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Borussia Mönchengladbach: Gnadenlose Effizienz sorgt für 3:0-Erfolg beim FC Bayern München

3:0-Sieg bei den Bayern : Borussia gnadenlos effizient

Mit drei Torschussen erzielt die Borussia in München drei Tore. Nach einer ebenfalls überzeugenden Defensivarbeit steht so am Ende ein 3:0-Erfolg beim Rekordmeister - ein Ausrufezeichen.

Am Ende des Abends gewährten die Borussen intime Einblicke. Sie schickten via Instagram ein Foto aus der Mannschaftskabine in die Welt hinaus. Darauf sind viele jubelnde Männer zu sehen und auch wenn es natürlich keinen Ton zum Bild gibt, kann man sich leicht vorstellen, was da so gesungen wird. Es ist ein Foto, das ganz viel Ausgelassenheit zeigt. Und auch Stolz. Und wer 3:0 beim FC Bayern München gewinnt, der darf beides sein, und zwar im Überfluss: ausgelassen und stolz. Allerdings: Gleich nach dem Triumph ging es zurück in die Heimat, ein Wiesn-Besuch stand nicht auf dem Programm der Gladbacher.

Es folgten bei Instagram in regelmäßigen Abständen weitere Fotos, die den „besonderen Abend“ wie Kapitän Lars Stindl, einer der Protagonisten dieses Sieges, sagte, einsortierten. Patrick Herrmann, dessen Treffer zum 3:0 erst nach der Befragung des Videoassistenten zählte, schrieb das Wort „unfassbar“ unter sein Foto, auf dem Ersatztorwart Tobias Sippel und Stindl mit ihm sein zweites Saisontor bejubeln. Von Alassane Plea, der mit Borussias erstem Torschuss sein fünftes Saisontor erzielte und damit den Sieg auf den Weg brachte, war ebenfalls ein Jubelfoto zu finden, der Franzose ist darauf im Sprung zu sehen. Man gewöhnt sich an diese Bilder von Plea, schließlich hat er nun in vier Spielen am Stück getroffen. Und dann war da das Bild von Lars Stindl, der wie Plea in der Luft fotografisch eingefroren wurde: Bei seinem Comeback nach mehr als fünf Monaten erzielte der 30-Jährige nach 16 Minuten das 2:0.

„Es hat uns sehr gut getan, dass Lars wieder dabei war. Er hat super gearbeitet und wahnsinnig viele Bälle gehalten“, sagte Abwehrchef Matthias Ginter, der zusammen mit seinem Nebenmann Nico Elvedi im eigenen Strafraum für Ordnung sorgte. „Wir wollten Überzahl im Mittelfeld haben, dafür war Lars Stindl prädestiniert. Allerdings wollten wir auch Thorgan Hazard und Alassane Plea in der vordersten Linie haben. Deshalb haben wir uns für diese Offensivformation entschieden“, erklärte Trainer Dieter Hecking den „Kniff“ mit dem Kapitän.

„Die Basis war aber eine sehr gute Defensivarbeit“, stellte Jonas Hofmann klar, der nach der Pause in Wolfsburg ins Team zurückkehrte und beide Tore vorbereitete. „Wir waren vorne eiskalt, haben mit drei Schüssen aufs Tor drei Tore gemacht. Wenn du dann defensiv noch so gut stehst, dann hast du große Chancen in München etwas mitzunehmen“, sagte Hofmann. „Den zweiten Tabellenplatz nehmen wir als Momentaufnahme sehr gerne mit in die Länderspielpause, aber wir werden unseren Weg weitergehen.“

Aktuell führt der Weg der Borussen in die oberen Tabellenregionen – und ein 3:0 in München gehört nun mal zu den ganz großen Ausrufezeichen, die ein Team setzen kann. Es war eine sehr gute und geschlossene Mannschaftsleistung. „Wir haben heute wahnsinnig gut verteidigt, uns zwar einem Dauerdruck ausgesetzt gesehen, aber keine großen Torchancen zugelassen. In unserem Umschaltspiel wollten wir die Bayern erwischen, wenn uns die Räume gegeben werden. Das ist wunderbar aufgegangen. Wir haben aus den ersten beiden Chancen direkt zwei Tore erzielt. Das hat uns natürlich in die Karten gespielt“, sagte Hecking.

14 Torschüsse hatten die Bayern, aber nun selten wirklich große Chancen. Wie Gladbach brachte die Münchener drei Bälle aufs Tor, jeweils war Yann Sommer zur Stelle. Der Schweizer indes musste in dieser Saison schon größere Aufgaben bewältigen als dieses Spiel. Und wenn ein Team bei den Bayern gewinnt, ohne dass der Torhüter der beste Mann ist, dann kann man sagen: Der Sieg war verdient. Borussia war taktisch seht gut organisiert und extrem effektiv. „Wir standen sehr kompakt und haben die Räume gut zugelaufen. Deswegen war es für uns heute relativ einfach, die Zweikämpfe zu gewinnen. Die Effizienz war aber heute der Schlüssel zum Erfolg. In den ersten zehn Minuten war es schwierig, ins Spiel zu kommen. Dann haben wir mit unseren ersten beiden gelungenen Aktionen zwei Tore gemacht. Diese brutale Effizienz brauchst du, um in München etwas zu holen, wir haben sie gehabt“, sagte Christoph Kramer, der als Singlesechser zusammen mit Hofmann und Florian Neuhaus in der Zentrale spielte.

Auch für den früheren Münchener „Löwen“ Florian Neuhaus war es ein außergewöhnlicher Tag in der alten Heimat. „Hätte mir vorher jemand erzählt, dass ich mein erstes Spiel beim FC Bayern mit 3:0 gewinne, hätte ich ihm wahrscheinlich den Vogel gezeigt. Wir sind überglücklich, dass es zu dem Ergebnis gekommen ist. Was wir uns vorgenommen haben, hat heute sehr gut geklappt. Wir wollten defensiv gut spielen und dann immer wieder Nadelstiche setzen. Wir wollten die Bayern mit hohem Anlaufen und hohen Ballgewinnen überraschen. Dass es so geklappt hat, ist super gewesen“, sagte Neuhaus.

Die 6000 Gladbach-Fans in der ausverkauften Münchener Arena hatten wie die Borussen unten auf dem Rasen ihren Spaß am vierten Sieg bei den Bayern im 51. Spiel in München. Nach dem 2:1 von 1995, dem 1:0 von 2011 und dem 2:0 von 2015 war das 3:0 der höchste Erfolg einer Gladbacher Mannschaft beim Rekordmeister. Yann Sommer fasste das allgemeine Befinden passend zusammen: „Ein gutes Gefühl.“ Dazu stellte der Schweizer ein Foto, das tanzende Borussen zeigt. Zuvor hatten sie die Bayern ausgetanzt. Dafür gab es neben all der Freude „wichtige drei Punkte“, wie Sommer noch anmerkte. Das war mithin die nüchternste aller Betrachtungsweisen eines Abends, an dem Dieter Hecking und seine Borussen alles richtig gemacht haben.

(kk)