Borussia Mönchengladbach: Jonas Hofmann will mehr Tore schießen

Borussias Hofmann im Interview: "Dummerweise ist das Video mit meinen Toren nicht so lang"

Borussias Offensivspieler Jonas Hofmann spricht über Konstanz, Abschlussprobleme, Ansprüche sowie die anstehenden Partien gegen Stuttgart und Dortmund.

Herr Hofmann, hinter Ihnen hängt ein Bild der Anzeigetafel des 5:1-Sieges der Borussen 1985 gegen Real Madrid. Das war ein großes Spiel der Borussen, doch das Rückspiel ging 0:4 verloren, Gladbach schied aus. Kommt Ihnen eine solche Achterbahn-Geschichte bekannt vor?

Hofmann Das ist ja das, womit wir die ganze Zeit hadern: Uns fehlt die Konstanz. Aber zum Glück haben die anderen die ja auch nicht. Daher haben wir nur vier Punkte Rückstand auf Platz zwei. Das kann uns ein bisschen trösten — wenn nicht alle Mannschaften da oben schwanken würden, wären die vorderen Plätze vielleicht ein Stück weg.

Warum ist Borussia nicht konstant?

Hofmann Es ist schwer zu erklären. Wenn wir wüssten, wo der Schlüssel ist, würden wir es ja abstellen. Eine Erklärung ist vielleicht, dass die Liga sehr nah zusammengerückt ist. Aber am Ende müssen wir nur auf uns schauen. Und da gibt es keine echte Erklärung für die fehlende Konstanz. Manchmal ist es im Fußball einfach so. Hätten wir in den drei verlorenen Spielen unsere Chancen etwas konsequenter genutzt, hätten wir drei, vier Punkte mehr, und kein Mensch würde meckern.

Wie würden Sie Borussias aktuellen Zustand nennen?

Hofmann Sachen wie Krise oder Katastrophe treffen es sicher nicht. In der vergangenen Saison hatten wir 45 Punkte, da sind wir im Soll, das zu toppen mit noch 13 Spielen. Wir haben noch sehr viele Möglichkeiten, weil der Abstand nach oben so gering ist. Allerdings ist unsere Tordifferenz sicherlich ein Minuspunkt.

Die könnte klar besser sein. Sieben Tore gab es in den jüngsten acht Spielen, nach Chancen hätten es zwölf sein müssen. Sie sind da mit im Boot. Zum Beispiel vor dem nicht gegebenen Elfmeter in Köln hätten Sie den Ball auch ins Tor schießen können.

Hofmann Das ist richtig. So einen Ball darf man auch mal reinmachen, das gebe ich zu.

Sie sind aber in guter Gesellschaft. Borussia hat ein Abschlussproblem.

Hofmann Wir müssten tatsächlich vor dem Tor cooler sein, das ist uns allen bewusst. Wir trainieren es auch. Auch im Training geht es darum, jeden Ball reinzumachen, und da geht es. Aber wir kriegen es nicht ins Spiel übersetzt. In den Szenen fehlen uns dann die Kleinigkeiten, die vorher vielleicht da waren. Dafür muss man dann oft teuer bezahlen.

Schießt der Kopf mit? Sie haben das erste Tor der Saison geschossen — im Pokal in Essen. Da müsste doch das Selbstvertrauen extrem steigen.

Hofmann Auf jeden Fall. Der Kopf steuert am Ende alles, gerade, wenn es um die Umsetzung geht. Manchmal trifft man einfach die falsche Entscheidung. In Essen habe ich die richtige Entscheidung getroffen, auch auf Schalke in der Europa League war ich cool. Kurz darauf hatte ich aber noch eine ähnliche Chance und der Ball war nicht drin. Wie das zu erklären ist? Ich weiß es nicht.

Grundsätzlich wissen Sie aber, wie es geht. Ruft man sich das in Erinnerung, um auf Kurs zu kommen?

Hofmann Ich habe tatsächlich Videos zu Hause mit Toren, die ich gemacht habe. Ich schaue mir die Tore an, um ein gutes Gefühl zu bekommen, um Kraft zu schöpfen. Dummerweise ist das Video nicht allzu lang, da gibt es noch Raum nach oben. Die Lösung des Rätsels ist aber immer ganz einfach: Man muss einfach den Ball reinschießen.

Zu Ihren Stärken gehören das Umschaltspiel und das geradlinige Spiel nach vorn. Das kann auswärts helfen — auch in Stuttgart. Wären Sie mal wieder dran mit der Startelf?

Hofmann Es gibt sicherlich einige, die mal wieder dran wären, dazu gehöre auch ich. Ich freue mich über jede Minute auf dem Platz. Aber ich denke auf jeden Fall auch, dass meine Stärken in einem Auswärtsspiel zum Tragen kommen könnten, wenn es darum geht, bei einer Balleroberung den ersten Gedanken gleich nach vorn gerichtet zu haben, dann schnell und geradlinig umzuschalten und hinter die Ketten des Gegners zu kommen.

