Borussia Mönchengladbach: Klub hadert mit Schiedsrichter Tobias Stieler

Gladbach hadert mit dem Schiedsrichter : „Ich erwarte mehr Fingerspitzengefühl“

Die Gladbacher waren mit den Entscheidungen von Schiedsrichter Tobias Stieler beim 2:2 im Spitzenspiel bei RB Leipzig nicht einverstanden. Der Referee selbst weist jede Schuld von sich.

Borussia hat nach dem 2:2 bei RB Leipzig mit Schiedsrichter Tobias Stieler gehadert. Dessen Gelb-Rot gegen Alassane Plea war ein Knackpunkt im Spiel, in dem Borussia nach 45 Minuten 2:0 geführt hatte. Plea musste beim Stand von 2:1 für Borussia vom Platz. Der Franzose war gefoult worden, Stieler hatte die Attacke nicht geahndet und Plea stattdessen wegen Meckerns Gelb gezeigt. Plea reagierte mit einer Geste und sah dann die zweite Gelbe Karte.

„Ärgerlich ist die Gelb-Rote. Die Entscheidung war aus unserer Sicht viel zu hart. Ich habe dem Schiedsrichter nachher gesagt, dass ich in einem Spitzenspiel etwas mehr Fingerspitzengefühl erwarte“, sagte Jonas Hofmann, der nach Pleas 1:0 das zweite Tor erzielt hatte. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit elf Mann den Sieg mit nach Hause genommen hätten, wäre sicher höher gewesen“, sagte Rechtsverteidiger Stefan Lainer.

„Wir haben latent gespürt, dass Kleinigkeiten eher gegen uns gepfiffen wurden. Man muss einem Spieler, der in einem emotionalen Spiel ist und ein Foul gegen sich nicht gepfiffen bekommt und dann Gelb sieht, nicht 20 Sekunden später nochmal Gelb zeigen. Er hat nichts gesagt, er hat nur abgewunken. Da erwarte ich schon, bei allem Vorbild, das wir sein müssen, dass wir uns ein bisschen regen dürfen und keine Zinnsoldaten werden müssen, die auf dem Platz nur noch funktionieren“, monierte Sportdirektor Max Eberl. Neben Plea sah auch Verteidiger Nico Elvedi Gelb, als sich er und andere Gladbacher bei Stieler einfanden, um Einspruch zu erheben.

Trainer Marco Rose, der ebenfalls Gelb sah, als er Stieler seine Meinung in einer anderen Sache mit einer Geste kundtat, erneuerte seine Idee, mal eine Gesprächsrunde mit den Schiedsrichtern einzuberufen. Zur Situation mit Plea wollte er sich nicht explizit äußern. „Dazu haben genug Experten etwas gesagt, die den Fußball spüren und kennen. Das spricht für sich“, sagte Rose. Sein Trainerkollege Julian Nagelsmann gab zu, dass er Plea in der Szene nicht vom Feld geschickt hätte. Vize-Präsident Rainer Bonhof ließ in der Mixedzone ebenfalls wissen, dass er nicht einverstanden sei mit Stielers Spielleitung.

Stieler indes verteidigte seine Entscheidungen. Das Foul an Plea vor der Situation „habe ich als nicht strafwürdig erachtet“. Roses Aktion gegen ihn sei ebenfalls eine „respektlose Aktion“ gewesen. Bei Plea „gibt es in der Szene nichts zu diskutieren. Er hat abfällig und gestenreich keinen Respekt gezeigt. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, dass er nach der ersten Gelben Karte nicht aufhört zu gestikulieren. Die Spieler haben eine Vorbildfunktion. Sicher gab es schon schlimmere Szenen, dennoch ist dieses Verhalten inakzeptabel. Die Entscheidung war eine Folge der neuen Regelauslegung und es ist auch die Linie, die die Uefa schon seit Jahren fährt. Ich werde diese Regel auch in Zukunft so konsequent auslegen, da müssen die Spieler umdenken", sagte er. „Wir müssen auch Zeichen setzen.“

Borussias Fans werden diese Erklärung des Schiedsrichters nicht gelten lassen. Sie kritisierten die Vorstellung des Unparteiischen ausführlich in den sozialen Netzwerken. Auch Ex-Borusse und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der als Experte des Bezahlsenders Sky in der Leipziger Arena war, hatte kein Verständnis für Stieler. „Nun darf man nicht mal mehr abwinken. Dadurch beraubst du dir jeglicher Emotionen. Für mich war es kein Platzverweis. Wenn jedes Abwinken bestraft wird, zeigst du in diesem Spiel 15 Gelbe Karten“, sagte Matthäus.