs Erinnerungen, die er nach 30 Jahren in der Verantwortung als Vizepräsident und Manager im Verein veröffentlichte, geben auch einige Einblicke, wie die Gladbacher Trainingslager in den Siebziger- und Achtzigerjahren aussahen.

Bereits kurz nach ihrem ersten Aufstieg in die Bundesliga 1965 unternahm Borussia große Fernreisen, 1967 ging es nach Südamerika, zwei Jahre später nach Japan. Diese fanden aber jeweils unmittelbar im Anschluss der gerade absolvierten Saison statt. Um sich einmal fernab von Gladbach auf die neue Spielzeit vorzubereiten, fuhr Borussia laut Helmut Grashoff im Sommer 1968 erstmals in ein richtiges Trainingslager, in der Schweizer Sportschule „Magglingen“ bei Biehl bezogen die Borussen Quartier.

Dann jedoch sollte für viele Jahre, zunächst unter Hennes Weisweiler, dann auch unter seinen Nachfolgern Udo Lattek und Jupp Heynckes, die Sportschule „Schöneck“ zum bevorzugten Reiseziel der Gladbacher werden – mit wechselndem Rahmenprogramm. Mal wurde ein Tennisturnier organisiert, mal war die Mannschaft beim ehemaligen Bundestrainer Sepp Herberger zum gemütlichen Kaffeeklatsch zu Gast.

Nur selten wich Borussia in der Folge von ihrem Traditionsstandort ab, etwa 1976, als es in die Karibik, nach Mittel- und Nordamerika sowie nach Kanada ging. Nur kam der ungewöhnliche Trip beim Team nicht gut an. Das bemerkte Grashoff, als er auf die Antillen nachgeflogen kam. „Ob der herrschenden Hitze, der Trainingsarbeit auf einem Rasenplatz, dessen Grashalme man zählen konnte, und der Tatsache, dass feinsandiger, palmenbesetzter Strand weit und breit nicht zu entdecken war, schien schlechte Laune ausgebrochen zu sein. Ach, du lieber Himmel!“, schrieb Grashoff.

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Schlechte Laune drohte auch, als Borussias Profis 2004 – die Gladbacher hatten da längst wechselnde Quartiere für ihr Trainingslager – in Grassau am Chiemsee eines Abends auf einem morastigen Feldweg unterwegs waren. Es ging zu Fuß zu einer Hütte, auf der es einen Mannschaftsabend geben sollte. Und die beschwerliche Anreise war dann auch schnell vergessen, als der Hüttenabend in Gang kam. Das bekam auch Vladimir Ivic noch zu spüren. Der frisch verpflichtete Serbe sollte seine neuen Teamkollegen noch kennenlernen und kam zu später Stunde mit Sportdirektor Christian Hochstätter an der Hütte an. Die Mitspieler feierten den verdutzten Neuling in feucht-fröhlicher Runde mit „Wir wollen den Vladi sehen“-Sprechchören – so einen Empfang bekommt auch nicht jeder.

Teambuilding der etwas anderen Art unternahm Jos Luhukay mit seiner Mannschaft in Bad Kleinkirchheim 2007. So wurde die Rafting-Tour auf der Möll für so manchen Profi zur Mutprobe. Und der Thrill-Faktor konnte durch einen Sprung von einer Brücke in die reißenden Fluten sogar noch gesteigert werden. Der Kanadier Rob Friend, gerade erst zum Team gestoßen, fügte sich mit einem Salto rückwärts bei seinen Teamkollegen ein.

Heutzutage besteht das besondere Ritual beim Kennenlernen der Neuen aus einem Lied, das jeder Neuling vor versammelter Mannschaft vortragen muss. So wird es auch in dieser Woche am Tegernsee sein, Jordan Beyer hat in seiner Kolumne schon angekündigt, dass er sich auf die Gesangseinlage von Ko Itakura freut. In Rottach-Egern, hat Borussia ihr zweites „Schöneck“ gefunden, ein festes Reiseziel für das Trainingslager im Sommer. Ein Knast-Besuch indes steht nicht mehr auf dem Programmplan der Gladbacher.