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Borussia Mönchengladbach: Fredi Bobic spricht über Transfer von Luca Netz

Top-Talent auf seiner Position : Diese Aussagekraft hätte ein Transfer von Herthas Luca Netz nach Gladbach

Der erst 18-jährige Luca Netz gilt als eines der größten Talente in Deutschland. Wenn Gladbach-Manager Max Eberl diesen Transfer realisiert, stellt er damit Weichen für die Zukunft. Zudem setzt Netz bei den Spielern, die mit Borussia in Verbindung gebracht werden, einen klaren Trend fort.

Das Gerücht
Borussia soll sich mit Liga-Konkurrent Hertha BSC über einen Transfer von Linksverteidiger Luca Netz einig sein. Das berichtete die „Bild“ am Freitag. Demnach soll die Ablösesumme vier Millionen Euro betragen. Beim 4:3-Testspielsieg der Berliner gegen den FC Liverpool stand Netz am Donnerstag im Gegensatz zum Test in der Vorwoche nicht mehr im Kader.

Im Verlauf des Freitags sprach auch schon Herthas Sportgeschäftsführer Fredi Bobic über den anstehenden Transfer. „Wir haben alles versucht, ihm einen neuen Vertrag zu geben, wie es sich für einen jungen Burschen in dem Alter gehört. Wenn es am Ende so kommt, dann hat das keine sportlichen Gründe. (...) Wir haben ihm ein sehr ordentliches Angebot gemacht“, wird Bobic von der „Bild“ zitiert.

Die Situation
Luca Netz ist 18 Jahre jung und kann bereits elf Bundesligaeinsätze und 17 Länderspiele für die Junioren-Nationalmannschaften vorweisen. Unter Ex-Hertha-Trainer Bruno Labbadia feierte er im Januar sein Bundesliga-Debüt und stand im Anschluss sogar zweimal in der Startelf. Gegen den VfB Stuttgart gelang ihm im Februar ein Treffer. Zwei Monate später setzte ihn ein Mittelfußbruch außer Gefecht. Schon im Herbst 2020 war er mit der gleichen Verletzung drei Monate ausgefallen.
Auf dem Platz liegen seine Stärken vor allem in der Schnelligkeit und den Offensiv-Qualitäten, die er mitbringt. Nimmt er einmal im Dribbling Fahrt auf, ist er für seine Gegenspieler im Eins-gegen-Eins nur schwer auszurechnen. Noch verfügt er allerdings, und das ist in seinem Alter nur logisch, über keine allzu große Erfahrung im Seniorenbereich. Auf dem Platz ist das hin und wieder in seiner Zweikampfführung, vor allem defensiv, zu erkennen. Auch seine Handlungsschnelligkeit kann er noch verbessern.

In Deutschland gehört Netz zu den Top-Talenten des 2003er-Jahrgangs. Im vergangenen Jahr wurde er hinter Torben Rhein (FC Bayern München) und Florian Wirtz (Bayer 04 Leverkusen) mit der Fritz-Walter-Medaille in Bronze ausgezeichnet. Sein Marktwert wird vom Portal „transfermarkt.de“ aktuell auf fünf Millionen Euro geschätzt. Die Tendenz: steigend. Auch mit dem FC Bayern wurde der gebürtige Berliner in den vergangenen Monaten in Verbindung gebracht.

In Marvin Plattenhardt und Maximilian Mittelstädt hat Netz, der seit seinem siebten Lebensjahr ein Herthaner ist, in Berlin zwei starke und erfahrene Konkurrenten auf der linken Seite vor sich. Das soll der Hauptgrund für seine Wechselabsicht sein.

Einschätzung der RP-Reporterin
Starke Linksverteidiger, davon kann der ehemalige Bundestrainer Joachim Löw ein Lied singen, sind in Deutschland rar. Netz ist einer der Spieler, denen man auf dieser Position eine große Zukunft voraussagt. Bei Borussia ist Ramy Bensebaini zwar gesetzt, doch er braucht, das zeigt auch seine aktuelle Muskelverletzung, regelmäßig seine Pausen. Bei Borussia wäre Netz also gleich die Nummer zwei und könnte auch in einer Fünferkette, wenn Bensebaini in die Mitte rückt, als Flügelverteidiger zum Einsatz kommen.

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Ein Wechsel Netz‘ würde darüber hinaus zeigen, dass sich Borussia auf einen möglichen Bensebaini-Abgang, der spätestens im kommenden Jahr, wenn sein Vertrag nur noch ein Jahr läuft, Realität werden könnte, vorbereiten will. Und: Netz hätte einige Monate Zeit, sich zu beweisen und an Borussia zu gewöhnen, fernab vom eigenen „Stall“ in Berlin, wo der Erwartungsdruck ohnehin groß ist. Anfang 2022, wenn Bensebaini voraussichtlich mehrere Wochen lang mit Algerien am Afrika-Cup teilnimmt, könnte Netz dann seine große Chance unter Trainer Adi Hütter bekommen.

Bei den Spielern, die zuletzt mit Borussia in Verbindung gebracht wurden, ist mittlerweile ein eindeutiges Muster zu erkennen: Innenverteidiger William Pacho, Linksverteidiger Faitout Maouassa und Flügelspieler Romain Faivre – bei allen ist der linke Fuß der stärkere. Darauf haben sich Eberl und sein Scoutingteam um Steffen Korell in dieser Transferphase fokussiert. Mit Ramy Bensebaini, Laszlo Bénes und Hannes Wolf hat Borussia derzeit nur drei Linksfüßer im Kader, die für die Startelf infrage kommen. Die Verjüngung des Kaders, die mit den Abgängen von Oscar Wendt (35), Ibrahima Traoré (33), Max Grün (34), Michael Lang (30) und der Verpflichtung des 20-Jährigen Manu Koné vorangetrieben wurde, würde der Klub zudem weiter fortsetzen.

Bei der spekulierten Ablösesumme für Netz ist das Risiko überschaubar, zumal Borussia eine solche Summe bereits für Spieler ausgegeben hat, bei denen der weitere Werdegang schwerer zu prognostizieren war, siehe Andreas Poulsen. Für den Linksfuß, der seit 2018 erfolglos versucht, sich bei Borussia zu etablieren, wäre eine Netz-Verpflichtung ein Signal, dass der Klub ihm den Durchbruch in Gladbach eher nicht zutraut. Er könnte dann erneut verliehen oder gar verkauft werden. Sein Vertrag läuft noch bis 2023.