Borussia Mönchengladbach: Florian Neuhaus im Interview

Borussias Florian Neuhaus : „Roses Stil passt eigentlich gar nicht so gut zu mir“

Borussias Mittelfeldspieler Florian Neuhaus spricht über das Interesse von AC Mailand und den neuen Ansatz von Marco Rose. Der 22-Jährige möchte unter dem neuen Trainer ein kompletterer Spieler werden.

Herr Neuhaus, was halten Sie von Paolo Maldini?

Neuhaus (lacht) Dass er mich gelobt hat, habe ich mitbekommen, aber auch nur aus der Presse. Das ist aber aktuell gar kein Thema für mich. Ich bin bei Borussia Mönchengladbach und freue mich auf die neue Saison. Wir haben hier einen ganz neuen, vielversprechenden Ansatz. Aber es ist natürlich schön, wenn jemand wie Paolo Maldini was Positives über mich sagt.

Tut Ihnen diese Wertschätzung gut?

Neuhaus Natürlich, so etwas ist immer schön. Aber wichtiger ist mir die Wertschätzung von Marco Rose und Max Eberl. Und die spüre ich. Jeder, der mich kennt, weiß, dass Borussia für mich an oberster Stelle steht, ich fühle mich hier total wohl.

Für Borussia wird das schwierig sein, da sie bald den Vertrag verlängern wollen wird, weil Ihrer nur noch bis 2021 läuft. Bei Thorgan Hazard hat der Klub ja festgestellt, dass der Verkaufs-Druck groß ist, wenn ein Kontrakt nur noch ein Jahr lang läuft.

Neuhaus Ich habe gerade meine erste Bundesliga-Saison hinter mir und nun gilt es für mich, den nächsten Schritt zu machen unter Marco Rose.  Er hat eine Philosophie, von der ich sehr angetan bin. Ich freue mich darauf, will davon lernen und ein kompletterer Spieler werden. Deswegen ist die Vertragssituation gar nicht in meinem Kopf.

Wie schwer ist es, den neuen Spielansatz in den Kopf zu kriegen?

Neuhaus Jetzt sind wir viel aktiver und aggressiver. Aber natürlich braucht es, bis die Abstände passen und vor allem, bis wir alle in die gleiche Richtung denken. Wir arbeiten jeden Tag hart daran, dass wir das schnell hinbekommen. Ich bin überzeugt, dass wir uns von Spiel zu Spiel weiterentwickeln werden.

Wie weit sehen Sie sich persönlich?

Neuhaus Das Schöne am Fußball ist, dass immer noch Luft nach oben ist, so ist es auch bei mir. Grundsätzlich spüre ich, dass ich auf einem sehr guten Weg bin. Ich bin nun zwischen der Achter- und Zehner-Position gependelt. Der Trainer wird entscheiden, was für unser Spiel das Beste ist.

Es wird viel über das Pressing gesprochen, wie Sie es nun auch machen. Aber unserer Meinung nach waren fußballerische Defizite das größte Problem gegen Schalke. Dabei war das immer Borussias Stärke. Liegt das am Fokus auf dem Neuen?

Neuhaus Das ist ja ein Stück weit die Idee. Der Trainer spricht aber auch über andere wichtige Momente und Situationen in unserem Spiel. Pressing ist dabei natürlich ein wichtiger Bestandteil und gegen Schalke hat man gesehen, dass wir gerade dort noch zulegen müssen.

Finden Sie?

Neuhaus Es gab einen hohen Ballgewinn bei der Chance von Alassane Plea, aber ansonsten hatten wir kaum die klassischen Pressing-Momente. Auch fußballerisch ist aber noch Luft nach oben. Wir nehmen das sehr ernst, sprechen gerade aber auch erst über den ersten Spieltag.

Ist der Zustand des Teams einer, mit dem man zufrieden sein und sagen kann, dass er normal für diesen Zeitpunkt ist oder hätten Sie sich und die Mannschaft schon gerne weiter gesehen?

Neuhaus Ja, ich denke, das ist ganz normal. Wir wollen und werden natürlich bessere Leistungen zeigen und uns weiterentwickeln.

Sie sind nach der U21-EM frühzeitig aus dem Urlaub gekommen. Hätte Ihnen eine Woche mehr vielleicht doch nicht gut getan?

Neuhaus Ich war wahnsinnig froh über die zwei Wochen Urlaub, wollte dann aber ins Training einsteigen. Ich habe mich fit gefühlt und wollte nicht so viel an Fitness verlieren. In erster Linie bin ich aber heiß auf die neue Saison und wollte schnellstmöglich wieder angreifen.

