„Finale“ in Madrid Schluss mit dem Borussia-Fatalismus

Meinung · Borussia ist bekannt dafür, besonders „schön“ zu scheitern in der Historie. Doch die Vereinschronik kann nach dem Champions-League-“Endspiel“ in Madrid kein weiteres Kapitel dieser Kategorie gebrauchen. Optimismus ist angesagt bei Marco Rose und den Spielern.

Borussia Mönchengladbach: Startelf beim VfB Stuttgart
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So könnte Borussias Startelf in Stuttgart aussehen

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Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Die Auslosung hatte natürlich dazu eingeladen, sich an den Dramen der Vereinsgeschichte zu laben. Inter Mailand – der Büchsenwurf 1971. Real Madrid – der gefühlte Betrug durch Schiedsrichter Leonardus van der Kroft 1976, dann 1985 das unvergessliche 5:1 im Hinspiel und das schmachvolle 0:4 im Rückspiel. Damit waren gleich drei Kapitel des „schönen Scheiterns“ abgedeckt, für das Borussia neben den großen Erfolgen auch steht. Immerhin waren Real und der FC Liverpool, gegen den Gladbach 1973 und 1977 ein Europacup-Finale verlor, nicht beide möglich. Dundee United (Aus im Uefa-Cup-Halbfinale) und Hannover 96 (Pleite im DFB-Pokal-Finale 1992) lagen sowieso nicht im Topf.

Doch am Mittwoch muss der Fatalismus endlich ruhen. Borussia tritt als Tabellenführer ihrer Champions-League-Gruppe bei Real Madrid an. Wie unglaublich klingt das? Ein Punkt reicht zum Weiterkommen, während der Gegner bei einem Remis bibbern muss und bei einer Niederlage definitiv ausgeschieden ist, vielleicht sogar als Vierter. Dieses Schicksal droht den Gladbachern als einzigem Team in der Gruppe nicht mehr. Sie haben in jedem Spiel mindestens zwei Tore erzielt, 16 insgesamt. Real, Inter und Schachtjor Donezk kommen zusammen auf 21.

„Wenn wir es nicht schaffen sollten, wäre das schon eine Enttäuschung“, sagt Matthias Ginter. Und sein Mitspieler Florian Neuhaus stellte sich gleich nach der Niederlage gegen Inter hin und meinte: „Dann machen wir es halt gegen Real fest.“ Dieses trotzige Erfolgsdenken ohne Hang zum Hadern hat Marco Rose den Borussen eingeimpft. Noch in der Endphase der vergangenen Saison, als die Mannschaft die Champions League beinahe verspielte, waren Spuren einer vorschnellen Genügsamkeit zu erkennen. Doch Gladbach musste die letzten drei Spiele gewinnen, also wurden halt die letzten drei Spiele gewonnen.

Fotos: Nico Elvedi bei Borussias Abschluss-Training vor Real
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Elvedi bei Borussias Abschluss-Training vor Real

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Foto: Dirk Paeffgen
Borussia Mönchengladbach kann gegen Real Madrid dem Fatalismus ein Ende bereiten
Foto: dpa/Marius Becker

Die Borussen haben den großen Coup in Madrid drauf, sagen unisono: „Wir wollen gewinnen.“ Drei Punkte kämen einer Überperformance gleich, weil schon einer reicht. Ein Sieg würde den Fatalismus aber am wirkungsvollsten in die Chronik verbannen.

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