Borussia Mönchengladbach: Für Christofer Heimeroth "hat eine neue Zeit begonnen"

Borussias Teammanager Heimeroth im Interview : „Für mich hat eine neue Zeit begonnen“

Christofer Heimeroth ist erstmals in einem Trainingslager reiner Teammanager. Borussias Ex-Torwart spricht über die Organisation und die Blase Profifußball.

Herr Heimeroth, es wird Ihr 13. Sommertrainingslager als Borusse, doch es wird ganz anders sein als zuvor. Bislang waren Sie als Spieler dabei, nun zum ersten Mal komplett als Teammanager.

Christofer Heimeroth Im vergangenen Jahr war es ja schon halb anders, da ich da parallel schon die Aufgaben von Steffen Korell übernommen habe. Jetzt wird es eine ganz neue Erfahrung. Ich darf oder muss nicht mehr dem Platz stehen, sondern kümmere mich nur noch um das Organisatorische.

Sie sind keiner, der ausgesprochen emotional nach außen ist. Ist es trotzdem ein komisches Gefühl in den Tagen, bevor es zum Tegernsee geht? Schließlich ist auch die Doppelzimmer-Zeit mit Tony Jantschke vorbei.

Heimeroth Die ist vorbei, das stimmt. Und ja, es ist ein komisches Gefühl. Manchmal wünsche ich mir schon noch, auf dem Trainingsplatz stehen zu können. Manchmal bin ich aber auch froh, dass es nicht mehr so ist.

Vermutlich gerade jetzt in der Vorbereitung.

Heimeroth (grinst) Genau. Aber wenn ich die Jungs da draußen auf dem Rasen sehe, würde ich schon gern mal mitmachen. Alles hat jedoch seine Zeit, und für mich hat eben nun eine neue Zeit begonnen. Und das ist auch gut so. Ich bin mir sicher, dass der Zeitpunkt der richtige war, jetzt aufzuhören.

Sie werden zum ersten Mal ein Einzelzimmer haben im Teamhotel.

Heimeroth Stimmt, auch vor der Zeit bei Borussia auf Schalke gab es immer Doppelzimmer. Das hat Vor- und Nachteile. Sicherlich ist man so mehr für sich und hat mehr Ruhe, aber der Austausch mit dem Kollegen ist auch nett in so einer Woche. Tony und ich haben uns sehr gut verstanden, es passte ausgezeichnet.

Wer wird Ihr Nachfolger? Haben Sie den selbst zugeteilt?

Heimeroth Ich bin mit dafür verantwortlich, wie die Zimmerverteilung ist. Es geht ja gerade im Sommer, wenn viele neue Spieler da sind, auch um die passende Mischung. Tony wird, denke ich, nun das Zimmer mit Christoph Kramer teilen. Die beiden haben schon im letzten halben Jahr, als ich nicht mehr dabei war, eine WG während der Auswärtsreisen gebildet.

Wie fällt Ihr Fazit des ersten halben Jahres als Teammanager aus?

Heimeroth Gut, auch wenn es teilweise viel war. Schließlich hat man als Neueinsteiger noch nicht die nötige Routine und muss sich einarbeiten. Jetzt weiß ich bei vielen Dingen, wie sie laufen, da fällt es leichter. Es macht auf jeden Fall Spaß: Ich bin nah dran am Team und am Trainerteam, zugleich habe ich aber eine neue Perspektive. Die Mischung gefällt mir.

Wenn Sie nun von außen auf die Spieler schauen, schütteln Sie manchmal den Kopf?

Heimeroth Das habe ich auch gemacht, als ich selbst noch Spieler war. Es gibt immer Situationen, in denen man sich fragt: Muss das jetzt sein? Das ist ja auch eine Altersfrage und sicherlich in jedem Lebensbereich so. Ich war am Ende doppelt so alt wie mancher Teamkollege. 17-, 18- und 19-Jährige ticken eben anders, als einer, der schon auf die 40 zugeht. Insgesamt haben wir aber eine super Truppe, die gut zusammenpasst. Jeder weiß, worauf es ankommt.

Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Heimeroth In den ersten Wochen der Saison geht es vor allem um Organisation von Abläufen. Wir haben jetzt viele U23-Spieler dabei, da müssen Nummern zugeteilt werden, dann sind da die Testspiele in Lübeck und Flensburg gewesen, Sonntag vor dem Trainingslager ist der H-Hotels Cup in Bochum, danach müssen wir reibungslos nach München kommen und von dort zum Tegernsee. Alles muss genau abgesprochen werden, auch mit den Zeugwarten. Es muss gut geplant sein und bestenfalls so aussehen, als wäre alles ganz einfach.

Für das Trainingslager sind die Abläufe sicher eingespielt. Borussia ist seit 2012 in Rottach-Egern. Da fällt die Organisation leichter, oder?

Heimeroth Das ist richtig. Man kennt die Gegebenheiten, im Hotel weiß jeder, was uns wichtig ist, das Trainingsgelände ist ausgezeichnet. Da geht es am Ende um die Justierung der Details, auch die müssen stimmen.

Ist der Teammanager-Job für Sie ein Einstieg? Können Sie sich auch vorstellen, mal Manager eines Klubs zu werden?

