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Borussia Mönchengladbach kämpft mit Underdogs um Europa Conference League

Kampf um Europapokal : Lässt Borussia mal wieder einem Underdog den Vortritt?

Sechsmal hat Gladbach alleine seit der Relegationsrettung 2011 das internationale Geschäft erreicht. Doch es gab auch Jahre, in denen Borussia selbst Chancen liegen ließ. Meist profitierten davon kleinere Klubs. So war es auch schon vor der sportlichen Renaissance.

Da sein, wenn die Großen schwächeln. Borussias Manager Max Eberl hat das in den vergangenen Jahren zu einem Gladbacher Motto gemacht, wenn es um die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb ging. Zuletzt bezog er das sogar des Öfteren auf ein Ticket für die Champions League, aktuell allerdings kann Borussia schon froh sein, wenn sie am letzten Spieltag noch den siebten Tabellenplatz und damit zumindest die Play-offs für die neu geschaffene Europa Conference League sichert.

Denn diesmal sind es die Gladbacher selbst, die als „Großer“ schwächeln und damit „Kleineren“ die Tür öffnen auf dem Weg in den Europapokal. Der 1. FC Union Berlin, der vor dem letzten Spieltag mit einem Punkt Vorsprung vor Gladbach in der Pole Position ist, sowie Aufsteiger VfB Stuttgart und der SC Freiburg, die nur einen Zähler Rückstand auf die Gladbacher haben, sind die Außenseiter, die vom Schwächeln der Borussia nun profitieren können. Es wäre eine Enttäuschung für die Borussen, aber beileibe nicht das erste Mal, dass sie Underdogs den Vortritt lassen.

Und das bezieht sich nicht nur auf die erfolgreiche Phase seit der Relegationsrettung vor zehn Jahren. Auch in dem Jahrzehnt davor verpasste es Borussia zweimal, das Ticket für den Europapokal zu lösen, damals nur nicht über die Liga, sondern jeweils im DFB-Pokal. Zweimal stand sie in den Nullerjahren im Halbfinale, 2001 und 2004, in beiden Fällen hätte der Finaleinzug das internationale Geschäft für Gladbach bedeutet, da sich die Finalgegner Schalke 04 und Werder Bremen bereits über die Meisterschaft für den Europapokal qualifiziert hatten. Und beide Male befand sich Gladbach im Halbfinale als höherklassiges Team in der Favoritenrolle.

2001 war Borussia selbst zwar Zweitligist, traf in der Vorschlussrunde aber auf Union Berlin, das als Regionalligist damals nur drittklassig spielte. Die Amateure zwangen den Favoriten an der Alten Försterei jedoch ins Elfmeterschießen und behielten dort die Oberhand – womit Union, das anschließend die zweite Runde im Uefa-Pokal 2001/02 erreichte, nun bei einer möglichen zweiten Europapokal-Teilnahme zum zweiten Mal den Borussen den Startplatz streitig machen könnte.

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Auch 2004 bekam es Gladbach im DFB-Pokalhalbfinale mit einem unterklassigen Gegner zu tun, diesmal scheiterte es auf dem Aachener Tivoli – 0:1. Die Alemannia erreichte in der Folgesaison sogar die Zwischenrunde des Uefa-Cups (unter Trainer Dieter Hecking) und scheiterte nur knapp an AZ Alkmaar, die Gladbacher schauten erneut nur zu.

Nach Abstieg 2007, Wiederaufstieg 2008 und Relegationsrettung 2011 entwickelte sich Borussia wieder zu einer Mannschaft, die Jahr für Jahr um Europa mitspielte – und die Qualifikation seitdem auch schon sechsmal schaffte. In den drei übrigen Jahren war die Chance auf Europa aber ebenfalls bis zum letzten Spieltag vorhanden, Gladbach konnte sich indes nicht durchsetzen. Die Konkurrenten waren dabei jeweils Mannschaften, die eher hinter den Borussen erwartet worden waren.

2013 wurde Borussia am Ende Tabellenachter, doch bis zuletzt hatte sie Tuchfühlung zu den Europa-League-Plätzen, die sich aber der SC Freiburg und Vorjahres-Aufsteiger Eintracht Frankfurt sicherten. Frankfurt war für Gladbach auch Endstation im Halbfinale des DFB-Pokals 2017, im eigenen Stadion ging die Partie im Elfmeterschießen verloren. Borussia hatte in jenem Jahr trotz schwacher Hinrunde aber auch die Chance, über die Liga den Europapokal zu erreichen. Drei Spieltage vor Schluss betrug der Rückstand auf den Tabellensiebten Freiburg nur zwei Punkte, doch zu mehr als drei Unentschieden reichte es den Borussen nach einer kräftezehrenden Saison nicht mehr, Freiburg verteidigte den letzten Platz für die Europa League.

Ein Jahr darauf blieb Gladbach erneut nur der neunte Rang, mit vier Zählern Rückstand auf den Aufsteiger VfB Stuttgart. Den Schwaben hätte der siebte Platz für die Europa-League-Qualifikation genügt, hätte Bayern München nicht überraschend das Pokalfinale gegen Frankfurt verloren.

Union Berlin, SC Freiburg, VfB Stuttgart – mit diesen Teams konkurriert nun Borussia erneut um das letzte Europapokal-Ticket. Im Fall der Berliner, die RB Leipzig empfangen, hat es Gladbach nur nicht mehr selbst in der Hand, den aufmüpfigen Underdog in die Schranken zu weisen. Dafür hat Borussia in den vergangenen Monaten zu oft geschwächelt.