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Borussia Mönchengladbach: Jordan Beyer mit „Achterbahnfahrt“ gegen Wolfsburg

Verteidiger im Auf und Ab : Borussias Beyer schildert seine „Achterbahnfahrt der Gefühle“

Weil Marvin Friedrich fehlte, rückte Jordan Beyer gegen Wolfsburg in die Dreierkette. Die fehlende Spielpraxis war ihm anzumerken, weshalb Beyer sich selbstkritisch zeigte. Nach dem Tod des Kollegen Jordi Bongard war es für den 21-Jährigen eine „Achterbahnfahrt der Gefühle“.

Jordan Beyer war ehrlich. „Es war eine schöne Abwechslung, mal Fußball zu spielen und den Kopf ein bisschen freizukriegen“, sagte der Verteidiger nach dem 2:2 der Gladbacher gegen den VfL Wolfsburg. Hinter Beyer und seinen Teamkollegen liegen aufwühlende Tage, die Nachricht rund um den Tod des Jungprofis Jordi Bongard hatte den Verein am Donnerstag in eine Schockstarre versetzt.

„Mir fehlen da immer noch die Worte. Das saß erst mal ganz schön tief. Es ist einfach nur schrecklich. Meine Gedanken sind bei der Familie und seinen Freunden. Da merken wir erst mal, wie unwichtig Fußball ist, gerade bei dem, was sonst noch in der Welt los ist“, sagte Beyer, der am Freitag erfahren hatte, dass er den erkrankten Marvin Friedrich in der Innenverteidigung ersetzen würde.

Für Beyer war es der neunte Bundesliga-Einsatz in dieser Saison, nach vier Monaten durfte er wieder von Beginn an ran. Die fehlende Spielpraxis war dem gebürtigen Kempener anzumerken, nicht immer wirkte Beyer voll auf der Höhe, zeigte mit Ball aber trotz einiger missglückten Aktionen den Mut, das Spiel auch noch in der Schlussphase anzutreiben. „Es war total emotional, eine Achterbahn der Gefühle. Eigentlich hätten wir uns mit dem Sieg belohnen können, so ist es ein Punkt, der okay ist“, lautete Beyers Fazit. „Es ist schön fürs Selbstvertrauen, dass wir sehen, dass nach einem 0:2-Rückstand noch was geht.“

Als Teil der Dreierkette ärgerte sich Beyer aber auch darüber, den Wolfsburgern zwei einfache Tore ermöglicht zu haben. „Es war leichtfertig, wie wir da verteidigen. Wir sind uns manchmal nicht ganz der Gefahr bewusst, die dadurch entstehen kann. Beim 0:1 war es ein einfacher Ball hinter die Kette, der flach in den Sechzehner gespielt wurde“, beschrieb Beyer die Szene in der sechsten Spielminute, in der Jonas Wind Wolfsburgs 1:0 schoss. Trotz einer personellen Überzahl gelang es den Gladbachern nicht, die Hereingabe abzufangen und in der Mitte nah genug am Mann zu sein. Beyer selbst fehlte eine Schrittlänge, um den Ball zu erreichen.

„Wir kriegen im Moment zu viele Gegentore und machen es hinten nicht so gut. Daran müssen wir weiter arbeiten“, sagte Beyer selbstkritisch. Der 21-Jährige hatte häufiger nicht das richtige Timing, auch die Kommunikation klappte nicht immer. Mitte der ersten Hälfte spielte Wolfsburgs Sebastiaan Bornauw einen langen Ball, Beyer ging nicht entschlossen genug hin, blieb beinahe stehen und verließ sich auf seinen Nebenmann Nico Elvedi, der von der Situation überrascht wurde. Glück hatte Beyer auch, dass aus seinem Ballverlust kein Wolfsburger Elfmeter resultierte, weil Max Kruse die Einladung von Manu Koné in den Augen des Schiedsrichters zu spät annahm.

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Bitter aus Beyers Sicht: Nachdem er den Ball verloren hatte, sah er für das Unterbinden eines Konters und einem Foul an Xaver Schlager Gelb – seine fünfte in dieser Saison, er fehlt damit in der kommenden Woche gegen den VfB Stuttgart und wird seinen Platz wieder an Friedrich abtreten müssen. Seinen Trainer Adi Hütter vor eine Wahl zu stellen, hatte sich nach 65 Minuten erledigt.

Trotz seiner Wackler legte Beyer bis zum Schluss die nötige Energie an den Tag, die Borussia fast noch den Sieg beschert hätte. „Die Fans haben wir am Ende noch mal gespürt. Auch wenn es nur 10.000 waren, in der letzten Viertelstunde war es eine geile Unterstützung. Daraus haben wir richtig Selbstvertrauen gezogen“, sagte er. „Da haben wir Mentalität gezeigt und am Ende fast noch den Sieg geholt. Jetzt holen wir den Dreier nächste Woche“, sagte Beyer, der Borussia bei diesem Vorhaben allerdings nicht helfen kann. Er muss sich im Training zeigen und Hütter überzeugen, nach der Gelsperre wieder auf ihn zu setzen.

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