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Borussia Mönchengladbach: Italien ist das Rekord-Reiseziel in Europa

Europapokal-Geschichte : Italien ist Borussias Rekord-Reiseziel

In keinen Land gab es mehr Gladbacher Europapokal-Spiele. Besondere Italien-Erfahrungen haben auch Marco Rose und Stefan Lainer.

Der Ball hoppelte etwas über den Rasen und war nicht leicht zu verarbeiten. Doch Lars Stindl hatte keine Zeit, ihn zunächst sauber anzunehmen. Deswegen nahm Borussias Angreifer den Ball direkt und schoss ihn mit der Innenseite technisch perfekt in die kurze Ecke – es war der 3:2-Führungstreffer der Gladbacher im Europa-League-Spiel beim AC Florenz. Später kam noch das 4:2 durch Andreas Christensen hinzu, doch Borussias Held an jenem Februar 2017 war eindeutig Lars Stindl. Denn seine drei Treffer trugen maßgeblich dazu bei, dass Borussia das 0:1 aus dem Hinspiel gegen Florenz noch wettmachte und ins Achtelfinale einzog.

„Sicherlich ist das es das Spiel, an das man denkt, wenn man an unsere letzten Europapokal-Teilnahmen denkt“, sagte Stindl jüngst in einem Interview mit unserer Redaktion zu jenem Abend in Florenz, der in die Kategorie „magische Nächte“ fällt – und der Borussias gute Bilanz bei Gastspielen in Italien untermauerte. Jenes 4:2 nach zwischenzeitlichem 0:2 in Florenz war der dritte Europapokalsieg in Italien, dem stehen drei Niederlagen gegenüber, zudem gab es noch zwei Unentschieden.

Zunächst hatte es für Borussia allerdings bescheiden angefangen in Italien: Im Landesmeister-Cup gab es 1971 ein 2:4 bei Inter Mailand. Dieses Ergebnis hätte gereicht, wenn es beim furiosen 7:1 im Hinspiel am Bökelberg nicht den Büchsenwurf gegeben hätte. Das Spiel wurde annulliert, Borussia musste nach dem 2:4 in Mailand nochmals gegen Inter antreten und kam in Berlin nicht über ein 0:0 hinaus. 1974 setzte es dann im Pokalsieger-Halbfinale ein 0:2 beim AC Mailand, der 1:0 im Rückspiel war zu wenig für den Final-Einzug.

Danach wurde es jedoch besser: Mit einem 2:1 beim AC Turin gab es 1976 den ersten Sieg in Italien, drei Jahre später bei Inter ein 3:2 nach Verlängerung inklusive 35-Meter-Traumtor von Harald Nickel – es war die Revanche für das Büchsenwurf-Aus 1971. Auch in der jüngeren Vergangenheit lief es gut in Italien: Bei Juventus gelang Borussia 2015 mit einem 0:0 der erste Punktgewinn in der Champions League. Danach folgte noch die 4:2-Aufholjagd von Florenz.

Ein Sieg wäre am morgigen Donnerstag bei AS Rom wichtig, um Gladbachs Chancen auf ein Weiterkommen in der Europa-League zu wahren. Unabhängig davon wird Gladbach aber alleine mit dem Auftritt im Stadio Olimpico einen Vereinsrekord aufstellen. Denn es wird Borussias neuntes Europapokalspiel in Italien – in keinem anderen Land war Gladbach so oft zu Gast.

2017 war Lars Stindl der Held im Artemio-Franchi-Stadion in Florenz, als er dreimal traf beim 4:2-Sieg. Foto: dpa/Marius Becker

Zudem ist die Roma bereits der siebte italienische Klub, auf den Borussia in einem europäischen Wettbewerb trifft. Auch das ist eine Bestmarke. Auf dieselbe Anzahl an Klubs kommt Gladbach auch in Deutschland, allerdings zählte der 1. FC Magdeburg 1981 noch zur DDR. Und sechs unterschiedliche Vereine sind es immerhin bislang in Spanien. Zudem macht Borussia nun den dritten italienischen Städte-Doppelpack perfekt: Nach Mailand (Inter und AC) sowie Turin (Juventus und AC) ist nun Rom an der Reihe (Lazio und die Roma).

Bei Lazio Rom gab es vor sechseinhalb Jahren die einzige „italienische“ Enttäuschung in der jüngeren Vergangenheit für Borussia. Ein in der Summe gutes Erlebnis mit Lazio hatten indes einige Neu-Borussen. Trainer Marco Rose und seine Co-Trainer Alexander Zickler und Réne Maric, Athletiktrainer Patrick Eibenbeger sowie Rechtsverteidiger Stefan Lainer, die alles Lazio mit RB Salzburg in der Europa-League-Saison 2017/18 im Viertelfinale besiegten. Allerdings gab es in der Ewigen Stadt eine 2:4-Niederlage, die dann im Rückspiel mit einem 4:1 gedreht wurde. Auch bei der zweiten Italien-Reise der Salzburger gab es eine hohe Niederlage, ein 0:3 beim SSC Neapel. Das konnten die Salzburger nicht mehr umbiegen, das 3:1 im eigenen Stadion reichte im März 2019 nicht, um erneut ins Viertelfinale einzuziehen.

2015 hielten die Borussen beim großen Favoriten Juventus Turin dicht und holten heim 0:0 den ersten Auswärtspunkt in der Champions League. Foto: dpa/dpa, drn ss

Am Mittwoch um 11 Uhr heben die Borussen nun ab in Richtung italienische Hauptstadt. Dort hofft Lainer im dritten Spiel auf sein erstes Erfolgserlebnis in Italien. Er ist „bereit für Italien, wir sind alle bereit“. Er weiß indes aus den Erfahrungen der Vergangenheit, dass es „dort schwierig ist, etwas zu holen. Es waren immer enge Spiele, aber am Ende doch klare Ergebnisse“, sagte Lainer. Das lag daran, dass die italienischen Teams nicht immer schön, aber definitiv immer total pragmatisch spielen. „Sie haben vor allem im gegnerischen oder eigenen Sechszehner, also da, wo die Spiele entschieden werden, hohe Qualität“, sagte Lainer.

Eben in diesen Zonen waren die Borussen beim 0:1 in Dortmund nicht konsequent genug, weder bei ihren eigenen Großchancen, noch beim BVB-Treffer durch Marco Reus, als in der gesamten Szene der Zugriff auf den Gegner fehlte. „Da fehlten uns die letzten Prozent, die Tore erzielten und verhindern zu wollen“, sagte Lainer. Bei der Roma soll und muss sich das ändern. Als K.o.-Spiel will Lainer die Partie aber nicht einstufen. „Es ist noch kein Endspiel, aber eine sehr wichtige Partie für uns. Wir dürfen nicht überpacen, müssen aber den absoluten Willen, das Spiel zu gewinnen, auf den Platz bringen“, sagte er.