Gladbachs Zwischenzeugnis Fünf Borussen sind im Zweierbereich – zwei nachhaltig überragend

Mönchengladbach · 17 Pflichtspiele in der laufenden Saison sind absolviert, davon 15 in der Bundesliga. Der Start in die lange WM-Pause ist ein guter Moment, um eine Bilanz zu ziehen: Welche Spieler Borussias haben bislang überzeugt, wer hat noch Steigerungspotenzial? Was beim Blick auf das Zwischenzeugnis auffällt.

Borussia Mönchengladbach: Noten-Übersicht in der Saison 2022/23
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Die Durchschnittsnoten der Gladbach-Profis

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Foto: Dirk Päffgen/Dirk Päffgen (dirk)

Borussias Sportdirektor Roland Virkus fasste den ersten Saisonteil seiner Mannschaft ganz treffend zusammen, als er von einer „Gefühlsachterbahn“ in den vergangenen Wochen sprach. Es gab so manchen überzeugenden Auftritt, vor allem im heimischen Borussia-Park, doch auch einige Enttäuschungen, vornehmlich auf des Gegners Plätzen. Doch wie haben die einzelnen Profis an den ersten 15 Spieltagen der Bundesliga sowie im DFB-Pokal abgeschnitten? Spiel für Spiel benoten wir in unserer Einzelkritik die Leistungen aller Gladbacher Spieler, die mindestens 30 Minuten zum Einsatz gekommen sind. Beim Blick auf die Durchschnittsnoten lassen sich nun einige interessante Punkte feststellen.

Torhüter-Quartett mit Note Auf der Torwart-Position ist die laufende Saison bereits nach 17 Pflichtspielen eine ganz spezielle. Da in der ersten Runde des DFB-Pokals noch der mittlerweile ausgeliehene Moritz Nicolas im Tor stand, können bereits vier Torhüter ein benotetes Pflichtspiel vorweisen. In der Bundesliga feierte zuletzt die Nummer drei ihr Debüt – und Jan Olschowsky zeigte derart gute Leistungen, dass sein Notenschnitt von 2,5 momentan sogar den starken Wert von Stammtorwart Yann Sommer (2,57) überbietet – obwohl dieser bei seinem Paraden-Rekord in München (1:1) gar eine 1+ erhielt. Wobei Sommers zehn benotete Spiele natürlich eine andere Gewichtung haben als die ersten beiden Partien für Olschowsky. Während die beiden Keeper damit die Notenbesten im gesamten Kader sind, kommt Tobias Sippel nur auf eine 3,77, er ordnet sich damit weit hinten ein.

Bester Feldspieler steht im Sturm Wir werden Tony Jantschke nicht allzu unrecht tun, wenn wir den 15 benoteten Ligaspielen von Marcus Thuram mehr Aussagekraft attestieren als der eine – sehr ordentliche – Auftritt Jantschkes gegen Stuttgart, bei dem er eine 3+ (2,67) erhielt. Thuram indes ist Gladbachs Dauerbrenner, nur einmal wurde der Stoßstürmer vorzeitig vom Platz genommen, in der Startformation stand er immer. Seine 2,73 ist ein starker Wert – angesichts seiner schon zehn Saisontore aber auch nicht überraschend.

Offensivkräfte gut in Form Generell fällt auf, dass auch die anderen Offensivkräfte eher in der oberen Hälfte des Gladbacher Notenrankings zu finden sind. Auch wenn Kapitän Lars Stindl erst einmal traf, liegt er mit seiner 3,03 gar noch vor Jonas Hofmann (zweimal mit einer glatten 1 bewertet) und Alassane Plea, die beide auf eine sehr vorzeigbare 3,15 kommen. Da spiegelt sich wider, dass Borussias Tore-Ausbeute mit 28 Treffern in 15 Spielen sehr gut ist – zumal sie auch den torgefährlichsten Verteidiger stellt: Ramy Bensebaini reiht sich trotz seines Aussetzers in Bremen (Note: 6) mit einer 3,14 auch notentechnisch in der Nähe der Angreifer ein.

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Foto: dpa/Marius Becker

Innenverteidiger im Gleichschritt Dass hingegen Borussias zentrale Abwehrspieler nicht vorne zu finden sind, ist bei 24 Gegentoren ebenso verständlich. Dabei gehen Nico Elvedi und Marvin Friedrich im Gleichschritt durch die Saison – mit dem Unterschied, dass Elvedi von Beginn an Stammkraft war und Friedrich erst nach Ko Itakuras Ausfall in die Startelf rückte. Beide begannen gut, doch vor allem für Elvedi bedeutete das 1:5 in Bremen – auch beide Innenverteidiger bekamen damals eine 6 – einen Knick. In den Wochen danach präsentierte sich Gladbach in der Defensive anfällig, was auch die zentralen Abwehrspieler oftmals nicht gut aussehen ließ. So kommt Friedrich bislang auf eine 3,48, sein Nebenmann folgt mit einer 3,52.

Bilanz der Zugänge Bevor Friedrich Stammspieler wurde, hatte sich zu Saisonbeginn Ko Itakura einen der begehrten Plätze im Abwehrzentrum geschnappt. Und der Japaner zeigte sogleich, dass er eine große Verstärkung für Borussia ist. Seine an den ersten fünf Spieltagen erreichte 2,86 übertreffen derzeit nur vier Spieler im Kader. Auch Julian Weigl, am Ende des Transferfensters von Benfica Lissabon ausgeliehen, hatte gleich gute Auftritte, seit Bremen schwanken aber seine Leistungen genauso wie die des gesamten Teams. Seine 3,22 ist trotzdem ordentlich. Nathan Ngoumou ist auch nicht weit davon entfernt, der schnelle Außenstürmer wurde indes erst zweimal benotet (3,35), er ist noch nicht gänzlich angekommen in der Bundesliga.

Sechser auf Augenhöhe Christoph Kramer kommt im Übrigen auf denselben Notenschnitt wie Weigl, und Manu Koné ist mit einer 3,21 auch nur minimal besser. Borussias Sechser sind nach 15 Spieltagen somit auf einem Level – wobei Kramer ja überwiegend auf anderen Positionen aushelfen musste: zunächst als Innenverteidiger, dann über einen längeren Zeitraum als Zehner. Auch wenn er in den vergangenen Wochen das gute Niveau der Startphase nicht ganz halten konnte, spielt der Routinier auf jeden Fall eine bemerkenswerte Saison.

Borussia Mönchengladbach: Jan Olschowsky bei Zwischenzeugnis vorne
Foto: Dirk PŠffgen/Dirk Paeffgen (dirk)

Und der DFB-Pokal? Der Cup-Wettbewerb ist für Borussia schon wieder Geschichte, dementsprechend prägt auch die Enttäuschung von Darmstadt, als Gladbach in der zweiten Runde beim Tabellenführer der Zweiten Bundesliga 1:2 unterlag, die Pokalnoten. Denn der 9:1-Erfolg zum Auftakt gegen den Oberligisten SV Oberachern hat relativ wenig Aussagekraft. Noten gab es damals trotzdem – weswegen auch in diesem Wettbewerb Top-Torschütze Thuram mit einer 2,65 der notenbeste Gladbacher ist.

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