Borussia Mönchengladbach: Ibrahima Traoré spricht über den Afrika-Cup und seinen Start bei Marco Rose

Interview mit Ibrahima Traoré : „Der Afrika-Cup ist für mich kein Nachteil bei Borussia“

Ibrahima Traoré spricht über seine Rolle als Guineas Kapitän, den Afrika-Cup sowie seine Zukunft in Gladbach und den neuen Trainer Marco Rose.

Ibrahima Traoré ist der einzige Borusse beim Afrika-Cup, der bis zum 19. Juli in Ägypten ausgespielt wird. Der 31-Jährige ist Kapitän von Guinea.

Herr Traoré, am Samstagabend steigen Sie mit Guinea mit dem Spiel gegen Madagaskar in den Afrika-Cup ein. Welche Rolle kann die Mannschaft spielen?

Traoré Wir gehören nicht zu den Favoriten. Aber wir haben ein gutes Team, das, wenn es alles abruft, jedem Gegner gefährlich werden kann. Ich würde uns daher als Underdog bezeichnen. Als solcher wollen wir möglichst weit kommen. Unser Ziel ist es, mindestens die Gruppenphase zu überstehen und ins Achtelfinale einzuziehen. Dann sehen wir weiter.

Madagaskar und Burundi sind auf dem Papier machbare Vorrunden-Gegner. Dazu kommt Nigeria.

Traoré Wie gesagt: An einem guten Tag können wir auch Teams wie Nigeria besiegen. Wichtig ist, dass wir mit voller Überzeugung und allem Teamgeist in die Spiele gehen. Wenn wir das auf den Platz bringen, sind wir unberechenbar.

In der Vorbereitung gab es Niederlagen gegen Benin, Gambia und Ägypten.

Traoré Gerade die Niederlagen gegen Benin und Gambia können für uns sehr lehrreich sein. Da haben wir gesehen, dass es gegen keinen Gegner ein Selbstläufer wird, dass wir immer voll bei der Sache sein müssen. Letztlich liegt es an Details. Wir haben uns viele Chancen herausgespielt, müssen aber effektiver sein vor dem Tor. Und wir müssen in der Defensive noch kompakter werden. Es gab einige unnötige Gegentore.

Sie und Naby Keita sind die Stars des Teams.

Traoré Spieler von Top-Vereinen sind natürlich wichtig wegen ihrer Qualität und wegen der Erfahrung. Sicherlich fokussiert sich auch vieles auf uns. Das kann gut sein für die anderen Spieler, die dann für Überraschungsmomente sorgen können. Wir helfen den anderen, aber sie müssen auch uns helfen. Jeder muss wissen: Nicht Keita oder Traoré machen den Erfolg, sondern nur das Team.

Sie sind der Kapitän Ihrer Mannschaft. Wie interpretieren Sie diese Rolle?

Traoré Es ist etwas anderes, Kapitän einer afrikanischen Nationalmannschaft oder eines Bundesliga-Teams zu sein. Es ist viel mehr auch soziale Arbeit gefragt. Ich führe viele Einzelgespräche, um jedem Spieler zu zeigen, dass er wichtig ist. Außerdem gibt es viele Aufgaben jenseits des Teams. In Afrika sind Sport und Politik eng beisammen. Darum telefoniere ich fast täglich mit dem Ministerpräsidenten und dem Sportminister und spreche mit dem Verbandspräsidenten, um einen Lagebericht zu geben. Wenn wir Erfolg haben, werde ich an erster Stelle genannt, wenn wir keinen Erfolg haben, ist es mein Name, der damit in Verbindung gebracht wird. Es ist eine große Aufgabe, aber auch eine große Ehre Kapitän meines Landes zu sein.

Wie ist die Erwartungshaltung in Guinea?

Traoré Der Afrika-Cup ist eine große Sache, das wird in Europa nicht immer so wahrgenommen. Aber jeder Spieler repräsentiert hier ein ganzes Land – und in diesem Land sind die Erwartungen riesengroß. Als wir vor unserem Trainingslager in Marokko ankamen, waren viele Guineer, die in Marrakesch leben, am Flughafen, um uns zu empfangen, die Euphorie ist groß. Wir wollen alles geben für die Menschen in Guinea, es ist eine große Verantwortung, die wir haben. Aber die Menschen müssen auch verstehen, dass wir eben nur ein Underdog sind.

Sie haben Andreas Bluhm als Personal Physio für den Afrika-Cup engagiert.

Traoré Andy ist sehr wichtig für mich. Er hat mich über Jahre bei Borussia in der Reha betreut, er kennt meinen Körper genau. Aber er ist auch als Freund und Berater wichtig für mich, er bekommt hier alles mit und kann mir zur Seite stehen.

Im Februar haben Sie sich einer Leisten-OP unterzogen. Am Saisonende waren Sie dann wieder da und haben mit zwei wichtigen Vorlagen in Nürnberg zur Europa-League-Qualifikation beigetragen.

Traoré Ich hatte ja mehr oder weniger zwei Jahre lang immer wieder Probleme. Ich glaube, dass das Grundproblem nun gelöst ist. Natürlich muss ich noch aufholen, weil ich so lange keinen Rhythmus hatte, aber ich spüre, dass es mir viel besser geht. Die Operation war sehr wichtig für mich.

Beginnt nun eine neue Zeit in Gladbach für Sie?

Traoré Mit jeder neuen Saison beginnt auch eine neue Zeitrechnung. Vor allem, weil wir einen neuen Trainer bekommen, es wird einen neuen Ansatz geben und ein neues Spielsystem. Ich habe noch keinen Kontakt zu Marco Rose gehabt, habe aber viel Gutes über ihn gehört. Wir werden sehen, was er vorhat mit den einzelnen Spielern. Doch bis dahin ist noch Zeit, im Moment liegt mein Fokus aber auf dem Spiel gegen Madagaskar. Wir wollen einen guten Start in den Afrika-Cup schaffen – und ich will meinem Team dabei helfen.

Ist es für Sie ein Nachteil, dass Sie wegen des Afrika-Cups einen Teil der Vorbereitung verpassen?

Traoré Nein, das glaube ich nicht. Ich bin hier voll im Training und werde gut vorbereitet in Gladbach einsteigen, wenn es soweit ist. Bei Spielern wie Matthias Ginter oder Thorgan Hazard ist nicht diskutiert worden, ob es ein Nachteil für sie war, als sie im vergangenen Jahr später kamen wegen der Weltmeisterschaft. Der Afrika-Cup wird einfach noch nicht richtig wertgeschätzt in Europa. Aber es ist ein großer und wichtiger Wettbewerb, bei dem auf hohem Niveau gespielt wird.

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