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Borussia Mönchengladbach: Für Breel Emdolo läuft es im Jahr 2020 nicht

Borussias Stürmer : Embolo ist aktuell der Unvollendete

Breel Embolo verpasste gegen den BVB erneut eine große Chance für Borussia. Das passt zur aktuellen Gesamtsituation des Gladbacher Stürmers.

Das Drehbuch für die Helden-Geschichte stimmte eigentlich: Marcus Thuram, eben eingewechselt, spielte einen Gegner aus, rannte auf der rechten Seiten los in Richtung Strafraum, er schaute auf und passte punktgenau in die Mitte auf seinen Kollegen und Kumpel Breel Embolo, der ebenfalls neu im Spiel war. Der Schweizer hatte sich mit einer gewieften Bewegung viel Freiraum verschafft, so viel, dass genug Platz da war für einen koordinierten Abschluss. Doch der Versuch mit der Innenseite misslang, weil der Ball zu sehr die Hacke mittouchierte und schließlich am langen Pfosten vorbeirollte. Lars Stindl, der hinter Embolo stand, ging in die Knie und verbarg sein Gesicht in den Händen, der unglückliche Schütze raufte sich die Haare.

So blieb das letzte Detail der Geschichte vom tollen Händchen des Trainers Marco Rose, dessen Joker Thuram und Embolo stachen und so die 1:2-Niederlage verhinderten im Topspiel gegen Borussia Dortmund, unvollendet. Dieses Wort beschreibt auch die aktuelle Situation Embolos in Gladbach. Er ist im Sommer als Star-Einkauf gekommen, hat seine Verletzung in Ruhe auskuriert und schien auf dem richtigen Weg zu sein. Beim Hinrunden-Derby in Köln spielte er von Beginn an als Zehner, er war die Power-Maschine im Zentrum, der wuchtige Antreiber, zuvor hatte er in Mainz und gegen Leipzig Tore gemacht, später folgte ein Doppelpack gegen Freiburg. Embolo war ein Gesicht des neuen Wegs der Borussen.

Doch 2020 läuft es nicht bei Embolo. Seit dem Startelf-Einsatz auf Schalke beim Rückrundenauftakt, als er bei der Rückkehr zu seinem Ex-Klub unglücklich agierte, ist er nur noch Ersatz, seit sechs Spielen schon. Und wenn der Schweizer Nationalspieler seine Chance bekommt, dann geht es aus wie gegen den BVB, den ausgerechnet er, der ehemalige Schalker, extrem gerne geärgert hätte. Aber im entscheidenden Moment fehlte der Fokus auf die Situation. So war es auch eine Woche zuvor in Augsburg, als er allein auf Torhüter Tomas Koubek zulief, die Chance aber vertändelte.

Nun darf man spekulieren, was gewesen wäre, wenn es statt Embolo sein Nebenmann Lars Stindl gewesen wäre, der gegen den BVB den Ball von Thuram bekommen hätte. Stindl hat inzwischen den Job übernommen als Zehner-Neuner, je nach System, und vor allem macht Stindl Tore: zwei in Düsseldorf, zwei in Augsburg, nun eins gegen Dortmund. Da traf er aus einer ähnlichen Position, aus der Embolo nicht traf, Stindls Schuss fand dabei den Weg durch die Beine von BVB-Stürmer Erling Haaland ins Netz, das ist so, wenn ein Stürmer einen Lauf hat. Embolos Schuss ist das, was passiert, wenn ein Stürmer einen Anti-Lauf hat.

Zufrieden ist Embolo mit sich und der Situation nicht. Für einen 23-Jährigen mit seiner Power ist es ein Drahtseilakt, er muss sich fühlen wie ein Tiger, der in einen Käfig gezwängt ist. Doch Embolo muss die Situation annehmen, Forderungen zu stellen, wäre kontraproduktiv, es fehlen die Argumente. Er muss darauf hoffen, dass der nächste Moment, den er bekommt, seiner wird, dass er die nächste Chance nutzt.

Möglich ist es, dass er wegen der Englischen Woche, die nach dem Derby gegen Köln am Mittwoch (18.30 Uhr) noch das Spiel bei Eintracht Frankfurt am Sonntag (15.30 Uhr) bereit hält, in Marco Roses Plänen für eines der Spiele eine andere Rolle als nur Ersatzmann zugedacht bekommt. Darüber wurde auch in den vergangenen Wochen immer wieder spekuliert, gerade als Spiele anstanden, in denen Wucht ein Thema hätte sein können. Doch da ist eben Stindl und vor allem Stindls Lauf, und der nachhaltige Eindruck, dass Borussias Kapitän extrem bereit ist für den Moment.

Genau diese Botschaft muss auch Embolo wieder rüberbringen mit seiner Körpersprache und eben auch mit seinen Taten. Der Fußball bietet immer neue Chancen, die es dann zu nutzen gilt. Eine Geschichte, die viel Wirkung haben würde, wäre die von Embolo, dem Derby-Helden. Dass er eine wie auch immer geartete Chance bekommt am Mittwoch, ist nicht unwahrscheinlich. Dann ist es nur an ihm, die Sache endlich wieder auch zu vollenden.