Borussia Mönchengladbach: Florian Neuhaus ist wieder heiß auf Fußball

Urlaub für Borussia abgebrochen : Neuhaus ist heiß auf den nächsten Schritt

Florian Neuhaus freut sich auf das neue System der Borussia. Der U21-Nationalspieler ist zwei Wochen nach dem EM-Finale mit Gladbach ins Trainingslager gereist. Er sieht für sich vor allem Chancen im Ansatz des neuen Trainers.

Florian Neuhaus war nur Zuschauer. Als sich seine Kollegen von Borussia Mönchengladbach mit 1860 München und dem FC Augsburg in Heimstetten um den Sieg beim Turnier stritten, stand sein Name nicht auf dem Spielbogen. Schließlich war Neuhaus, 22, gerade erst zum Team gestoßen, nachdem er sich ein wenig erholt hatte von den Strapazen der U21-Europameisterschaft in Italien und San Marino. Bis ins Finale gegen Spanien (1:2) ging es für ihn und das DFB-Team, im Endspiel jedoch durfte er zunächst nicht spielen, trotz guter Leistungen zuvor. Auch das sei eine Erfahrung gewesen, die einen Spieler voranbringt, berichtete Neuhaus nun im Trainingslager der Gladbacher in Rottach-Egern. Auch wenn sie nicht schön war.

Vor einem Jahr hatte er ebenfalls auf dem Schemel im Pavillon des Teamhotels gesessen, in dem während der Trainingslager der Gladbacher die Pressegespräche stattfinden. Da war er noch ein Newcomer, der gerade sein Leih- und Lehrjahr beim damaligen Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf beendet hatte. Gladbachs Manager Max Eberl hatte ihn von 1860 München an den Niederrhein geholt und dann weitergegeben an Fortuna.

Nun saß da ein Neuhaus, der ein wichtiges Jahr weiter ist und viel Selbstvertrauen ausstrahlt. 32 Einsätze in der Bundesliga plus zwei im DFB-Pokal, vier Tore und zehn Vorlagen kamen zusammen. Neuhaus verblüffte vor allem im ersten Saisonteil mit der Leichtigkeit seines Spiels. In der Rückrunde tat er sich etwas schwerer. Doch nun will er die nächste Entwicklungsstufe erreichen. „Ich habe in der vergangenen Saison sehr viele Spiele gemacht, dazu beigetragen, dass wir uns für die Europa League qualifizieren konnten. Jetzt ist der nächste Schritt, auf und außerhalb des Platzes mehr Verantwortung zu übernehmen“, sagte Neuhaus.

Dass es möglicherweise andere Klubs gibt, die ihn haben wollten nach seiner starken Bundesliga-Debüt-Saison, das habe ihn nicht interessiert, sagte er. „Ich bin nicht heiß darauf, zu wechseln“, stellte Neuhaus klar. Er will den nächsten Schritt machen, und zwar bei Borussia. „Ich freue mich auf meine ersten Europapokalspiele und auf die neue Saison“, sagte Neuhaus. Er sagt Sätze wie diese ruhig und geflissentlich, wohl überlegt, ist kein Schlagzeilenproduzent, sondern ein Profi, der genau weiß, was er will und wohin es gehen soll.

Dass er in den Planungen des neuen Gladbacher Trainers Marco Rose eine große Rolle spielt, ist anzunehmen. Neuhaus ist einer der Spieler, die ein natürliches Gespür für das Spiel und seine Umstände haben, er kann den Ball aus dem Nichts schnell machen und ist zudem torgefährlich. Er ist ein sehr eleganter Spieler, einer, der in seinem Spiel so viel Dynamik hat, dass er das Geschehen auf dem Platz damit lenken kann. Neuhaus kennt die Wege, die nötig sind, sein Spiel hat die Tiefe, die sich Rose für Borussia wünscht.

„Wir wollen aktiver pressen, hohe Ballgewinne haben und dann möglichst schnell zum Torabschluss kommen. Es wird das erste Mal sein, dass ich in so einem Spielstil zum Einsatz komme. Ich freue mich auf die Aufgabe, weil ich viele Chancen in diesem Ansatz sehe, mich auch persönlich weiterzuentwickeln“, sagte Neuhaus.

Im 4-3-3 von Ex-Trainer Dieter Hecking war er in der vergangenen Saison meist mit Jonas Hofmann für das Pressing zuständig, auch in der U21 bei Stefan Kuntz gehörte das zu seinen Aufgaben, auch da als Achter im 4-3-3-System. Möglich, dass er in Roses Rauten-Taktik eine Zehn ist, der Mann hinter den Spitzen. Da hat er auch gespielt, als Hecking in der Vorsaison auf ein 3-5-2-System umgestellt hatte. „Im Zentrum fühle ich mich am wohlsten, alles andere wird sich im Laufe der Vorbereitung herauskristallisieren“, sagte Neuhaus.

Die Mischung aus Pressing-Momenten und Spielkultur, die das junge deutsche Team auf dem Weg ins Endspiel gegen Spanien (0:1) ausgezeichnet hat, ist in etwa das, was auch Rose in Gladbach sehen will. Somit ist Neuhaus bestens vorbereitet. Viel Urlaub hat er nicht gehabt, zwei Wochen nach dem EM-Finale ist er schon wieder beim Klub. „In der Vorbereitung auf eine neue Saison gehört das Trainingslager dazu, deswegen wollte ich unbedingt bei der Mannschaft sein, mit ihr auf dem Platz stehen und die Abläufe außerhalb mitbekommen“, sagte Neuhaus.

Er weiß vor allem, dass die Konkurrenz groß ist. 2018 hat er, der Newcomer, anderen, die wegen Nationalmannschafts-Aufgaben später kamen, Denis Zakaria und Michael Cuisance, überholt. Beide hatten in der Spielzeit zuvor als Neulinge groß aufgespielt und kamen im zweiten Jahr in Gladbach wieder auf dem Boden der Tatsachen an. So etwas soll Neuhaus nicht passieren. Dass diese für ihn komplizierter werden könnte, als die erste, weiß er. „Es wird sich ein bisschen was verändern für mich, man wird mehr auf mich schauen, ich werde mehr im Fokus sein. Aber damit beschäftige ich mich aktuell noch nicht. Ich bin wieder heiß auf Fußball“, sagte Neuhaus.