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Borussia Mönchengladbach: Herbert "Hacki" Wimmer über die Angst vor Corona

Borussia-Legende gehört zur Risikogruppe : „Dann überkommt mich schon ein wenig Angst“

Herbert „Hacki“ Wimmer gehört mit 75 Jahren zur Risikogruppe in der Corona-Krise. Die Borussia-Legende erklärt, wie er sein Leben jetzt angeht.

Es liegen nur wenige Gehminuten zwischen den drei Borussia-Denkmälern. Das eine wurde im November 2019 dort eröffnet, wo früher der Bökelberg war, Borussias legendäres Stadion an der Bökelstraße. Es ist eine Anmutung der Arena, in der der Klub zu dem wurde, was er ist, in dem er Tore, Tränen und Triumphe erlebte. Unweit davon, in Eicken, gibt es den achteinhalb Tonnen schweren Granit-Fußball, der 2010 eingeweiht wurde. Schon 1975 hat Bildhauer Bonifatius Stirnberg das rund 50 Kilo schwere Denkmal geschaffen, das seit 1981 gegenüber des „Alt Eicken“ steht. Drei Legenden des Klubs, allesamt Mitglieder der Jahrhundertelf, sind hier in Bronze gegossen: Günter Netzer, Berti Vogts und Herbert Wimmer.

Würde man die Fohlenelf, die am 30. April 1970 ihren ersten Meister-Titel holte, als Organismus begreifen, dann waren diese drei Herren lebenswichtige Organe: Netzer war das Hirn, Vogts das Herz und Wimmer, „Hacki“, genannt, die Lunge. Denn der Mann, der 1944 eher zufällig, wie er selbst sagt, im belgischen Eupen geboren wurde und 1966 zu Borussia gekommen war, der lief und lief und lief in zwölf Jahren und 366 Spielen. Er tat das, bevor es Messungen der Laufleistungen gab, doch vermutlich könnte Wimmer durchaus mit den Marathonmännern der Jetztzeit mithalten. Er war, in der modernen Fußball-Sprache gesprochen, ein „Box-to-Box“-Spieler.

Wimmer wird jetzt lächeln, wenn er das liest, er mag es nicht wirklich, wenn um seine Person viel Brimborium gemacht wird. Er wollte immer nur Fußball spielen. Und wenn er damit fertig war, dann fuhr er möglichst schnell zurück nach Aachen-Brand, damals wie heute sein Heimatort. Dort ist er auch jetzt in der Zeit der Corona-Krise – und der Mann, dem auf dem Rasen kaum etwas aufhalten konnte, hat großen Respekt vor dem Virus.

„Als Spieler habe ich immer alles gegeben und keine Angst gekannt, doch ich muss sagen, wenn ich heute die Berichte aus Italien über die Corona-Krise im Fernsehen sehe, dann überkommt mich schon ein wenig Angst. Hoffentlich bekommen wir niemals solche Zustände. Ich gehöre ja mit 75 Jahren schließlich zur sogenannten Risikogruppe, es ist auf jeden Fall ein sehr beklemmendes Gefühl, keiner weiß ja, wie es weiter geht mit diesem Virus“, sagte Wimmer im Telefonat mit unserer Redaktion.

Wimmer, der schon fünf Hüftoperationen hatte, ist trotzdem in Bewegung. „Mindestens eine Stunde am Tag gehe ich mutterseelenallein im Wald spazieren oder fahre mit dem Rad, danach setze ich mich in meinen Garten, frische Luft kann ja nicht schaden“, sagte er.

Auch wenn er wegen der Corona-Meldungen schon Anfang März auf die Reise zum Spiel der Gladbacher gegen Borussia Dortmund (1:2) verzichtet hatte, hat er die bisherigen Taten „seiner“ Gladbacher in dieser Saison genau verfolgt. „Ich fahre ja sonst zu allen Heimspielen nach Gladbach, doch zu diesem Zeitpunkt war es mir einfach schon zu gefährlich. Schade, dass die Jungs nur durch Corona gestoppt wurden, ich hoffe ja, dass die Saison im Sommer noch zu Ende gespielt wird“, sagte Wimmer.

„Aber ich muss auch gestehen, dass der ausgefallene Fußball derzeit das kleinste Problem ist, dieses Coronavirus hat von heute auf morgen die ganze Welt verändert“, sagte Wimmer auch. Dass er sich gerade jetzt, da der Tag, an dem Borussia vor fast 50 Jahren am 30. April 1970 mit dem 4:3 gegen den Hamburger SV ihr Meister-Debüt feierte, oft auch an die Erfolge, die er mit Gladbach feierte, erinnert, darf man annehmen. Denn schöne Erinnerungen helfen auch über die Tristesse der Gegenwart hinweg.