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Borussia Mönchengladbach: Gegen Mainz 05 begann für Florian Neuhaus eine neue Zeitrechnung.

Borussias begehrter Mittelfeldmann : Darum hat Neuhaus schöne Erinnerungen an Mainz

Vor knapp über einem Jahr traf Florian Neuhaus gegen Mainz 05 beim 3:1 aus 40 Metern. Das Tor war für ihn der Auftakt zu einer wichtigen Rückrunde.

Das bislang letzte Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 war für Florian Neuhaus ein besonderes Ereignis. Zunächst einmal sah es nicht danach aus, denn der Mittelfeldspieler saß auf der Bank. Dann kam er aber rein und schoss beim 3:1 ein Tor, das später von den Zuschauern der ARD-Sportschau zum schönsten des Monats Januar 2020 und zum viertschönsten des gesamten Jahres 2020 gekürt wurde: Aus 40 Metern beförderte er den Ball hinein ins Mainzer Tor.

Dass er auf ähnliche Art schon mal in der U19 für den TSV 1860 München getroffen hatte, machte die Geschichte nochmal spannender. Denn wenn ein Spieler seine Tore selbst kopiert, spricht das dafür, dass sie kein Zufall sind, siehe all die Tore des Arjen Robben, die nach demselben Schema fielen.

Für Neuhaus war der famose Treffer am 25. Januar der Auftakt einer Rückrunde, die, wenn man später auf seine Karriere zurückschaut, möglicherweise als wegweisend beschrieben wird. Denn im zweiten Teil der Saison kam Neuhaus so richtig an im System Marco Rose, er wurde, so lobte der nun scheidende Trainer, „ein kompletterer Fußballer“.

Was Neuhaus dazu bekam, war eine gewisse Härte im Zweikampf. Ein toller Kicker war er sowieso, doch hatte er sich vor der Saison gefragt, ob seine Art des Spiels denn passen würde zum Stil des damals neuen Trainers, der einen aggressiveren Ansatz implantieren sollte als jenen, der zuvor in Gladbach üblich war. War er, Neuhaus, dafür gemacht? Im ersten Saisonteil und nach der U21-EM blieb er die Antwort noch schuldig, im zweiten stand am Ende ein Ja mit zig Ausrufezeichen.

Rose hatte sich für Neuhaus in der Winterpause eine Neuformatierung ausgedacht und setzte ihn vermehrt (und später nur noch) auf der Doppelsechs ein. Hier hat Neuhaus das Spiel vor sich und kann aus der Tiefe mit viel Eleganz und Geradlinigkeit die Kollegen einsetzen oder selbst den Weg Richtung Tor suchen. Dass er sich dabei nicht mehr so leicht aufhalten ließ als vielleicht zuvor, zeigte sein Treffer beim 4:1 gegen Union Berlin, als sich ein Berliner quasi an ihn dran hängte, Neuhaus aber nicht aufzuhalten war.

In der aktuellen Saison hat er nun nachgelegt. Aus dem etablierten Talent ist einer geworden, der eigentlich immer spielt und entsprechend auch mehr Führungsansprüche im Team wahrnimmt. Spätestens seit seinem Fabelpass im Champions League-Spiel bei Inter Mailand auf Jonas Hofmann, ist sein Name nicht nur bei Bundestrainer Joachim Löw, der ihn inzwischen zum Nationalspieler gemacht hat, sondern auch bei den Großklubs des Kontinents angekommen.

Real Madrid und der FC Bayern wollen ihn haben, heißt es, und auch Borussia Dortmund. Zudem wurde bekannt, dass Neuhaus eine Ausstiegsklausel hat und für 40 Millionen Euro in diesem Sommer zu haben ist. Und auch, dass er wohl den Gedanken hegt, die Klausel zu nutzen. Ob es so kommt und es der richtige Zeitpunkt für den 23-Jährigen wäre, der aktuell noch dabei ist, den Schritt hin zum absoluten Anführer zu machen, das wird sich erweisen.

Es gibt gute Argumente, die dafür sprechen, sich noch etwas Zeit zu lassen, um dann als unumstrittener Boss in ein, zwei Jahren den nächsten Schritt zu machen. Es gibt aber auch reichlich Argumente, die dafür sprechen, dass Neuhaus sogar Weltklubs wie Real Madrid oder die Bayern schon drauf hat.

Erst einmal kommt nun wieder Mainz. Neuhaus wird sich an sein Traumtor erinnern und natürlich wäre es frappierend, wenn ihm so etwas nun wieder gelingen würde. Inwieweit Rose in diesem Spiel rotiert, bleibt abzuwarten. Beim 3:2 im Hinspiel gehörte Neuhaus zur Fraktion derer, die eine Pause einlegen durften, am Ende aber die Sache hinbiegen mussten.

Nach Mainz stehen die großen Aufgaben an, in denen er seinen Status quo auf höchstem Niveau beweisen muss: Manchester City in der Königsklasse, RB Leipzig in der Bundesliga und dann der BVB im Pokal-Viertelfinale. Mainz ist sozusagen der Startschuss in die Phase. Und Mainz war vor gut 13 Monaten auch der Startschuss für den neuen Neuhaus.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So könnte Borussias Startelf gegen Frankfurt aussehen