Heimeroth Grundsätzlich musste ich ja die Entscheidung treffen, ob ich dem Fußball treu bleibe oder etwas ganz anderes mache. Diese Entscheidung habe ich getroffen. Zur Orientierung habe ich ein Sportmanagement-Studium bei IST in Düsseldorf absolviert. Es war auch ein Thema, voll ins Torwarttrainer-Team von Uwe Kamps einzusteigen, aber dann kam die Gelegenheit, den Posten des Teammanagers zu übernehmen. Es ist, wie gesagt, mal eine neue Perspektive, als Torwarttrainer wäre ich mehr dringeblieben im Hamsterrad. Es ist spannend, etwas Neues kennenzulernen – wohin die Reise dann geht, da möchte ich mich nicht festlegen.

Ist der Job des Profifußballers ein Hamsterrad?

Heimeroth Hamsterrad klingt sehr negativ. Ich meine es eher so, dass man da irgendwie auf einer Wolke für sich ist. Das Leben eines Profispielers hat wenig mit dem normalen Leben zu tun. Das ist normal und auch in Ordnung, aber es ist auch ganz gut, mal etwas anderes kennenzulernen.

Sie gelten allerdings als sehr bodenständig. War der „normale“ Christofer Heimeroth nicht zuweilen in einer Zwickmühle, angesichts des „unnormalen“ Fußballer-Daseins?

Heimeroth Als Fußballer lebt man eben in dieser Wolke – in der es auch gar nicht schlimm ist. Aber Fußballer haben ein ganz anders Leben als alle anderen um sie herum. Man arbeitet, wenn andere frei haben, hat frei, wenn andere arbeiten, man hat andere finanzielle Möglichkeiten. Dass man daher in der Tendenz mehr mit Fußballern zu tun hat als mit anderen Menschen, liegt auf der Hand. Trotzdem war es für mich nie ein Widerspruch. Ich war ein Teil dieser Welt, hatte aber auch einen gewissen Abstand, auch wenn es nicht immer leicht war.

Jetzt als Teammanager raten Sie daher den Spielern, auch einen Blick für das normale Leben zu bewahren?

Heimeroth Es ist schwierig, wie gesagt. Alle, die man kennt, sind Fußballer. Alle haben dieselben Interessen, dieselben Sichtweisen, dieselben Möglichkeiten, da sind diese Sachen eben die Normalität. Und es ist schwer, den Jungs zu sagen, etwas anderes zu machen. Wichtig ist, sich klarzumachen, dass man sich in einer besonderen Blase befindet, dies aber nicht ewig so sein wird. Den meisten der Jungs ist das bewusst. Der Verein lebt ja auch eine gewisse Bodenständigkeit vor.

Dazu gehört Nähe zu den Fans, gerade jetzt in den Tagen am Tegernsee. Koordinieren Sie auch das?

Heimeroth Auch da muss alles passen. Die Spieler werden sich ganz sicher die Zeit für die Fans wieder nehmen, aber es darf eben auch nicht so sein, dass die ersten schon ewig lange im klimatisierten Bus sitzen und sich eine Erkältung einfangen. Auch das hat sich in den vergangenen Jahren aber gut eingespielt, und es wird auch dieses Mal so sein. Es ist toll, dass so viele Fans Borussia begleiten. Ich war vor Kurzem schon mal unten, als gerade der FC Basel da war. Da stand kein einziger Fan an der Seitenlinie. Da merkt man, was für eine Fan-Basis wir haben.

Warum ist der Tegernsee so geeignet für ein Trainingslager?

Heimeroth Die Bedingungen am Trainingsgelände und im Hotel sind optimal. Hinzu kommt die schöne Landschaft, das Bergpanorama, auch das spielt im Trainingslager eine Rolle. Eine gute Atmosphäre ist gerade im Sommertrainingslager wichtig. Es sind viele neue Spieler da, die ankommen müssen. Im Lager ist für alle die Zeit da, sich als Team miteinander zu beschäftigen.

Teamgeist ist, das hat die WM gezeigt, ein wichtiger Faktor.

Heimeroth Das sehe ich so. Ein guter Zusammenhalt kann ein Team stärker machen. Das ist aber auch nichts Neues im Fußball. Allein durch eine Woche Trainingslager erzeugt man keinen guten Teamgeist, aber es kann die optimale Basis sein.

Wird es Teambuilding-Maßnahmen geben?

Heimeroth Solche Sachen sind aus meiner Sicht oldschool, und ich fand sie auch noch nie wirklich gut. Natürlich, wenn die Jungs kommen und sagen: „Hey, wir wollen mal zusammen was machen, Rafting oder so etwas“, dann kann man schauen. Schaden tut es auch nicht. Ich glaube, dass es aber genauso viel bringt, wenn man sich abends mal auf ein Bier zusammensetzt oder am freien Tag zusammen essen geht. Miteinander reden ist immer der beste Weg, um miteinander klarzukommen.

Damit in der nächsten Saison mehr Arbeit auf Sie zukommt – wenn Europareisen organisiert werden müssen.

Heimeroth Das wäre schön.

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