Champions League in Ungarn Budapest rückt bei Borussia plötzlich in den Fokus

Mönchengladbach · Es gibt Kritik an der Verlegung des Gladbacher Königsklassen-Spiels nach Budapest. Eine Virologin hält die Reise für nicht so problematisch. Für Borussia wird es so oder so mal wieder eine geschichtsträchtige Partie.

 Gladbachs einziger Ungar: Krisztian Lisztes.

Gladbachs einziger Ungar: Krisztian Lisztes.

Foto: Wiechmann, Dieter (dwi)

Ungarn war einst eine große Fußball-Macht, eine gigantische sogar. In den frühen 1950er Jahren war das Team um den „Major“ Ferenc Puskas das tollste der Welt, es verlor nur einmal, das war 1954 im WM-Endspiel gegen Deutschland. Puskas, Ungarns größter Fußballer, ist auch der Namensgeber jenes Stadions, das am 24. Februar für einen Abend Borussias Heim-Arena sein wird, denn dort, in Ungarns Hauptstadt Budapest, wird Gladbach das erste Champions-League-Achtelfinale seiner Klubgeschichte austragen. Gegner ist Manchester City, das mit dem klaren 4:1 beim FC Liverpool seine Siegesserie in der englischen Premier League am Sonntag fortsetzte.

Die Corona-Pandemie nötigt den Gladbachern einige historische Momente auf: Das erste Geisterspiel der Bundesliga fand gegen den 1. FC Köln im Borussia-Park statt, Gladbachs Breel Embolo schoss dabei das erste Geisterspiel-Tor der Bundesliga-Geschichte. Nun muss Borussia umziehen, weil Menschen aus Ländern mit Corona-Mutanten, zu denen England zählt, nicht nach Deutschland reisen dürfen.

Die Verlegung des Spiels wird im Kontext des Lockdowns in Deutschland intensiv diskutiert. Ein Team darf wegen der Corona-Gefährdung nicht in ein Land einreisen, und nun treffen sich zwei Mannschaften in einem Land, in das ausländische Staatsbürger bis zum 1. März nur in Ausnahmefällen einreisen dürfen  – das sorgt für Unverständnis. Die deutsche Virologin Ulrike Protzer von der Technischen Universität München sieht dies indes nicht als ein Problem an. „Es ist eine vernünftige Lösung“, sagte sie „Sky“. „Wenn man sich die Zahlen in Ungarn anschaut, sind die eigentlich ziemlich gut. Die Ungarn sind im Moment mit den Zahlen auf dem gleichen Niveau, wie wir es sind.“

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Aus diesen Ländern kamen die meisten Borussia-Spieler

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Foto: Dirk PŠffgen/Dirk Paeffgen (dirk)

Dänemark und dort die Arena des FC Midtjylland, das war kurz auch ein Thema als Ausweichort für das Königsklassen-Spiel. Da hätte es viele Schnittmengen gegeben mit Borussia, schließlich gab es schon 18 Dänen in Gladbach, gerade in den 1970er waren Spieler wie Ulrik le Fevre oder Allan Simonsen sinnstiftende Figuren. Aber Ungarn? Das ist, nimmt man Borussias Historie als Maßstab, fast ein unbekanntes Land.

Einmal erst spielte Borussia dort, das war in der Saison 1977/78 in der ersten Runde des Landesmeister-Pokals, also auch da sozusagen in der Champions League. Bei Vasas Budapest gab es ein klares 3:0. Und zwar ebenfalls im Ferenc-Puskas-Stadion, das heute etwas knackiger Puskas Arena heißt. Borussias Bilanz in Ungarn ist also glänzend, die Fallzahl aber extrem klein. Ebenso groß wie die Anzahl der in Ungarn absolvierten Spiele ist die der ungarischen Spieler in Gladbach. Krisztián Lisztes trug in der Saison 2005/2006 sechsmal das Gladbach-Trikot. Der gebürtige Budapester war ein Feintechniker, doch die Qualitäten, die er zuvor beim VfB Stuttgart und bei Werder Bremen gezeigt hatte, konnte er bei Borussia nicht auf den Rasen bringen .

Borussia Mönchengladbach: Alle Champions-League-Spiele im Überblick
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Alle Spiele Borussias in der Champions League

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Foto: AP/Martin Meissner

So waren Ungarn und Budapest bis dato nur eine Randnotiz in der Borussen-Historie. Nun bekommen sie einen besonderen Platz in den Gladbacher Geschichtsbüchern, unter anderem als ein Heimspiel-Ort ganz weit weg. Das bisher auswärtigste Heimspiel der Borussen war das Wiederholungs-Spiel des Büchsenwurf-Dramas von 1971 gegen Inter Mailand in Berlin. Nun rückt Budapest, das exakt 1000 Kilometer von Gladbach entfernt ist, auf Listenplatz eins. So gesehen ist es ein guter Ort, um auch sportlich Geschichte zu schreiben.

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