Borussia Mönchengladbach ist sich selbst der größte Gegner

Klub in der Ergebniskrise : Borussia ist sich selbst der größte Gegner

Ein Punkt, 1:7 Tore in drei Spielen – das ist die jüngste Bilanz von Borussia Mönchengladbach in der Fußball-Bundesliga. Die Fohlenelf steckt in der Ergebniskrise.

Als Bruno Labbadia über das Spiel seines VfL Wolfsburg bei Borussia Mönchengladbach referierte, verteilte er viel Lob für den Gegner. Borussia sei ein Spitzenteam, die Mannschaft des Kollegen Dieter Hecking sei jederzeit gewillt und in der Lage, die Dinge fußballerisch anzugehen und verfüge zudem über ein ausgezeichnetes und breites Spielermaterial. Dass die Borussen daher auch reichlich Möglichkeiten hatten, das Spiel zu gewinnen, verwundert nicht. 15:5 Torschüsse, 12:1 Ecken, klar mehr Ballbesitz und und und. Das Wesentliche jedoch, die Tore und das Endergebnis, sprachen gegen die Gladbacher. Null eigene Treffer gab es, aber drei des Gegners.

0:3 hatten sie schon das vorherige Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin verloren, das Spiel lief fast spiegelgleich – wie 14 Tage zuvor standen sich die Borussen selbst im Weg im eigenen Stadion. „Das muss man so sagen“, gestand Hecking. „Fußball ist ein Ergebnissport, und das spricht im Moment gegen uns“, sagte Kapitän Lars Stindl. Er legte den Kollegen Florian Neuhaus und Thorgan Hazard bestmögliche Chancen auf, Neuhaus, der zuvor schon die Latte getroffen hatte, scheiterte am auf der Linie klärenden Robin Knoche, Hazard an Wolfsburgs Torhüter Koen Casteels. „Es ist bitter, dass wir das Spiel nicht gewinnen konnten. Wir hatten viele gute Chancen, auch ich, haben die aber leider nicht nutzen können“, sagte Neuhaus.

„Es zieht sich ein bisschen durch“, gab Stindl zu, der schon nach dem Hertha-Spiel und dem 1:1 in Frankfurt den Chancenwucher seines Teams moniert hatte. Es war das fünfte Spiel in Folge, in dem die Gladbacher in der ersten Halbzeit gute Möglichkeiten hatten, aber nicht trafen, zum dritten Mal in Folge ging es mit einem Rückstand in die Pause. Nur in Frankfurt rettete Borussia noch einen Punkt. Man darf zumindest, angelehnt an Stindl, von einer Ergebniskrise sprechen.

„Wenn wir ein Tor machen, läuft das Spiel anders. Aber das nützt uns nichts“, sagte Dieter Hecking am Samstag. Sechs Heimpunkte sind futsch, obwohl mehr drin war, und der Vorsprung, den die Borussen im Rennen um die Champions-League-Plätze hatten, schmilzt. Leipzig kann am Montag mit einem Heimsieg gegen Hoffenheim vorbeiziehen, die anderen Konkurrenten rücken heran.

Gleichwohl: Mit zehn Punkten aus sechs Rückrundenspielen ist Borussia noch immer auf dem richtigen Weg, „nur haben wir die Punkte komisch verteilt“, sagte Hecking. Dass die Dienstreisen nach Leverkusen, Schalke und Frankfurt sieben Punkte einbrachten, war ebenso überraschend wie die Null-Bilanz gegen Berlin und Wolfsburg. Hält Gladbach den bisherigen Rückrundenschnitt von 1,67 Punkten, ist sie weiter auf Königsklassen-Kurs. Doch die jüngste Tendenz (drei Spiele, ein Punkt, 1:7 Tore) ist problematisch und muss geändert werden.

Was den Borussen fehlt: offensive Effektivität und defensive Konsequenz. Statt zu führen oder heranzukommen beim Stand von 0:2, gab es gegen Wolfsburg Gegentore nach individuellen Fehlern. In der Summe ging dem Borussen-Spiel das Wesentliche ab: der Ertrag. Nun ist Hecking gefragt. Er muss die Köpfe seiner Spieler wieder aufräumen, die Borussen müssen wieder die Klarheit, die Selbstverständlichkeit der Hinrunde auf den Rasen bringen. Da gab es Tore aus dem Nichts, jetzt gibt es fast sichere Tore nicht. „Wir müssen daran arbeiten, dass wir noch mehr klarere Chancen herausspielen – und die dann auch nutzen“, sagte Neuhaus. Das Schwierige am Fußball ist zuweilen, das Einfache zu tun.

„Wenn man 0:3 verliert, kann man nicht sagen, dass man gut gespielt hat“, konterte Hecking das Lob Labbadias. Gleichwohl verwies er darauf, trotz der Niederlage nicht in Panik zu verfallen. „Wir müssen den Kopf schnell wieder hochnehmen und Ruhe bewahren. Gegen Hertha und jetzt Wolfsburg waren es zwei unnötige Heimniederlagen, wir waren zweimal die bessere Mannschaft“, sagte Hecking. Die Borussen müssen sich selbst den Weg wieder frei machen nach Europa. Die nächste Gelegenheit dazu gibt es am Samstag – gegen den FC Bayern München.

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