Beim 3:1-Sieg in Hoffenheim gehörten Sie zuletzt zur Startelf, mit Vincenzo Grifo als Pendant auf der linken Seite. Da haben Sie sich nach wenigen Minuten schwer verletzt. Aber die Grundaufstellung ist nun wieder denkbar?

Hofmann Das würde ich so unterschreiben. Aber warten wir ab, was der Trainer entscheidet.

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Nach zuletzt vier Auswärtsniederlagen hintereinander sollte Borussia in Stuttgart etwas holen — denn danach kommt Ihr Ex-Verein Dortmund nach Gladbach. Der Druck wäre riesig.

Hofmann Dass wir in Stuttgart punkten wollen, ist natürlich logisch, möglichst natürlich dreifach. Ich glaube, das erwartet auch jeder von uns. Und den Anspruch haben wir auch: Ich müsste lügen, wenn ich sage, ich wäre mit einem Punkt in Stuttgart zufrieden.

Welche Rolle spielt der Anspruch, der an das Team gestellt wird? Borussia gilt für viele als eines der spielstärksten Teams der Liga — wie fühlt es sich an, wenn man dem Anspruch nicht gerecht wird?

Hofmann Wichtig ist, dass der Trainer und wir nicht an uns und unserer Qualität zweifeln. Wenn wir das tun, haben wir wirklich ein Problem. Viele sagen ja, dass wir keine Kämpfertruppe sind — aber es ist ja eigentlich unser Plus, dass wir unseren Stil haben und unser Spiel auch durchziehen, wenn es schwieriger ist. Alle wollen doch ein Team mit einem Profil — ich finde, wir haben eines. Man muss sich treu bleiben, sonst gerät man von der Bahn ab.

Könnten Sie sich vorstellen, hinten rechts in der Viererkette zu spielen? Nico Elvedi ist ja nun der neue Oscar Wendt. Sie wären nicht der erste Offensivmann, der umgeschult wird.

Hofmann Ich kann mir das durchaus auch vorstellen. Wenn man ein geradliniger Spieler mit Tempo und Ausdauer ist, kann man das auch auf der Position gut einbringen. Erik Durm hat das in Dortmund auf Anhieb sehr gut hingekriegt. Er war ja auch früher Außenstürmer, so wie ich. Wenn man das defensive Verständnis dann drin hat, ist es kein Problem. Sicherlich geht man als Offensivmann lieber in die Offensive, aber wenn der Trainer mich da hinstellt, würde ich nicht Nein sagen.

Als Offensivspieler: Finden Sie Borussias Defensive stabil?

Hofmann Wir haben fünf Tore in vier Spielen kassiert, ich glaube, das geht noch. Aber es geht natürlich besser. Aber was die Defensive angeht, dürfen wir nicht nur die Viererkette und die Sechser reinnehmen, sondern es geht auch darum, vorne den Gegner richtig anzulaufen. Wenn schon die erste Reihe zu leicht überlaufen wird, wird es einfach schwer. Wir verteidigen als Mannschaft, da trägt jeder seinen Teil zur Stabilität bei.

Ist es vor allem das Abschlussproblem, was derzeit Sorgen macht?

Hofmann Klar. Aber natürlich könnten wir gern auch mal zu Null spielen. Dass wir mit unserer Qualität vorn mehr Tore machen müssen, steht aber außer Frage. Und auch, dass dann über einiges nicht gesprochen würde, das jetzt Thema ist.

Sind die Spiele gegen Dortmund für Sie noch etwas Besonderes?

Hofmann Es werden zwar weniger Spieler, die ich kenne, aber Dortmund bleibt für mich ein besonderer Gegner. Ich habe beim BVB den Schritt zum Profi gemacht, das vergisst man nicht.

Der BVB hat das gleiche Problem wie Gladbach: Er ist wankelmütig. Auch darum sind die Bayern extrem enteilt. Viele Experten sagen daher, dass die Bundesliga nicht gut ist. Sehen Sie das auch so?

Hofmann Nein, überhaupt nicht, ganz im Gegenteil sogar. Gerade dadurch, dass die Liga so eng zusammengerückt ist, ist es doch sehr spannend. Für mich liegt das daran, dass die Qualität der Mannschaften, die früher schwächer waren, viel besser geworden ist. Was die Europa League angeht, die viele ja als Beleg heranziehen, muss ich sagen: Die Mannschaften, die jetzt dabei waren, haben nicht so viel internationale Erfahrung, darum haben sie sich schwergetan. Das ist auch der Grund, warum wir mit einem weinenden Auge dahingeschaut haben.

Nächste Saison soll dann eher wieder eine Mannschaft wie Borussia dabei sein, die sich auskennt.

Hofmann Da sage ich nicht Nein.

Da alle Teams im Pokalhalbfinale unter den ersten Sechs stehen, könnte Rang sieben für das internationale Geschäft reichen. Wäre es nicht fahrlässig, das zu verpassen?

Hofmann Ich sage es mal so: Wenn wir über einen einstelligen Tabellenplatz reden, den wir erreichen wollen, wäre es natürlich schön, die ein, zwei Plätze weiter oben auch zu schaffen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Jonas Hofmann