Borussia Mönchengladbach: Je mehr Verletzte, desto weniger Punkte

Borussias Saison am Krückstock : Je mehr Verletzte, desto weniger Punkte

Trainer Hecking meint, Borussia habe am besten gespielt, als die personelle Stabilität am größten war. Der Faktencheck belegt ihn.

Verletzte, Fehlentscheidungen und schlechte Leistungen sind der traurige Dreiklang von Borussias Saison. Manch einer schreibt lieber von schlechten Leistungen, Fehlentscheidungen und Verletzten, manch einer findet Fehlentscheidungen, schlechte Leistungen und Verletzte angemessener. Einigkeit dürfte indes herrschen, dass man jeden Faktor mit einer bestimmten Anzahl verlorener Punkte versehen kann.

Mitte April hat Trainer Dieter Hecking im Interview mit unserer Redaktion ausführlich über alle drei Faktoren gesprochen. Borussias Trainer verteidigte seine Mannschaft und seine Arbeit vehement. Auf den Hinweis, dass es ja zwingend besser laufen müsste, wenn es irgendwann keine Widrigkeiten mehr gebe, antwortete Hecking: "Es wäre auch besser gelaufen, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt. Daran lasse ich mich gerne messen, wenn es so weit ist." Kurz darauf kam das Thema Verletzte noch einmal zur Sprache. "Hätten wir alle Mann an Bord gehabt und wären jetzt Achter, wäre die Kritik möglicherweise berechtigt", betonte Hecking. Zu dem Zeitpunkt war Borussia noch Achter mit drei Punkten Rückstand auf den Siebten. Würde er darauf wetten, dass es mit weniger Personalproblemen anders gelaufen wäre? "Wie gesagt, da bin ich mir zu 100 Prozent sicher."

268 Ausfälle in 37 Pflichtspielen hatte Borussia in der abgelaufenen Saison zu bewältigen, im Schnitt noch einen mehr pro Partie als im Vorjahr. Der Trainer hat sich festgelegt, dass er diesen Faktor im eingangs erwähnten Dreiklang zuerst nennen würde. Max Eberl äußerte sich ein paar Wochen später defensiver zu Heckings Aussagen. "Er sagt selbst, dass er sich am Ziel Europa messen lassen will - da ist er übrigens offensiver als ich -, wenn ihm alle Kräfte zur Verfügung stehen. Wir wälzen nicht alles auf die Verletzten ab", sagte der Manager.

Hecking hat noch so einen selbstbewussten Satz gesagt zum Thema Verletzungen: "Als wir personell die größte Stabilität hatten, zwischen dem siebten und 13. Spieltag, haben wir am besten gespielt." Das rief nach einem Faktencheck. Schließlich schwankte die reine Anzahl der Ausfälle bis auf die Endphase immer zwischen sechs und zehn Spielern. Doch wann waren Heckings Stammspieler am meisten betroffen? Um das zu beantworten, haben wir die Ausfälle einer Gewichtung unterzogen. Jeder Profi bekam einen Faktor zu geteilt. Lars Stindl zum Beispiel ist zu 100 Prozent ein Stammspieler, weil er - wenn er konnte - ausnahmslos immer in der Startelf gestanden hat. Bei Denis Zakaria traf das in 29 von 30 möglichen Bundesligaspielen zu, macht 97 Prozent. Ein Tony Jantschke dagegen hat nur in 32 Prozent aller Partien begonnen, Mamadou Doucourés und Julio Villalbas Ausfälle wiederum gehen in diese Statistik gar nicht ein.

Für ihren Verlauf stehen die blauen Säulen in unserer Grafik. Tatsächlich ist die recht entspannte Phase vom siebten bis 13. Spieltag eingerahmt von Spielen mit mehr als zwei verletzten Stammspielern. Am schwierigsten war die Lage vom Spiel gegen RB Leipzig am 21. Spieltag bis zum Spiel beim FSV Mainz am 28. Spieltag mit drei und mehr Stammspielern, die ersetzt werden mussten. Bei einem Wert unter 2,0 - was in 18 von 34 Spielen der Fall war - holte Borussia im Schnitt 1,72 Punkte. Bei einem Wert von 2,0 und mehr ging er runter auf 1,0.

"Wenn uns monatelang nicht annähernd die volle Kaderstärke zur Verfügung steht, können wir nicht erwarten, dass wir unsere Ziele übertreffen", sagte Hecking. Mit der Zahl der Verletzten soll sich zwangsläufig die Zahl der schlechten Leistungen verringern. "Daran lasse ich mich gerne messen" ist schon jetzt das Motto der neuen Saison, in der die Ergebnisse und die Spielweise zwangsläufig über die Zukunft des Trainers entscheiden werden, dessen Vertrag bis 2019 datiert ist. Der 53-Jährige hat genug Erfahrung, um zu wissen, dass dies auch ohne entschlossene Aussagen der Fall wäre.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Verletzten in der Saison 2017/18

(RP)
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