Borussia Mönchengladbach: Florian Neuhaus in der virtuellen Startelf

Starke Vorbereitung : Neuhaus steht in Borussias gedanklicher Startelf

Trainer Dieter Hecking ist äußerst angetan vom Start, den Florian Neuhaus bei Borussia hingelegt hat. Der 21-Jährige geht in seine erste Bundesliga-Saison nach dem überaus erfolgreichen Zweitliga-Jahr bei Fortuna Düsseldorf.

Florian Neuhaus sagt, die Frage habe er sich nie gestellt. Doch es wäre schon verständlich gewesen, wenn er im Mai – irgendwann zwischen Aufstieg mit und Abschied von Fortuna Düsseldorf – ins Grübeln gekommen wäre, wo genau sein Platz bei Borussia Mönchengladbach in der Saison 2018/2019 sein soll. „Ich sehe mich als Achter oder als Zehner“, sagt er. Im typischen Gladbacher 4-4-2 ohne echte Mittelstürmer gab es jahrelang eine Doppelsechs mit einem offensiveren Part und einem defensiveren. Am ehesten hätte Neuhaus ein Lars-Stindl-Ersatz als Neuneinhalb werden können, der Kapitän und Schlüsselspieler wird den Saisonstart verletzt verpassen. Doch danach will er wieder genau das sein: Kapitän und Schlüsselspieler.

Einer der Neuen bei Borussia hat Neuhaus zu Beginn der Vorbereitung allerdings den Weg geebnet in die Reihe der Gewinner des Monats Juli. Es ist kein Neuer aus Fleisch und Blut, sondern einer aus Zahlen: das 4-3-3. „Als ich hierher kam, war relativ schnell klar, dass es ein anderes System geben wird. Und das ist eines, das mir entgegenkommt“, sagt Neuhaus. In den bisherigen Testspiel hat er überzeugt, beim 2:1 gegen Augsburg bereitete er Jonas Hofmanns Siegtor vor, beim 0:1 gegen Ingolstadt wirkte seine Einwechslung belebend.

An den ersten Startelf-Einsatz im DFB-Pokal-Spiel am 19. August beim BSC Hastedt will Neuhaus noch nicht denken. Während der Leihsaison bei Fortuna – geholt hatte ihn Gladbach 2017 ablösefrei von 1860 München – hat er sich voll auf die 2. Bundesliga konzentriert, in der Vorbereitung liegt sein Fokus nur auf Borussia. „Man will erstmal fit werden, die Abläufe im neuen System reinbekommen“, sagt Neuhaus. „Die Frage, ob ich am ersten Spieltag von Beginn an auflaufe, werde ich mir dann später stellen.“ Der 21-Jährige ist, je nach Sichtweise, in Borussias Kader der Etablierteste der Unetablierten oder der Unetablierteste der Etablierten. Eine komplette Zweitligasaison mit 27 Einsätzen und sechs Toren hat Neuhaus hinter sich, in der Zeit debütierte er in der deutschen U 21-Nationalmannschaft, für die er bislang sechs Spiele machte und einmal traf.

„Es heißt immer, die Zweite Liga sei ein ‚Stahlbad’. Der Spruch trifft es ganz gut“, sagt Neuhaus. Während im Unterhaus mehr lange Bälle gespielt würden und dann auf den zweiten Ball gegangen werde, sei das technische Niveau in der Bundesliga höher und das Spiel taktischer geprägt. „Aber ich denke, der Fußball passt besser zu meiner Spielweise“, sagt er über die ersten Erfahrungen bei Borussia.

Trainer Dieter Hecking ist alles andere als überrascht vom Auftreten des 1,82-Meter-Mannes, der größer aussieht, weil er eher schlaksig daherkommt – wenngleich Neuhaus im letzten halben Jahr körperlich schon zugelegt hat. „Wir wussten, was wir bekommen“, sagt Hecking. „In jedem Training gibt er 100 Prozent, läuft dabei mit Abstand am meisten – und auch noch intelligent. Er hat eine gute Duftmarke gesetzt.“

So wie Youngster Jordan Beyer aufgrund des Ausfalls von Michael Lang derzeit hinten rechts in der virtuellen Startelf fürs erste Pflichtspiel steht, hätte Neuhaus wohl auf einer der beiden Halbpositionen im Mittelfeld die Nase vorn. Laszlo Bénes ist verletzt, Stindl ebenso, am Donnerstag lernt er in Michael Cuisance einen ernstzunehmenden Herausforderer kennen. „Ob ich jetzt einer der Gewinner der Vorbereitung bin, sollen andere beurteilen“, sagt Neuhaus in der typischen, aber verständlichen Art eines Jungprofis heutzutage, kündigt aber an, „in jedem Training und jedem Spiel Gas zu geben“.

Wer ihm zuhört, spürt eine gewisse Reife. Neuhaus selbst sagt, das erste Jahr fernab der bayerischen Heimat habe ihm geholfen. In Düsseldorf ist er außerdem mit der Tochter des Fortuna-Masseurs zusammengekommen. 2017/2018 hätte wirklich kaum besser laufen können für Neuhaus, und 2018/2019 hat richtig gut angefangen.

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