Vor dem Pokalderby Jubiläen waren für Borussia oft ein gutes Omen

Mönchengladbach · 50. Bundesliga-Saison als Omen? Zum Jubiläum hat Borussia schon oft was geholt. Aber der Weg ist weit - und auf dem Weg liegt Düsseldorf.

 Albert Brülls bejubelt den Pokalsieg 1960.

Albert Brülls bejubelt den Pokalsieg 1960.

Foto: Horstmüller (Archiv)

Es ist Borussias 50. Bundesliga-Saison. 1965 schaffte sie den Aufstieg und war bis 1999 durchweg erstklassig. Nach dem ersten Abstieg gab sich der "Mythos" zwei Jahre lang in der Zweiten Liga die Ehre, bevor er 2001 zurückkehrte in die alte "Heimat". Noch einmal, 2007, ging es abwärts. Nach dem Wiederaufstieg 2008 war es zwar zuweilen knapp, doch blieb Borussia stets Bundesligist. So ist die Saison 2017/18 eine Jubiläums-Saison. Möglich, dass dies dafür spricht, dass sich die Sehnsucht nach "etwas Blechernem" (Sportdirektor Max Eberl) erfüllt. Denn oft gab es zu runden oder halbrunden Jubiläen (erstens vom Gründungsjahr ausgehend, zweitens vom Aufstieg 1965) etwas zu feiern. Wofür hat man eine lange Tradition, wenn nicht, um daraus Erfolgs-Wahrscheinlichkeiten abzuleiten?

1920, 20 Jahre nach der Gründung, holte Borussia den ersten großen Titel. Durch ein 3:1 nach Verlängerung im Endspiel gegen den Kölner BC wurde sie Westdeutscher Meister. Allerdings war sie damals nach einer Fusion mit Germania unter dem Namen "Turn und Rasensport 1889 M.-Gladbach" unterwegs. Gespielt wurde in Neuss. "Die zähere Elf hat gewonnen", fasste "Fußball und Leichtathletik" zusammen und vermutete, dass 10.000 bis 12.000 Zuschauer dem Spektakel beiwohnten. Paul Pohl glich nach viermaliger Elfmeter-Wiederholung acht Minuten vor Schluss für Gladbach aus, in der Extrazeit trafen Heinz Janssen und erneut Pohl, die "Kanone", wie es in "Fußball und Leichtathletik" hieß. Ein Jahr zuvor, genauer gesagt: am 21. September 1919, war das Stadion an der Bökelstraße eröffnet worden, der spätere Bökelberg, der bis 2004 die Heimat der Borussen sein sollte. 1920 wurde die Arena noch mal ausgebaut, das "Westdeutsche Stadion" blieb für die Gladbacher aber eigentlich weiter "de Kull". Bis RP-Redakteur W.A. Hurtmanns den Namen "Bökelberg" erfand.

1950, zu ihren 50. Geburtstag, stieg Borussia erstmals in die Oberliga auf — als Zweiter der Tabelle hinter den Sportfreunden Katernberg aus Essen. 79 Tore erzielten die Gladbacher, mehr als jedes andere Team der Liga. Das prominente Trainergespann Paul Pohl und Heinz Ditgens, der erste Nationalspieler Borussias, hatte ein Team, das die Rheinische Post "zu den stärksten überhaupt" zählte. Am letzten Spieltag gab es ein 7:1 gegen die SpVgg Röhlinghausen, die sich aber eine Halbzeit lang erbittert wehrte. Für die Aufsteiger gab es einen Lorbeerkranz, den Kapitän Bernhard Schiller überreicht bekam, und nette Worte von Bürgermeister Wilhelm Engels: "Hoffentlich werden Sie dem Namen der Sporthochburg Mönchengladbach in der Oberliga alle Ehre machen", sagte er. Die Zeiten und Handlungsträger ändern sich, nicht aber die Ansichten. Im Vereinslokal Schumacher und in ganz Eicken wurde kräftig gefeiert.

