Borussia Mönchengladbach: Heiß auf "Puma", Weg wird nach "Walli" benannt

Wissenswertes von Borussias JHV: Vom gelben Balken bis zum "Walli"-Weg

179 Millionen Euro Umsatz, Platz neun im Vorjahr, aktuell Platz acht - das waren die Eckpfeiler bei Borussias Jahreshauptversammlung. Darüber hinaus gab es einige kleinere Themen, die die Mitglieder brennend interessierten - oder von denen sie erstmals hörten.

Jährlich grüßt das Murmeltier, weshalb Geschäftsführer Stephan Schippers auch nicht sonderlich überrascht war, als die Frage nach dem "gelben Balken" kam. Viele Fans stören sich an der Kombination des Firmenlogos von Borussia Hauptsponsor Postbank (seit 2009) mit den Vereinsfarben. Doch Schippers drückte sich deutlich aus: "Stellen Sie sich mal vor, wir würden der Postbank sagen, sie soll ihr Emblem verändern. Oder sie würde uns sagen, dass wir das tun sollen. Gelb taucht nicht in unseren Vereinsfarben auf, ich weiß. Aber das würde ich jetzt seit Jahren gelebte Praxis nennen."

Wie gewohnt gedachte Borussia zu Beginn der Mitglieder, die seit der letzten Jahreshauptversammlung gestorben sind. Neben dem langjährigen Mannschaftsarzt Dr. Jürgen Sellmann, Ex-Spieler Werner Waddey und Ex-Trainer Friedel Rausch wurde auch Waltraud "Walli" Hamraths gewürdigt. Die 83-Jährige hatte Borussia seit Oberliga-Zeiten als Fan begleitet - durch ganz Europa. Anfang März war sie gestorben. Ihr Auftritt in einer WDR-Doku machte sie deutschlandweit bekannt. Nun verkündete Präsident Königs, dass der Fußweg vom Fanhaus zum Borussia-Park nach "Walli" benannt werden soll.

Das Thema, über das neben der sportlichen Situation am Wochenende die meisten Borussia-Fans sprachen, griff Präsident Rolf Königs gleich zu Beginn auf. "Als ich heute Morgen die Zeitung aufgeschlagen habe, war ich betroffen, nicht nur traurig", sagte er über den mutmaßlichen Fall sexuellen Missbrauchs im Sonderzug vom Bayern-Spiel. "Was sich da abgespielt hat, hat bei uns keinen Platz. Das ist nicht in Einklang zu bringen mit unserer Vereinskultur, das ist das Gegenteil von Kultur." Auch Geschäftsführer Stephan Schippers bat alle Borussen, aufmerksam zu sein, damit sich so ein Fall - bislang ein Einzelfall - nicht wiederholt.

Beim 1. FC Nürnberg war es Usus, bei Borussia gehörte Trainer Dieter Hecking wie gewohnt nicht zu den offiziellen Rednern. Warum eigentlich nicht? Auf die Frage eines Mitglieds antwortete Hecking: "Ihr könnt jederzeit Kritik äußern, wenn sie sachlich-fachlich ist und nicht unter die Gürtellinie geht. Wenn ich bei der nächsten Mitgliederversammlung noch Trainer bin, stehe ich gerne Rede und Antwort."

Noch eine Sache, die die Bundesligaklubs unterschiedlich handhaben: Bei Borussia sind die Profis in der Regel nicht vor Ort bei der Mitgliederversammlung. Dafür war am Montag die komplette Frauenmannschaft vertreten. Die kämpft momentan um den Wiederaufstieg in die Bundesliga und ist Tabellenführer. Manager Max Eberl ließ es am Ende seiner Rede nicht unerwähnt und wünschte viel Erfolg.

Eberl konnte nicht ahnen, wie kurios (oder absurd, je nach Standpunkt) es wenig später zwischen Mainz und Freiburg zugehen sollte, als er prophezeite: "Der Video-Assistent ist die größte Veränderung der letzten 50 Jahre. Trotzdem werden uns unsere Kinder irgendwann fragen: Worüber habt ihr euch damals eigentlich aufgeregt?" Auch Borussia hat schon einiges erlebt in dieser Hinsicht, einen Elfmeter, für den die Mannschaften wieder aus der Kabine geholt werden müssen, allerdings auch noch nicht.

Borussias Fans sind es gewohnt, dass die Mannschaft im letzten Heimspiel der Saison bereits die Trikots für die neue trägt. Diesmal wird es anders sein, da Kappa nach fünf Jahren von Puma abgelöst wird. Da der Vertrag mit dem alten Ausrüster noch bis zum 30. Juni läuft, übernimmt der neue erst danach - am Tag des Trainingsauftakts. "Wir sind alle heiß", sagte Schippers, dankte aber auch Kappa für die Zusammenarbeit. In dieser Zeit spielte Borussia immerhin zweimal in der Champions-League-Gruppenphase.

Das Programm beim Trainingsauftakt dürfte also etwas üppiger ausfallen als sonst, dafür wird es kein Fanfest zur Saisoneröffnung geben. "Das machen wir mit der Eröffnung unseres neuen Hauses neben dem Borussia-Park", kündigte Königs an. Der Termin wird wohl irgendwann im Oktober sein. Die Arbeiten sind derweil sowohl im Zeitplan als auch im Finanzrahmen.

In dieser Saison ist der Kelch an Borussia vorübergegangen: Keines der erstmals ausgetragenen fünf Montagsspiele musste sie absolvieren. Schippers, der auch Mitglied im Aufsichtsrat der DFL ist, bekräftigte noch einmal, dass der neue Termin nicht der Anfang einer weiteren Zerstückelung sei oder es in Zukunft noch mehr Montagsspiele geben solle. "Sie wurden nur eingeführt, um die Europa-League-Teilnehmer zu entlasten, nicht aus kommerziellen Gründen", sagte Schippers. Ab der kommenden Saison solle darauf geachtet werden, dass wirklich nur Spiele mit Europa-League-Teilnehmern auf den Montag gelegt werden, "und nicht Mainz gegen Freiburg."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Eberl stärkt Hecking den Rücken

(jaso)