Borussia Mönchengladbach: Fohlenelf muss eine Reaktion zeigen

0:3 gegen Hertha: Gladbach muss gute Antwort auf erste Heimpleite geben

Wie im Hinspiel hat Pal Dardai Borussia entschlüsselt, Hertha machte mehr richtig als die Borussen beim 3:0-Sieg im Borussia-Park. Für die Gladbach geht es nun darum, eine gute Antwort auf die ersten Heimniederlage der Saison zu geben.

Davie Selke rieb sich zufrieden die Hände, als er nach getaner Arbeit vom Platz in die Kabine wanderte. Der Stürmer von Hertha BSC war der entscheidende Mann beim Sieg seines Teams im Borussia-Park, er bereitete das 2:0 vor und erzielte das 3:0 selbst. Die Borussen standen der Tatsache staunend gegenüber, dass der lange Kerl so schnell ist wie beim Sprint gegen Matthias Ginter vor dem zweiten Tor.

So gab es die zweite verdiente Niederlage gegen die Berliner in dieser Saison. Berlin machte, wie beim 4:2 im Hinspiel, einfach mehr richtig als die Borussen. Pal Dardai hat Dieter Heckings Borussia entschlüsselt. Den Berlinern gelang es, nachdem sie in der Anfangsphase vor allem wegen der Nachlässigkeit der Borussen vor dem Tor gegentorlos geblieben waren, die Stärken der Gladbacher zu absorbieren: Die engmaschigen Viererketten ließen keine der für die Borussen wichtigen Pressing-Situationen zu, das raubte den Borussen die Geduld, die in den vergangenen Spielen so hilfreich war, „Wir haben unsere Ruhe und Struktur verloren“, gestand Manager Max Eberl. Das nutzten Selke, Salomon Kalou und Ondrej Duda mehr und mehr für gefährliche Konter.

Im Hinspiel hatten die Berliner die neuralgischen Stellen des 4-3-3-System in der Defensive enttarnt, nun legte Hertha den Gladbacher Offensivansatz lahm nach der 1:0-Führung. Borussia war spürbar bemüht, doch waren die Versuche weitgehend wirkungslos. Berlin liegt Gladbach in dieser Saison nicht. So gesehen ist es gut, dass es in dieser keine weiteren Treffen mehr geben wird mit den Berlinern. „Mund abwischen und weitermachen“, riet Torwart Yann Sommer den Borussen und merkte an, dass ein Spiel keine Krise macht – zu Recht.

Es wäre überzogen und fatal, nach einer Niederlage alles infrage zu stellen. Borussia darf weiter selbstbewusst sein. Gleichwohl: Das 0:3 gegen Hertha kam überraschend nach dem sehr erwachsenen 2:0 auf Schalke. Inwieweit Meister-Debatten und der mögliche Heimrekord die Nerven der Borussen anders als sonst angegriffen haben, sei dahingestellt.

Doch Hertha ist für diese Saison vorbei. Es geht nun darum, die richtigen Schlüsse aus dem Erlebnis zu ziehen. Lars Stindl monierte, dass wie gegen Augsburg und auf Schalke zu viele Chancen anfangs nicht genutzt wurden. Dass das auch mal bestraft wird, muss einkalkuliert werden. Borussia muss wieder konsequenter werden vor dem Tor.

Was wichtig ist: Die richtigen Antworten auf Rückschläge zu finden. Das ist bis dato in dieser Saison gut gelungen. Den vier verlorenen Liga-Partien folgte jeweils ein Sieg, nur einmal gab es zwei Niederlagen in Folge: nach dem 1:3 in Freiburg verlor Gladbach im Pokal 0:5 gegen Leverkusen. Dann aber gab es in der Liga drei Siege.

Es gibt indes ein Aber: In der Hinrunde ging es jeweils darum, auf Auswärtsniederlagen zu reagieren, nun gilt es, die erste Heimpleite aufzuarbeiten. Das 0:3 gegen Hertha ist das erste echte Minus der Bundesliga-Saison, so sagt es die Hans-Meyer-Tabelle, die Heim- und Auswärtsspiele gegenrechnet. Bisher war Borussias Konto mit 15 Punkten im Plus, jetzt sind es noch zwölf. Es bliebt eine starke Bilanz, allein gilt es nun, verlorene Punkte zurückzuholen.

Das 0:3 gegen Berlin ist im neuen Jahr die erste ernüchternde Erfahrung nach dem perfekten Rückrundenstart. Es ist jetzt an den Borussen zu zeigen, dass sie mit Rückschlägen umgehen können und eine gute Antwort auf die erste Heimpleite zu geben. Erfolg funktioniert im Fußball auch nach dem Reiz-Reaktions-Prinzip. Wie schwer die Niederlage wirkt, ist eine Frage der Reaktion.

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