Borussia Mönchengladbach: Josip Drmic schreibt eine Helden-Geschichte

Nur vier Ligaeinsätze : Drmic schreibt Geschichte à la Hollywood

Josip Drmic sicherte erst gegen Hoffenheim mit dem Treffer zum 2:2 einen Punkt, nun brachte er Borussia in Nürnberg auf die Siegerspur. Deswegen feierten die Gladbacher nun das Erreichen des Europa-Ziels.

Ein großer Teil der Faszination im Fußball ist in seiner Unvorhersehbarkeit begründet. In den Geschichten, die zuvor keiner für möglich gehalten hat. Es sind oft filmartige Storys, in denen die Außenseiter, die aus der hinteren Reihe, zu großen Helden werden. Bei Borussia wird gerade eine solche Helden-Geschichte geschrieben. Die Hauptrolle dabei spielt Josip Drmic.

Im Sommer offenbarte ihm Borussia, dass es schwer für ihn werde, er konnte sich einen neuen Verein suchen. Drmic blieb. Ähnlich war es im Winter. In Frankfurt, am 22. Spieltag, kam er zu seinem ersten Kurzeinsatz, eine Woche später gegen Wolfsburg erneut. Zu mehr war Drmic nicht berufen, er war formell ein Teil des Teams, aber lange nicht als mehr wahrgenommen als ein Trainingsgast. Doch dann kam die große Wende, die Hollywood, die amerikanische Traumfabrik, nicht besser, nicht kitschiger hätte inszenieren können.

Gegen Hoffenheim erzielte der Stürmer das 2:2, sicherte Borussia den Punkt, der dazu führte, dass sein Team Europa weiter in der eigenen Hand hatte. Und nun, beim 4:0 in Nürnberg, war es erneut eine Heldentat von Drmic, sein Führungstreffer, der Borussia auf die Siegerstraße brachte. „Das habe ich mir so erträumt und gewünscht. Ich habe in der Situation einfach die Pike hingehalten und habe damit die richtige Entscheidung getroffen“, sagte der 26-Jährige. „Da war ich super glücklich, und das beflügelt dann auch die ganze Mannschaft. Das war der Dosenöffner, danach haben wir ein Tor nach dem anderen geschossen und wie entfesselt gespielt.“

Wer diese Helden-Geschichte vorhergesagt hätte, wäre wohl belächelt worden. „Das würde ich auch sagen“, sagte Drmic. „Aber das ist nun eine Bestätigung für mich, für die harte Arbeit, den täglichen Schweiß, die Tränen, die Leiden. Ich habe den Glauben nie verloren, war immer fokussiert und bereit für den Moment, an dem Borussia mich braucht.“

Der kam gegen Hoffenheim, nun auch in Nürnberg, und Drmic hat beide Male die Chance genutzt. „Ich habe einfach versucht, mich bestmöglich zu präsentieren. Dass ich das dann auch noch mit den beiden Toren vergolden konnte, macht mich umso glücklicher“, sagt der Schweizer. „Das ist aber nicht Zufall oder Glück, sondern das Ergebnis von harter Arbeit. Darauf bin ich einfach nur stolz und ich hoffe, dass es so weitergeht.“

Denn die Geschichte der Borussen in dieser Saison hat noch ein Kapitel: das letzte Spiel gegen Borussia Dortmund, in dem Gladbach noch die Champions League erreichen kann. Mönchengladbach ist nicht Hollywood, aber das Ende soll die Filmreife eines Blockbusters haben, in dem der Held auch den letzten Gegner besiegt. „Das ist unser Wunsch, unser Ziel“, sagt Drmic. „Aber wir wissen, dass es sehr schwer wird. Wir werden alles reinhauen und versuchen, die Punkte zu holen. Und ich werde auf jeden Fall bestens vorbereitet und bereit sein.“

Was danach passieren wird, weiß aber bislang noch keiner. Drmics Vertrag bei Borussia läuft aus, bislang war klar, dass sich die Wege nach Saisonende trennen werden. „Darüber, was in der Zukunft passiert, wird sich Josip Gedanken machen, und wir werden uns Gedanken machen. Wir werden sehen, was nach der Saison passiert“, sagte Max Eberl.

Die Wertschätzung des Sportdirektors ist Drmic allemal sicher. „Er hat trotz seiner Situation immer hart gearbeitet und gesagt, dass er trotzdem immer Gas geben wird. Dafür bewundere ich ihn und zolle ich ihm großen Respekt. Und dafür, dass er uns nun so weiterhilft, gilt ihm ein großer Dank. Er belohnt sich damit für seinen Einsatz in der langen, harten Leidenszeit. Und dazu ist es auch schön für Borussia.“

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