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Borussia Mönchengladbach ist weiter eine Fabrik schöner Tore

Neuhaus, Lazaro und Co. : Borussia Mönchengladbach schießt viele und schöne Tore

Borussia ist in dieser Saison mit 57 Toren in 23 Pflichtspielen wieder eine Torfabrik. Viele der Treffer sind zugleich auch schön.

Borussia wird am 1. August 121 Jahre alt. Sie ist einer der großen Traditionsvereine im Lande und fühlt sich ihrer Tradition verpflichtet. Und wer historisch eine „Torfabrik“ ist, der wird an diesem Standard auch gemessen. Man darf konstatieren: Borussia wird in dieser Saison diesbezüglich höchsten Ansprüchen gerecht. 57 Tore hat sie in 23 Pflichtspielen erzielt, das sind 2,5 im Schnitt. Eine stattliche Quote, die, sollte sie fortgesetzt werden, wettbewerbsübergreifend in einer dreistelligen Bilanz münden würde.

Hinzu kommt: Borussia ist eine Fabrik schöner Tore. Das belegt allein die Auswahl zum „Tor des Monats November“ der ARD-Sportschau: Mit dem Wahlsieger, dem Scorpion-Kick von Valentino Lazaro, und dem Fallrückzieher von Breel Embolo war Borussia zweimal vertreten. Der feine Fernschuss von Alassane Plea in Kiew gegen Schachtjor Donezk hätte auch zur Wahl stehen können.

Nun hat das neue Jahr begonnen, und Borussia macht weiter mit den Angeboten für einschlägige Schönheitswettbewerbe: Das 1:0-Siegtor in Bielefeld war allein edel, weil Jonas Hofmann seinen weiten Pass auf Embolo so gut timte, dass er als Musterbeispiel für Lehrfilme über das Zwei-Stationen-zum-Tor-Umschaltspiel herhalten kann. Und nun die Zuspiele von Lars Stindl auf Hofmann gegen die Bayern: Wow! Genauer, schärfer, brutaler kann man die nicht spielen.

Und das quasi in Kopie, so als hätte eine Andy Warhol seine serielle Produktion von Kunstwerken auf den Fußball übertragen. Ja, Stindl beherrscht diesen Pinselstrich. Hofmanns Abschluss krönte das Ganze jeweils. Mindestens ins Borussia-Museum werden es diese Tore schaffen.

Florian Neuhaus streute schließlich einen Schöne-Tore-Klassiker ein, der lange verpönt war in Gladbach, nun aber eine regelrechte Renaissance erlebt: das Fernschuss-Tor. Wie gesagt: Unter anderem Alassane Plea führte es in dieser Saison zweimal auf (auch bei ihm war es quasi ein Selbst-Plagiat, weil sein Tore in Freiburg dem in Kiew  beachtlich ähnelte). Neuhaus hingegen imitierte in Art und Technik – erst die zentrale Balleroberung zentral, Pass des Kollegen, dann ab mit dem Ball in den Torwinkel – das, was vorher Leon Goretzka ähnlich für die Bayern getan hatte. Nur, dass seinem Treffer nicht das Etikett „Tor zum 2:0“ anheftete, sondern fett draufsteht: „Siegtor gegen die Bayern“.

Wenn Ästhetik und Wichtigkeit zusammenkommen, und das in einem Spiel gegen den FC Bayern, was alles immer nochmal ein bisschen aufwertet, dann ist so ein Tor nicht nur schön, sondern perfekt. Mehr davon wird gern genommen.