Borussia Mönchengladbach: Im Pokalspiel geht es auch darum, wer die Nummer eins am Rhein ist.

Rheinisches Duell im DFB-Pokal : Ist Borussia das bessere Bayer?

Die Bundesliga-Tabelle weist derzeit die Borussia als Nummer eins am Rhein aus. Daran wird auch das DFB-Pokalspiel gegen Bayer 04 Leverkusen nichts ändern. Neben dem Erreichen der nächsten Runde, geht es in diesem Duell aber auch ums Prestige.

Als Borussia vor zwei Wochen Mainz mit 4:0 besiegte, sangen die Fans in der Nordkurve: „Die Nummer eins am Rhein sind wir“. Derlei Liedgut ist in Mönchengladbach traditionell zunächst einmal auf den 1. FC Köln gemünzt, mit dem die Gladbach-Freunde eine innige Rivalität verbindet. Doch ist Köln in die Zweite Liga abgetaucht. Und doch gibt es zwei Konkurrenten in der Nachbarschaft. Beide sind nun Gäste der Borussen: Am Mittwoch Bayer Leverkusen im DFB-Pokal und am Sonntag Aufsteiger Fortuna Düsseldorf in der Liga.

Der Blick auf die Tabelle weist die Gladbacher tatsächlich als den besten Klub aus der Region aus, daran hat die 1:3-Niederlage in Freiburg nichts geändert. Dritter ist das Team von Trainer Dieter Hecking mit 17 Punkten, Bayer ist mit sechs Zählern weniger Zwölfter und Fortuna mit nur fünf Punkten punktgleich mit Stuttgart Letzter. Nun wird das Pokalspiel nichts an der Bundesliga-Tabelle ändern, doch ist es sowohl für die Mönchengladbacher als auch für die Leverkusener ein Gradmesser. Borussia will sich nicht beirren lassen von der zweiten Saisonniederlage. Bayer will nachweisen, dass das 6:2 in Bremen weit mehr dem Leistungsvermögen entspricht, als viele der eher dürftigen Darbietungen zuvor.

Immerhin ist die Werkself mit dem Etikett „Bester Kader aller Zeiten“ in die Saison gegangen, die trotz des schwachen Starts in die Spielzeit möglichst wieder im internationalen Fußball enden soll. Weswegen das Geschehen in Bremen Hecking nicht wirklich überraschte. „Bayer hat viel Qualität und hat sie da abgerufen“, sagte er. Indes ohne Angstschweiß auf der Stirn: „Wir sind ja auch gut.“ Das ist das Vertrauen in die eigene Stärke, dass sich die Borussen angesichts der bisher starken Saison erarbeitet haben. Und die wollen sie auch gegen Bayer auf den Rasen bringen – erfolgreich. Auch, um  zu belegen, dass die Gladbacher im Gegensatz zur vergangenen Saison ein ganzes Stück weiter sind.

Drei Niederlagen gab es in der Spielzeit 2017/18 gegen Bayer, sowohl beim 1:5 als auch beim 0:1 im Pokalspiel (hier geht es zur Analyse des entscheidenden Tores) war Gladbach spielerisch im Vorteil, nutzte das aber nicht. Beim 0:2 in Leverkusen stellte Bayer jedoch klar, dass es reifer war als die Borussen. Die Quintessenz: Leverkusen spielt in Europa, Gladbach nicht. Nun will Borussia diesen Makel beheben. Und einen Konkurrenten wie Bayer zu distanzieren darf als Indiz angesehen werden, dass der nächste Entwicklungsschritt getan ist. Umgekehrt gilt das ebenso.

Beim 2:0 im Ligaspiel am ersten Spieltag ist das aber erst mal Gladbach gelungen, und tatsächlich hat das Los dafür gesorgt, dass es wie in der Saison zuvor wieder drei Vergleiche gibt. Dass Leverkusens Leistungsschau  vorab in Bremen passierte, kommt Hecking entgegen. Denn nun weiß sein Team, was kommen kann. Bayer-Trainer Heiko Herrlich hofft derweil, dass es ein Startschuss war. Nach schwachen Leistungen war der Trainer unter Druck geraten. Das Spektakel an der Weser sorgt für etwas Ruhe. Doch das kann sich wieder ändern, wenn das Team nicht nachlegt.

Spielerisch haben sich die Borussen komplett verändert im Vergleich zur Vorsaison, und provokativ kann man vielleicht sogar behaupten, dass Heckings Neu-Entwurf bisher das bessere Leverkusen ist. Denn einen schnellen und aggressiven Fußball mit gut ausgewogenen Ballbesitz-und Umschaltmomenten, wie Gladbach ihn spielt, hat eigentlich auch Herrlich im Sinn. In Bremen war zu besichtigen, wie es aussehen kann und soll. Gladbach hat davon aber eben schon weit mehr gezeigt.

Aus dem Bisherigen jedoch eine Tendenz für Mittwoch abzuleiten, davon will Hecking nichts wissen. Die Borussen haben den Von-Spiel-zu-Spiel-Gedanken reaktiviert, es gibt also weder Vergangenheit noch Zukunft, sondern nur die Gegenwart mit 90 oder 120 Minuten plus ein eventuelles Elfmeterschießen gegen Bayer. In denen wird sich zumindest zeigen, welcher rheinische Rivale im Pokal der Bessere ist.

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