Borussia Mönchengladbach: Fußball hatte bei Günter Netzer immer Priorität

Günter Netzer bei Ausstellung in der „Fohlenwelt“ : „Bei mir hatte der Fußball immer Priorität“

Die Borussia ehrt Günter Netzer mit einer eigenen Ausstellung in der „Fohlenwelt“. Dort spricht die Mönchengladbacher Vereins-Ikone über „seine“ Ausstellung und sein Leben als Fußballer und Popstar.

Günter Netzer war gerührt. Der 74-Jährige tauchte in seine eigene Lebensgeschichte ein, als er durch die Ausstellung schlenderte, die Borussia zu seinen Ehren in der „Fohlenwelt“ ausrichtet. „Aus der Tiefe des Raumes“ heißt die Schau, die bis zum 15. März 2020 zu sehen sein wird. Netzer, begleitet von seiner Frau Elvira und seiner Tochter Alana, vom Künstler Markus Lüpertz, der die Laudatio gehalten hatte bei der Eröffnungsfeier, von den früheren Teamkollegen Berti Vogts, Jupp Heynckes, Herbert Wimmer, Herbert Laumen und Rainer Bonhof, von Borussias Präsidium um Präsident Rolf Königs. Netzer sprach nachher über seine Eindrücke an einem Abend, bei dem er selbst das Zentrum war – wie zu seiner Zeit als „King vom Bökelberg“. Netzer sprach über ...

... die Ehre, die ihm zuteil wird: „Es ist überwältigend, aber ich bin auch ein wenig beschämt, weil ich mich schwer tue, derart gelobt zu werden. Von den Worten von Markus Lüpertz war ich sehr berührt und von der ganzen Darbietung begeistert. Es gab kaum einen Tag, an dem ich so beglückt nach Hause gegangen bin.“

... den Titel „Aus der Tiefe des Raumes“: „Es ist ein toller Satz von FAZ-Reporter Karl-Heinz Bohrer, der mir damit einen großen Dienst erwiesen hat. Es ist die eine Szene aus dem England-Spiel, wo ich vom Strafraum nach vorne laufe in hohem Tempo.“

... die frühere Fohlenelf: „Es war ein Gesamtwerk, in dem alle Spieler ein Teil des Erfolges waren. Ich war ein Mitglied dieser Mannschaft, wenn auch ein Wichtiges.“

... sein Popstar-Dasein: „Das habe ich immer genüsslich zur Kenntnis genommen, es hat mir ja nicht geschadet. Deswegen habe ich dagegen nicht opponiert. Es war eben alles etwas ungewöhnlich, allein wie ich umher gelaufen bin. Das fand nicht immer meine Zustimmung, das habe ich auch getan, um die Freundinnen zufrieden zu stellen. Die Autos waren aber immer meine Sache und ich hatte die Gabe, sie richtig zu fahren. Ich habe schöne Autos immer geliebt, so wie ich schöne Dinge immer geliebt habe. Die Ästhetik hat immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt.“

... Günter Netzer in der heutigen Zeit: „Ich wäre nicht so in der heutigen Zeit. Wir wären alle auch großartige Spieler, hätten uns aber anpassen müssen. Ein Leben in dem Ausmaß, wie ich es bei Borussia geführt habe, das auch mit dem Trainer Hennes Weisweiler vereinbart war, das ist einzigartig. Nur: Weisweiler war ein ganz schlauer Fuchs: Er hat mir gewisse Freiheiten gestattet, teilweise zum Leidwesen der anderen Jungs, denn die haben sie nicht gekriegt. Es gab aber eine Bedingung: Wenn du nicht vernünftig spielt, fliegst du. Das habe ich verstanden, ohne dass er es aussprechen musste.“

... die Wichtigkeit des Fußballs: „Bei mir hatte der Fußball immer Priorität, daran hat sich alles andere ausgerichtet. Die Dinge, die ich nebenher gemacht habe, waren nur möglich durch den Fußball.“

... sein aktuelles Leben: „Ich bin kein vielbeschäftigter Mann mehr, ich bin ein konsequenter Mann. Das gehört zu meinen Lebensprinzipien. Ich habe alles, was ich gemacht habe, mit einem Schlag aufgegeben. Das ist mir nicht schwer gefallen. Ich habe immer aufgehört, wenn ich das Gefühl hatte, dass es genug ist. Das war als Fußballspieler so, das war als Manager beim Hamburger SV und beim Fernsehen so.“

... seine Selbsteinwechslung im Pokalendpiel 1973: „Vieles in meinem Leben war Bestimmung. Nehmen wir meine Einwechslung beim Pokalendspiel. Wenn man einen Film dreht mit der Geschichte, sagen die Leute: So ein Kitsch. Das Faszinierende ist, dass es wirklich passiert ist.“

... das rheinische Derby, das an seinem 75. Geburtstag gespielt wird: „Das Derby war immer ein großes Spiel. Wegen der gesunden Rivalität, aber auch wegen der Rivalität zu Wolfgang Overath. Es war nicht der 1. FC Köln gegen Borussia, sondern Overath gegen Netzer. Das hat uns auf die Palme gebracht. Wir waren nur zwei Spieler dieser großartigen Mannschaften.“

... seine Gesundheit: „Es ist alles wunderbar verarbeitet, es soll nicht besser werden.“

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