Borussia Mönchengladbach: Happy-End für Josip Drmic? Rose entscheidet

Neuer Trainer entscheidet : Gibt es für Drmic bei Borussia ein Happy End?

Vor vier Jahren machte Stürmer Josip Drmic sein erstes Bundesligaspiel für Gladbach beim BVB - und nun vielleicht sein letztes. Es sei denn, der kommende Trainer will ihn behalten.

Am Anfang war der BVB. Es war kein schönes Erlebnis für Josip Drmic, damals am 15. August 2015. Es war sein erstes Bundesligaspiel für Borussia Mönchengladbach und es gab ein glattes 0:4 bei der Namenscousine aus Dortmund. Viele hatten die beiden Borussias auf Augenhöhe gewähnt, doch davon war nichts zu sehen. Es war ein denkbar schlechter Start für ganz Gladbach, aber eben auch für den neuen Stürmer, der für zehn Millionen Euro von Bayer Leverkusen geholt worden war. Mit ihm sollte der Höhenflug der vergangenen Spielzeit, der auf Rang drei endete, fortgesetzt werden. Und dann das.

Es gibt ein Foto von Drmic aus diesem Spiel, auf dem schaut er konsterniert drein, hinter ihm prangt der Zwischenstand von 0:3 in gelben Lettern auf der Anzeigetafel. Vier Spiele später war Lucien Favre, der Trainer, weg. Und Drmic tat sich schwer in Gladbach. Angekommen ist er nie wirklich im System der Borussen, nicht bei Favre, nicht bei dessen Nachfolger André Schubert und auch nicht bei Dieter Hecking. Der hat ihm schon vor der Saison gesagt, dass er nicht sonderlich mit ihm plane und er gehen könne, wenn es ein passendes Angebot gebe. Drmic blieb jedoch, und so war es auch im Winter.

Inzwischen darf man annehmen, dass das fast schicksalhaft war, dass Drmic noch für etwas Außergewöhnliches eingeplant war in der Geschichte dieser Saison, die einmal mehr nicht seine war im Großen und Ganzen. Und doch ist er dabei, der entscheidende Mann zu werden in der Schlussphase der Saison. „Seine beiden Tore in den zwei letzten Spielen waren sehr wichtig für uns“, sagte Hecking. Das eine brachte das 2:2 gegen 1899 Hoffenheim, das andere war das 1:0 beim 4:0-Sieg in Nürnberg „der Brustlöser“, wie Hecking sagte.

Er wollte sich aber noch nicht festlegen, ob der Mann, der Gladbach nach Europa geschossen hat, am Samstag gegen Borussia Dortmund wie zuletzt in Nürnberg von Beginn an spielen darf. „Da lasse ich mir vor dem Spiel nicht in die Karten schauen“, sagte Hecking. Man darf vermuten, dass Drmic wieder spielt – und zwar in der Konstellation wie in Nürnberg: mit Thorgan Hazard und Ibo Traoré als Flügelmänner. Spielt Drmic nicht, könnte Alassane Plea die Alternative sein.

Für Drmic würde sich der Kreis schließen, wenn er gegen den BVB zur Startelf gehört. Dortmund war 2015 der Anfang und könnte das Ende seiner Gladbacher Zeit sein. Das ist die wahrscheinliche Variante. Ob es aber wirklich so kommt, ist offenbar noch nicht entschieden. „Marco Rose schaut sich die Spiele auch an und hat eine Meinung dazu. Nach der Saison werden wir uns in Ruhe hinsetzen und besprechen, wie es weitergeht.“, sagte Sportdirektor Max Eberl am Donnerstag. „Es ist alles offen.“

Für den Moment schauen die Borussen sowieso nicht weiter als bis Samstag, 15.30 Uhr. Was Drmic seinen Kollegen vorgeführt hat ist, dass es sich lohnt, niemals aufzugeben. „Er hat diese lange Leidenszeit gehabt und hat sich trotzdem zurückgekämpft“, sagte Eberl. Auf den Rasen und in die Rolle als Torjäger. Die hatte er auch zum Ende der vergangenen Saison gespielt, da traf er viermal in den letzten sechs Spielen. Auch im letzten Spiel übrigens, da war er einer der wenigen Borussen, die sich in Hamburg gegen die Niederlage wehrten.

Damals ging es um eine theoretische Europa-Chance, jetzt geht es um eine sehr reale Möglichkeit, in die Champions League einzuziehen. Auch dank Drmic, dem Mann, der gefühlt aus dem Nichts plötzlich wieder aufgetaucht ist. „Natürlich kann er wieder ein Faktor werden“, sagte Hecking mit Blick auf das Dortmund-Spiel. Eberl fühlt sich nachträglich auch bestätigt, was den Angreifer angeht. „Dass er große Qualitäten hat, wussten wir, deswegen haben wir ihn vor vier Jahren verpflichtet“, sagte der Manager. Rein rechnerisch hat Drmic mit seinen Toren gegen Hoffenheim und in Nürnberg, das der „Brustlöser“ war, quasi seine Kaufsumme wieder rausgeholt, garantiert doch die Europa-League-Teilnahme rund zehn Millionen Euro. Aber er und seine Kollegen wollen mehr. Dieses Mal will Drmic gegen Dortmund jubeln.

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