1960, zu ihrem 60. Geburtstag, holte Borussia überraschend zum ersten Mal den DFB-Pokal — was das Europapokal-Debüt nach sich zog. Letzteres fiel gegen die Glasgow Rangers recht bescheiden aus (0:3, 0:8), doch der erste nationale Triumph des Klubs vom Niederrhein war umso beachtlicher. Im Halbfinale, das zugleich Borussias erstes DFB-Pokalspiel überhaupt war, besiegten die Gladbacher, angeführt von ihrem Starspieler Albert Brülls, den Hamburger SV. Das war schon was in jenen Tagen, denn der HSV mit Uwe Seeler gehörte zur Elite des Landes.

Das 2:0 passierte in Münster, weil die Spiele der Vorschlussrunde auf einem neutralen Platz ausgetragen wurden. Im Endspiel gegen den Karlsruher SC gab es den ersten großen Pokal-Triumph im Düsseldorfer Rheinstadion. Nachdem der KSC die Führungstore von Karl-Heinz Mühlhausen und Uli Kohn noch ausgleichen konnte, schaffte Brülls, der 1962 der erste Borusse bei einer WM war, das 3:2-Siegtor. "Mit dem großen Abschluss einer stolzen Pokalserie hat Borussia dem Namen der Stadt in jeder Beziehung Ehre gemacht", sagte Oberbürgermeister Wilhelm Maubach.

1965, zum 65. Geburtstag, stieg Borussia in die Bundesliga auf. Günter Netzers Ausgleichstor gegen Wormatia Worms im letzten Spiel der Aufstiegsrunde, das 109. Tor einer sehr langen Saison, brachte im 54. Spiel das, was Mundartdichter "Jupp" vor dem Spiel gefordert hat: "En Pönktsche noch, Borussenmän." 92 Tore erzielte Borussia in der Regionalliga, damit wurde sie Meister. 5:1 in Worms, 1:0 gegen Kiel, 1:1 in Reutlingen, 7:0 gegen Reutlingen, 2:4 in Kiel und schließlich 1:1 gegen Worms - das war der Weg nach oben, der am Ende noch richtig holprig war. Die Spieler kamen erschöpft am Ziel an. "Wir sind froh, dass alles vorüber ist", sagte Präsident Helmut Beyer. Doch vorüber ist nur die Zeit in der Zweitklassigkeit, Borussias Geschichte beginnt nun richtig.

1970, zum 70. Geburtstag und fünf Jahre nach dem Aufstieg, wurde Borussia zum ersten Mal Meister. Am 30. April um 21.50 Uhr reckte Kapitän Günter Netzer die Meisterschale in den Gladbacher Abendhimmel. Mit einem 4:3 gegen den Hamburger SV hatten die Borussen an diesem Donnerstagabend den ersehnten Titel geholt und sich damit weiterhin die Dienste von Hennes Weisweiler gesichert. Der hatte nämlich ein Ultimatum gestellt: "Entweder es gibt einen Titel oder ich bin weg." Ein Ansporn war das für sein Team, das sich zum Triumph "verteidigte".

Mit den neuen Defensivexperten Luggi Müller und Klaus-Dieter Sieloff stellte Borussia die beste Abwehr Deutschlands (29 Gegentore). Am 31. Oktober 1969 eroberte Gladbach mit einem 5:1 gegen Alemannia Aachen erstmals die Tabellenspitze der Bundesliga - nach 147 Spielen und 13.320 Erstliga-Minuten. Als es dann geschafft war und Mönchengladbach einen deutschen Fußball-Meister hatte, läuteten die Glocken von St. Elisabeth und St. Maria Rosenkranz in Eicken, in der Altstadt gab es Freibier und die ganze Stadt feierte die Helden beim Autokorso. Was für ein Geschenk, was für eine Geburtstagsparty.

