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Borussia Mönchengladbach: Florian Neuhaus kann 41. Nationalspieler werden

41. Gladbach-Profi im DFB-Team? : Neuhaus vor dem logischen nächsten Schritt

Florian Neuhaus könnte seinem kontinuierlichen Aufstieg am Donnerstagabend mit dem Nationalelf-Debüt krönen. Auf seiner Position konkurriert er unter anderem mit einem Weltklasse-Spieler, als dessen potenzieller Nachfolger er bereits bezeichnet wurde.

2016: Profidebüt. 2017: Wechsel zu Borussia, Leihe nach Düsseldorf. 2018: Bundesliga-Aufstieg mit Fortuna, Bundesliga-Debüt in Gladbach. 2019: EM-Endspiel mit der deutschen U21, Europacup-Premiere. 2020: Champions-League-Quali mit Borussia. Sollte Florian Neuhaus am Donnerstagabend die nächste Stufe in seiner Bilderbuch-Karriere erreichen, wäre das nur konsequent. Die deutsche Nationalmannschaft trifft in Stuttgart auf Spanien, Auftakt der Nations League – und Neuhaus ist erstmals mit dabei.

„Ich freue mich auf beide Partien – und über jede Einsatzminute, falls es so kommen sollte“, sagt der Mittelfeldspieler. Dass er das unglückliche Schicksal jener Profis erleidet, die zwar nominiert werden, auf der Bank Platz nehmen dürfen, aber letztlich nie fürs DFB-Team auflaufen, ist nicht zu befürchten.

Weltmeister und Weltfußballer Lothar Matthäus verglich ihn bereits mit Toni Kroos, der unter Joachim Löw einen Status genießt, von dem Neuhaus derzeit nur träumen kann. Der Sechser von Real Madrid verriet jüngst, dass ihn der Bundestrainer gar nicht mehr anrufe, wenn Länderspiele anstehen, er komme einfach vorbei.

Für Neuhaus war das erste Telefonat mit Löw zuletzt dagegen ein Moment, den er so schnell nicht vergessen wird. „Als mein Handy klingelte, kam mir relativ schnell der Gedanke, dass es Joachim Löw sein könnte. Denn von ein paar Jungs aus Gladbach wusste ich einige Zahlen seiner Handynummer – und als ich die Zahlen auf dem Display sah, war die Übereinstimmung sehr groß“, erzählte Neuhaus. Demnächst dürfte statt der Nummer dann der Name „Joachim Löw“ auf dem Display erscheinen, für eine Wiederholung schuftet der ehemalige Münchner Löwe in dieser Woche.

Wobei Schuften ein Wort ist, das den meisten Experten nicht zuerst in den Sinn kommen dürfte, wenn es um Neuhaus geht. Er ist einer, der eher elegant über den Rasen kurvt, sich mit wie ohne Ball durch die Linien des Gegners windet und sich scheinbar mit Leichtigkeit aus den kniffligsten Pressingsituationen befreit.

Als Marco Rose vor gut einem Jahr den Dienst in Gladbach antrat, ließ Neuhaus im Interview mit unserer Redaktion mit der Aussage aufhorchen, dass der Ansatz des Trainers gar nicht so gut zu ihm passe. Doch er sah das vor allem als nötige Herausforderung, um sich weiterzuentwickeln.

In der Hinrunde gelang es Neuhaus, der nach einem kurzen Urlaub aufgrund der U21-EM auch nicht immer die nötige Energie hatte, mit Abstrichen. In der Rückrunde wurde er dann einer der Schlüssel-Borussen auf dem Weg in die Champions League. Als Sechser-Achter-Hybrid hat Neuhaus seine Rolle im Rose-System gefunden. „Ein persönliches Ziel ist, bei den Scorerwerten noch zuzulegen“, formuliert er, was noch besser werden soll. „Es schadet nicht, wenn man auch von der Sechs heraus Treffer vorbereitet oder eine gewisse Torgefahr ausstrahlt.“ Sein Durchtank-Tor gegen Union Berlin im Juni zeigte, wie das aussehen kann.

Derartige Qualitäten dürfte auch der Bundestrainer schätzen. Er hat Flick-, Tuchel-, Guardiola-, Zidane-, Nagelsmann- und Favre-Schüler auf wichtigen Positionen in seinem Team, in Neuhaus kommt neben Matthias Ginter nun ein weiterer Rose-Schüler dazu. Der will Neuhaus indes nicht als „seinen“ ersten deutschen Nationalspieler bezeichnen, sollte es am Donnerstag oder Sonntag mit dem Debüt klappen.

„Friedhelm Funkel hat einen großen Anteil, weil er ein Jahr unter ihm in Düsseldorf gespielt hat. Dieter Hecking hatte ihn hier in Gladbach. In München ist er sehr gut von den Jugendtrainern ausgebildet worden“, betont Rose. Dennoch seien sie stolz auf ihn in Gladbach und würden die Nominierung auch als Wertschätzung ihrer Arbeit sehen.

Der Weg, den Neuhaus in den vergangenen vier Jahren zurückgelegt hat, war ein sehr geradliniger – geradlinig nach oben. Sollte er gegen Spanien und gegen die Schweiz zum 41. deutschen Nationalspieler von Borussia werden, wäre es der logische nächste Schritt. Vor ihm war Gladbach-Kapitän Lars Stindl das letzte Fohlen, das beim DFB debütierte.