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Borussia Mönchengladbach kann bei Real Madrid Historisches in der Champions League erreichen

Borussia bei Real Madrid : Großes Spiel, großer Auswärtssieg?

Borussia kann erstmals ins Achtelfinale der Champions League einziehen. Es gibt historische Beispiele für große Auswärtssiege, eine seltsame Schiedsrichterbesetzung und ein kleines Stadion mit großem Namen.

Das Bernabéu ist weit weg, zwölf Kilometer um genau zu sein. Das ehrwürdige Stadion, die Heimstätte von Real Madrid, wird umgebaut, deswegen sind die „Königlichen“, daheim „Blancos“, „die Weißen“ genannt, umgezogen in ein kleines Stadion mit einem großen Namen: Estadio Alfredo di Stefano. Der Argentinier, der 2014 starb, ist die wohl größte Klublegende, er gewann achtmal die Meisterschaft mit Real und fünfmal in Folge den Landesmeisterwettbewerb. 2006, als die Arena im 120 Hektar umfassenden Trainingszentrum Reals eingeweiht wurde, war di Stefano dabei. Er sah im Eröffnungsspiel gegen Stade Rennes auch das erste Tor in „seinem“ Stadion - erzielt wurde es von Sergio Ramos.

Der Verteidiger wird dabei sein, wenn di Stefanos Erben am Mittwoch gegen Borussia versuchen, ein Debakel zu vermeiden. Es droht das erste Aus in der Gruppenphase der Champions League. Gladbach wiederum ist noch nie ins Achtelfinale der Königsklasse eingezogen. Dass beiden Teams ein Remis reichen kann, interessiert weder Gladbachs Trainer Marco Rose noch seinen Kollegen Zinédine Zidane. Der stellte unmissverständlich klar bei der Pressekoferenz vor dem von seinem Mittelfeldmann Casemiro als „Finale“ titulierten Spiel: „Wir wollen punkten und Erster in der Gruppe werden. Wir sind es gewohnt, unter Druck zu spielen. Dieses Spiel ist die Gelegenheit zu zeigen, was für ein Team wird sind.“

Zidane, selbst Weltmeister, Europameister und als Trainer wie Spieler Champions-League-Sieger, machte unmissverständlich klar, dass er nur eines von seinem Team erwartet: einen Sieg. Zweimal hat Real verloren gegen Schachtjor Donezk und ist deswegen gefährdet. Nun sollen es Rückkehrer Ramos, über den Kollege Casemiro sagt, er sei einer der größten Spieler des Klubs, und die anderen richten gegen die Borussen, die ihrerseits Donezk zweimal brutal abgefertigt haben (6:0, 4:0). Doch ein Klub wie Real schaut nicht auf die Konkurrenz, er ist sich selbst der Maßstab, und daher kann es nur einen Sieger geben. Mit der Option Europa League oder gar dem Europa-Aus, das ihn vielleicht den Job kosten könnte, befasst sich Zidane daher erst gar nicht.

Das ist eine Attitüde, die Marco Rose gefallen dürfte. Borussias Trainer denkt ebenfalls in Siegen, weswegen es für ihn keine Option ist, auf den einen Punkt zu spielen, der schon reichen würde in diesem großen Spiel für die Gladbacher. Rose und die Seinen können Geschichte schreiben, das wissen sie und das wollen sie. Dass auch sie für einen Klub mit großer Geschichte spielen, wird gerade durch Gegner Real klar. 1976 war es ein niederländischer Schiedsrichter, der Borussia im Bernabéu zwei Tore klaute – und nun ist es erneut ein Niederländer, der geschickt wird, um das Finale im Estadio Alfredo di Stefano zu leiten: Björn Kuipers, der schon beim 2:2 der Gladbacher bei Inter Mailand der Mann mit der Pfeife war. Borussias Fans werden genau hinschauen, das gebietet ihnen die Historie.

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Die indes interessiert die Protagonisten der Gegenwart gar nicht. Borussia darf guter Dinge die Geschichte in Madrid angehen. Sie hat sich diesen Vertrauensvorschuss verdient mit der bisherigen Champions-League-Saison. Die brachte unter anderem das 2:2 im Hinspiel, das Real mit zwei späten Tore soeben noch hinkriegte. Da war der Sieg der Borussen möglich, und das ist er auch nun.

Gelingt er, wäre er einzureihen in die großen internationalen Auswärtserfolge der Klubgeschichte: Wie das 5:1 bei Twente Enschede 1975, das den ersten Uefa-Cup-Seg brachte, das 3:2 bei Inter Mailand 1979 auf dem Weg ins Finale. Oder 1996 das 3:2 beim FC Arsenal in London, der erste Sieg in England. Oder 2016 das 2:0 in Glasgow, der erste Auswärtserfolg in der Champions League. Oder 2017 das 4:2 in Florenz, mit dem Borussia erstmals ins Achtelfinale der Europa League einzog.

Die letzten beiden Spiele hat Torwart Yann Sopmmer mitgemacht. Nun will er erneut mitarbeiten an einem Eintrag in die Geschichtsbücher Borussias. „Es ist natürlich ein wichtiges Spiel. Wir hatten gesagt, dass wir weiterkommen wollen. Und jetzt haben wir das entscheidende Spiel vor Augen. Wichtig wird sein, dass wir mutig sind“, sagte der Torhüter am Dienstagabend bei der Pressekonferenz in Madrid. Neben ihm nickte Rose. „Es ist ein großes Spiel“, sagte der Trainer. Das Estadio Alfredo di Stefano ist immerhin ein Schauplatz dafür mit einem klangvollen Namen.

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