1975, zum 75. Geburtstag und zehn Jahre nach dem Erstliga-Aufstieg, ereignete sich Borussias erfolgreichste Saison: Gladbach wurde zum dritten Mal Meister und gewann den ersten internationalen Titel. Mit dem 5:1 im zweiten Finale in Enschede (das erste endete 0:0) holte das Team von Hennes Weisweiler den Uefa-Cup. Der Trainer war auf dem Höhepunkt seines Schaffens am Niederrhein - und verkündete seinen Abschied. Freude und Melancholie vereinten sich: "Bravo, Borussia" stand auf dem Plakat, das beim 6:2 gegen den Wuppertaler SV im Bökelbergstadion zu sehen war, aber auch "Danke, Hennes." Der Meistermacher ging zum FC Barcelona. "Die Mannschaft, der Vorstand und ich haben alles erreicht, was wir uns zum 75. Vereinsjubiläum zum Ziel gesetzt haben. Der Tag des Absprungs könnte kaum gelegener für mich kommen", sagte Weisweiler. Er hinterließ "die stärkste Borussia, die es je gab", wie die Rheinische Post feststellte. Wie fünf Jahre zuvor gab es zum Geburtstag einen Umzug durch die Stadt - dieses Mal nicht in Cabrios, sondern im offenen Doppeldecker-Bus. Auf dem reckten die Gladbacher die "Salatschüssel" und den Uefa-Cup in die Höhe. 100.000 Menschen feierten mit.

1995, zum 95. Geburtstag und 30 Jahre nach dem Aufstieg, gab es den bis heute letzten Titel: Durch ein 3:0 gegen den VfL Wolfsburg holten sich die Borussen im Berliner Olympiastadion zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte den DFB-Pokal. Martin Dahlin, Heiko Herrlich, der nach dem Triumph seinen Abschied erklärte und zu Borussia Dortmund wechselte, sowie Stefan Effenberg erzielten die Tore gegen den Zweitligisten. Auf dem alten Markt wurde erneut groß gefeiert - eine Übung, die sich später noch zweimal wiederholte: als Borussia 2001 und 2008 jeweils zurückkehrte in die Bundesliga.

2012, in der 45. Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte, gab es nichts "Blechernes", aber ein großes und wichtiges Comeback: Erstmals seit 16 Jahren spielte Borussia im Europapokal. Trainer Lucien Favre hatte aus dem Fast-Absteiger der Saison 2010/11 ein Topteam gemacht und es in der Spielzeit danach überraschend auf den vierten Platz geführt. Borussia scheiterte zwar knapp in den Play-offs zur Champions League an Dynamo Kiew (1:3, 2:1), doch zum ersten Mal erklang die Hymne der Meisterklasse im Gladbacher Borussia-Park. Der Finne Alexander Ring schaffte mit seiner 1:0-Führung gegen Dynamo das erste Gladbach-Tor auf der internationalen Bühne seit dem 29. Oktober 1996, als Michael Klinkert in Monaco getroffen hatte. Und trotz des Scheiterns gegen Kiew war die erste Europa-League-Teilnahme der Vereinsgeschichte, auch etwas Besonderes. Am 25. Oktober gab es mit dem 2:0 gegen Marseille den ersten Europa-Heimsieg im eigenen Stadion.

Genug Gründe also, um die These aufzustellen: Wenn Borussia ein Jubiläum hat, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie etwas Besonderes schafft. Zum Beispiel im Pokal. Im nächsten Jahr ist auch der 45. Jahrestag des Pokaltriumphs von 1973 (Hashtags: Köln, Netzer, Selbsteinwechslung, Siegtor). Damals fand das Finale in Düsseldorf statt. Ein gutes Omen für das Spiel am 24. Oktober? Über Düsseldorf zum Pokal? Wenn es so kommt, wird es so sein. Und Borussia bleibt sich und ihrer Geschichte treu.

(kk)
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