Borussia Mönchengladbach Kitchentalk: Traoré ist in Derby-Form

Mönchengladbach · Der Außenstürmer lieferte in der Kulturküche eine gute Performance ab. In dieser Form kann er Borussia gegen Köln richtig helfen.

 Der Moderator und sein Gast: Torsten Knippertz und Ibrahima Traoré in der Kulturküche.

Der Moderator und sein Gast: Torsten Knippertz und Ibrahima Traoré in der Kulturküche.

Foto: Detlev Ilgner

Oscar Wendt musste kurzfristig absagen. Das war kein Problem für Ibrahima Traoré. Eigentlich sollte er mit dem schwedischen Kollegen den Kitchentalk in der Kulturküche bestreiten, doch Traoré versicherte Moderator Torsten Knippertz vor dem Start: "Ich bin gut genug für zwei." So gab es 64 Minuten und 49 Sekunden — so lange dauert das Stelldichein mit Knippertz mithin - Traoré pur. Und Borussias Außenbahnspieler lieferte eine richtig gute Performance ab. Wenn er morgen beim Derby gegen den 1. FC Köln in eben dieser Form auf dem Platz unterwegs ist, wird er seinem Team richtig guttun.

Dass Traoré, der sich von seiner Teilnahme am Afrika Cup inzwischen "richtig erholt" hat, eine Option für die Startelf ist, gab Trainer Lucien Favre gestern bekannt. Schon beim 0:1 auf Schalke zeigte der 26-Jährige nach seiner Einwechslung, dass seine flotten Dribblings ein probates Mittel sind gegen eine kompakte Defensivformation. Und die wird, das vermutet Traoré ebenso wie sein Trainer, der rheinische Rivale morgen auch aufbieten. "Es wird ein ähnliches Spiel wie auf Schalke. Köln wird tief stehen und versuchen zu kontern", sagte Traoré.

Ob er wirklich anfangen darf, wird Favre wohl erst heute nach dem Abschlusstraining wirklich entscheiden. Gerade auf den Flügeln hat er viele Alternativen. Auch André Hahn ist wieder eine, nachdem er seine Achillessehnenentzündung überstanden hat. "Er fühlt sich gut", sagte Favre gestern. So ist es auch bei Traoré.

In der Kulturküche brachte er auf die Bühne, was heute helfen kann gegen das zweitbeste Auswärtsteam der Bundesliga. Das ist vor allem ein gesundes Selbstvertrauen. Wie die Spieler Lucien Favre ansprechen, erkundigte sich Knippertz. "Trainer", verriet Traoré. "Und wie spricht Favre seine Spieler an?" wollte Knippertz von seinem Gast wissen. "Er sagt Sie", antwortete Traoré. "Und dann den Vornamen?", fragte Knippertz weiter. "Zu mir sagt er: Sie, der Beste", antwortete Traoré und grinste breit.

"Selbstvertrauen", sagte er, "ist wichtig, wenn man auf den Platz geht. Wir wissen, dass wir Köln schlagen können." Er geht davon aus, dass er dazu beitragen kann, wenn er spielt. So wie er beim Afrika Cup seinen Teil dazu tat, dass Guinea ins Viertelfinale kam. "Du warst einmal Man of the Match", sagt Knippertz. "Zweimal", stellte Traoré klar. Und bestätigte, dass ihn die Teamkollegen im Nationalteam "Joe Dalton" nennen. Das ist der kleinste und gerissenste der vier Dalton-Brüder, die Lucky Luke das Leben schwermachen. Gleiches will Traoré mit den Kölnern tun.

Da sein Vater vor allem das "Döp, döp, döp" mag, das bei Borussias Toren gespielt wird, würde der Filius dem Senior gern die eine oder andere Hörprobe gönnen gegen die Kölner. Doch Traoré weiß, dass dazu harte Arbeit nötig ist. "Es ist ein wichtiges Spiel, auf das wir uns gut vorbereitet haben, wir haben viel trainiert", berichtete er. Druck indes verspüre er nicht, eher das gute Gefühl, das 0:1 auf Schalke gleich wieder zurechtrücken zu können.

Köln-Fans zeigen martialische Choreo
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Dass man solche Spiele nicht verkrampft, sondern mit einer gewissen Lockerheit angehen muss, liegt auf der Hand. Traoré legte die in der Kulturküche an den Tag. "Mein Motto ist, alles zu genießen, als ob es der letzte Tag wäre", berichtete er. Und, dass er nicht Auto fährt. Martin Stranzl, sein Teamkamerad, dessen Einsatz gegen Köln noch fraglich ist, hat ihm angeboten, mal mit ihm auf eine Rennstrecke zu gehen. "Das können wir machen. Er fährt und ich laufe. Ich bin trotzdem schneller", flachste Traoré. Auch schwimmen tut er nicht gern, gestand er. Gleichwohl macht er am liebsten Urlaub am Meer - "aber ich gehe nicht rein". Der Mann, der den Urlaub am Meer liebt, aber nicht schwimmt - das wäre auch ein guter Stoff für eine Kurzgeschichte. Die könnte Traoré gleich selbst verfassen, schließlich wollte er als Jugendlicher Schriftsteller werden. "Das war mein Traum, und nicht, Fußballer zu werden", sagte er.

Fußballer ist er trotzdem geworden. Und als solcher träumt er davon, bald in der Champions League zu spielen. Mit Borussia. Der erste Schritt auf dem Weg dahin ist das morgige Derby. "Wir werden alles dafür tun, die drei Punkte zu holen. Für uns und die Tabelle. Und für die Stadt und die Fans", sagte Traoré. Es gab Applaus. Wie so oft an diesem Abend in der Kulturküche.

(RP)
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