Borussia Mönchengladbach: Greenkeeper gibt Tipps zur Rasenpflege

Greenkeeper gibt Tipps : Georg Vievers ist Borussias Herr des Rasens

Der Niederkrüchtener Georg Vievers ist Experte für gesundes Grün. Er pflegt das Spielfeld von Borussia Mönchengladbach – sogar mit Tipps vom Rivalen Köln.

Georg Vievers und sein Team stellt der Sommer vor große Herausforderungen. „Das Hauptspielfeld im Stadion haben wir seit Ende Mai bereits neunmal vertikutiert – normalerweise hätten ein- bis zweimal gereicht”, sagt der Niederkrüchtener. Vievers (51) ist der oberste sogenannte Greenkeeper beim Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach.

Sein absoluter Traumjob, denn: „Ich liebe den Verein, bin seit ich denken kann Borussia-Fan.” Beste Voraussetzung also für ein Aufgabengebiet mit großer Verantwortung. Schließlich ist ein tadelloser Platz die Visitenkarte jedes Bundesligisten, kann eine Fehlstelle im Rasen womöglich spielentscheidende Folgen haben. Aber normal ist in diesem Sommer gar nichts, und so stellen die ungewöhnliche Hitze und die lang anhaltenden Trockenperioden die Herren des Grüns vor Probleme.

Die Folgen des Jahrhundertsommers spüren auch die Kollegen der anderen Vereine, mit denen Vievers sich regelmäßig austauscht. Die gemeinsame Herausforderung, trotz schwieriger Wetterbedingungen gute Platzverhältnisse zu gewährleisten, verbindet die Greenkeeper. Am Morgen habe er noch mit dem Kollegen in Leverkusen telefoniert, auch mit Schalke pflege er regelmäßigen Kontakt, sagt Vievers. Wenn es um die Rasenpflege geht, rücken auch sonst sorgsam gehegte traditionelle Rivalitäten in den Hintergrund: „Wir stehen sogar mit den Kölnern vom FC in Verbindung”, gesteht Vievers.

Ähnlich wie beim menschlichen Organismus können Viren und Bakterien einen Rasen schädigen, Hauptproblem für das Grün sind aber Pilzerkrankungen. „Wenn Sie das Pech haben, sich einen besonders aggressiven Pilz einzufangen, kann der Ihnen innerhalb von drei bis vier Tagen 8000 Quadratmeter vernichten”, sagt Vievers. Auch darum darf der Stadionrasen niemals mit Straßenschuhen betreten werden. Bei aller Vorsicht und intensiver Pflege kann es bei extremen Wetterbedingungen aber trotzdem zum Totalschaden kommen. „Einen Kollegen hat es zuletzt erwischt: Er musste kurz vor Saisonstart den kompletten Rasen austauschen“, sagt Vievers.

Um derlei Ungemach vorzubeugen, betreiben die Mönchengladbacher Grünpfleger erheblichen Aufwand. Sie begutachten die Rasenflächen täglich. Ihre Kontrollgänge beginnen sie zwischen 6 und 7 Uhr. Auch dabei liegt ihr Hauptaugenmerk darauf, möglichen Pilzbefall so früh wie möglich zu erkennen. „Der Pilz ist immer da und lauert auf gute Bedingungen. Unsere Aufgabe ist es, seine Ausbreitung zu unterbinden”, erklärt Vievers.

Sogar ein Laie kann solch eine Ausbreitung mit dem bloßen Auge erkennen, besonders gut im Morgentau, sagt Vievers. Dann sieht es aus, als ob sich ein feines Spinnennetz über den Rasen spannt. Heiße Tage und feuchte Nächte fördern das Pilzwachstum. Dem Rasen selbst sieht man einen Befall nicht an, denn sein zerstörerisches Werk betreibt der Pilz an der Wurzel. Eine befallene Wiese bleibt zunächst grün – regelmäßige Bewässerung vorausgesetzt.

Erst wenn sie das nächste Mal bespielt wird und die Grasfetzen nur so fliegen, wird klar: Da ist nichts mehr zu retten. In den vergangenen Wochen war die Rasenpflege für Vievers und seine Kollegen eine Gratwanderung: Wegen der anhaltenden Trockenheit mussten sie den Rasen gründlich wässern, nachts liefen dagegen Ventilatoren, um dem Pilzwachstum entgegenzuwirken.

Ganz so hohen Aufwand muss ein Gartenbesitzer aber nicht betreiben. Greenkeeper Vievers hat wichtige Tipps für diejenigen, deren heimisches Grün sich zuletzt in ein eher trostloses Strohbraun verwandelt hat: „Auf keinen Fall sollten Gartenbesitzer jetzt panisch loslaufen und Rollrasen kaufen”, sagt der Rasenpflege-Profi.

Wenn ein Rasen fünf Jahre oder älter sei, könne man davon ausgehen, dass die Wurzelqualität so gut ist, dass der Rasen sich mindestens teilweise ganz von selbst wieder erholt, sobald es wieder regelmäßig regnet. „Abwarten bis Ende September, Anfang Oktober“, lautet sein Tipp. „Sind dann immer noch Lücken im Grün, sät man an diesen Stellen nach”, sagt Vievers.

Auch für diejenigen Gartenbesitzer, die sich in der glücklichen Lage befinden, einen Brunnen zu besitzen, gilt es, einige Regeln zu beachten: Grundsätzlich keine kleinen Mengen Wasser geben. Sonst bilden sich einzelne Tröpfchen, die bei direkter Sonneneinstrahlung zum gefürchteten Linseneffekt führen, der das Gras verdorren lässt.

Gibt man hingegen reichlich Wasser, ist diese Gefahr auch bei Sonnenschein nur sehr gering. Insbesondere wenn das Gras gesund ist und die Halme senkrecht stehen, ist reichliche Wassergabe auch in praller Sonne entgegen der landläufigen Meinung laut Vievers „kein Problem“. Grundsätzlich gilt: Nicht täglich wenig, sondern besser jeden zweiten Tag zehn bis 15 Liter pro Quadratmeter geben.

Dann bleibt es auch daheim so grün wie bei der Borussia im Stadion.

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