Borussia-Geschichte Was Günter Netzer an Klaus Fischers Spiel nicht gefiel

Mönchengladbach · Vor 50 Jahren traf der Stürmer Klaus Fischer im Pokalspiel auf dem Bökelberg doppelt. Es war ihm wohl eine Genugtuung, denn er war vorher in Gladbach durchgefallen, weil er in Günter Netzers Augen beim Probetraining etwas falsch gemacht hatte, wie sich Berti Vogts erinnert.

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Foto: dpa, hrad nic

Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren schoss Klaus Fischer zwei Tore auf dem Bökelberg. Er brachte damit Schalke 04 bei Borussia mit 2:0 in Führung im ersten Spiel des DFB-Pokal-Viertelfinals, der damals noch im Hin- und Rückspiel-Modus ausgetragen würde. Zwar glichen Ulrik le Fevre und Jupp Heynkes noch aus, doch das zweite Treffen auf Schalke ging mit 1:0 an die Gelsenkirchener, die somit ins Halbfinale einzogen und später den „Pott“ holten mit einem 5:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Gerade für Fischer dürfte aber das Remis in Gladbach eine Genuttuung gewesen sein. Denn Ende der 60er Jahre war Borussia wie jetzt auf Knipser-Suche und der Stürmer als Jugendlicher, der noch für den FC Zwiesel spielte, ein Bewerber um einen Job in Gladbach. Heinz Wittmann, 1965 aus Zwiesel gekommen, hatte gesagt: „Da ist noch ein junger Stürmer, der was für uns wäre.“ Trainer Hennes Weisweiler ließ Fischer kommen, der zweimal probeweise mittrainierte.

„Man sah, was er drauf hatte“, erinnert sich Ur-Borusse Berti Vogts, der den Offensivmann als Verteidiger besonders im Fokus hatte. Trotzdem wurde es nichts mit Fischer und Gladbach. Der Grund: Borussia-Ikone Günter Netzer. „Als Klaus wieder weg war, fragte ich bei Manager Helmut Grashoff nach, warum wir ihn nicht nehmen. Er sagte: Der kommt immer nur entgegen, sagt Netzer“, erzählt Vogts im Gespräch mit unserer Redaktion. Darum hatte Netzer Grashoff gesagt: „Den nehmen wir nicht.“

Der Hintergrund: Netzer kam nicht nur mit mächtigen Schritten und wehender blonder Mähne aus der Tiefe des Raumes, vor allem war er ein Liebhaber weiter Diagonalbälle. „Wenn Günter mal zwei, drei Bälle diagonal gespielt hat und keiner ging hin, dann gab es mächtig Ärger“, sagte Vogts. „Wenn ein Spieler immer entgegenkommt, geht meine Stärke verloren“, gab Netzer zu.

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Foto: dpa/Marius Becker

Klein-klein war nicht das Spiel der Borussen, sie spielten immer schnell und steil, weil Netzers Spiel so angelegt war. Konditionstrainer Karl-Heinz Drygalski machte die Gladbacher fit und flott, Heynckes und Co. rannten den Gegnern davon. Fischer hingegen bot an, was heute im neuen Fußball-Deutsch „klatsch-steil“ heißt, er legte ab und ging dann in den Strafraum, bereit für den Pass oder die Flanke. Das war nicht Netzers Ding, also senkte der „King vom Bökelberg“ den Daumen.

„Klar, Klaus war sauer“, berichtet Vogts. Weswegen er wohl Tore gegen Netzer und Gladbach recht gern schoss. Allerdings traf er in seiner Karriere nur siebenmal gegen die Borussen, zweimal davon im Pokalspiel am 1. April 1972.

Stellt man sich aber vor, Fischer wäre Borusse geworden: Erstens, weil Fischer seine berühmten Fallrückzieher im Gladbach-Trikot aufgeführt hätte, und zweitens, weil vielleicht ein Gutteil seiner 268 Tore, mit denen er die Nummer drei der ewigen Torjägerliste der Bundesliga ist, aufs Gladbach-Konto gegangen wäre. Plus die 195 von Jupp Heynckes, mithin die Nummer drei der besten Bundesliga-Torjäger mit insgesamt 220 Treffern, was wäre da los gewesen in der Gladbacher Torfabrik.

 Klaus Fischer führt seine Spezialität auf: den Fallrückzieher.

Klaus Fischer führt seine Spezialität auf: den Fallrückzieher.

Foto: imago sportfotodienst

„Klaus war ein cleverer, schneller und intelligenter Spieler. Er und Jupp, das hätte gepasst“, sagte Vogts. Netzer war anderer Meinung. So wechselte Fischer 1968 vom FC Zwiesel nicht zu Gladbach, sondern zu 1860 München, auf Schalke wurde er später zum Star und spielte noch für Gladbachs Erzrivalen Köln und den VfL Bochum. Für den erzielte er am 15. September 1984 erneut einen Doppelpack auf dem Bökelberg. Indes bei einem 3:4. Netzer war das schon längst im fußballerischen Ruhestand.

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