Wie wichtig ist es für Sie, dass sich Borussia auf ihre Defensive verlassen kann? In beiden Pflichtspielen blieb das Team ohne Gegentor.

Neuhaus Wir sind defensiv stabil, was man auch wieder auf das Pressing zurückführen kann. Wenn wir vorne anlaufen und die Gegner dadurch nur lange Bälle spielen, ist das natürlich leichter zu verteidigen als wenn wir passiv hinten drin stehen und der Gegner uns laufen lässt. Alle gehören zur Verteidigung, die Stürmer müssen richtig anlaufen, die Raute im richtigen Moment mitmachen und die Abwehrreihe muss auch wissen, wann wir pressen. Und genauso müssen die Verteidiger heutzutage mit Fußballspielen.

Sie wirken, als gehen Sie richtig auf, wenn Sie über Taktik sprechen. Begeistert Sie die Theorie des Fußballs?

Neuhaus Ich liebe Fußball, ich bin sehr interessiert an dem Sport, gucke viel im Fernsehen. Ich bin mit Fußball aufgewachsen, er ist sehr spannend. Auch Taktiken und Videoanalyse finde ich toll, und der Ansatz von Marco Rose ist ein sehr guter meiner Meinung nach, auch wenn er eigentlich gar nicht so gut zu mir passt. Aber ich sehe das als Chance, um mich als Spieler weiterzuentwickeln.

Machen Sie etwas anders, um bei Ihren Defiziten aufzuholen?

Neuhaus Wir haben Pläne von unseren Fitnesstrainern bekommen, und die setze ich um. Das Training ist jetzt ein ganz anderes, wir sprinten viel mehr und arbeiten entsprechend deutlich mehr an der Schnellkraft. Das hatten wir in den vergangenen Jahren nicht in dem Umfang und das kommt mir zugute. Man wird da noch keine Ergebnisse sehen können, aber ich lasse mich zu 100 Prozent darauf ein und bin gespannt, was passiert.

Es gab auch kritische Stimmen, die sagten, dass die Mannschaft den Stil gar nicht umsetzen könne, weil sie ein fußballerisch geprägtes Team.

Neuhaus Ich denke, dass das eine das andere nicht ausschließt. Und auch der Trainer hat schon oft betont, dass ihm das wichtig ist und es ihm nicht nur ums Pressing geht.

Nicht nur Paolo Maldini schwärmt von Ihnen, sondern nach wie vor auch Friedhelm Funkel. Auf die Frage, welchen Spieler er von Borussia, dem 1. FC Köln oder Bayer Leverkusen haben wollen würde, nannte er Sie.

Neuhaus (lacht) Das freut mich natürlich. Ich habe noch Kontakt zu vielen Spielern von Fortuna, ich habe mich auch für Sie gefreut, als sie nun in Bremen gewonnen haben. Ich hatte in Düsseldorf eine tolle und erfolgreiche Zeit, die mit dem Aufstieg in die Bundesliga gekrönt wurde. Ich konnte viel aus dem Jahr mitnehmen. Es ist schön, wenn man auch im Nachhinein noch so wertschätzend miteinander umgeht. Friedhelm Funkel hat mich in meinem wichtigen Zweitligajahr sehr unterstützt und unter Dieter Hecking habe ich mich in der vergangenen Saison zum Stammspieler entwickelt. Das werde ich beiden nie vergessen.

Laszlo Bénes ist auch ein halbes Jahr in die Zweite Liga gegangen, er hat in Kiel gespielt. Wie hilfreich ist das für einen jungen Spieler?

Neuhaus Er hat viel Spielpraxis sammeln können, das hat ihm gut getan, er kam auch mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein zurück. Das ist unheimlich wichtig für einen jungen Spieler. Er hat es in der Vorbereitung und gegen Schalke sehr gut gemacht, und ich denke, dass die Ausleihe auch bei ihm eine gute Sache gewesen ist.

In den vergangenen zwei Jahren hatten Sie fußballerisch viele erste Male. Zweite Liga mit Fortuna, Bundesliga mit Borussia, das erste internationale Turnier bei der U21-EM. Nun kommt die Europa League …

Neuhaus Die vergangenen zwei Jahre waren für mich schon erfolgreich. Die Europa League wird das nächste Highlight, darauf freue ich mich. Das ging alles sehr schnell, aber ich denke, ich konnte das gut verarbeiten, da es irgendwie ein ganz natürlicher Prozess in meiner Entwicklung war.

Der nächste Schritt wäre die Champions League in der Saison 2020.

Neuhaus (lacht) Dazu würde ich sicher nicht ‚Nein‘ sagen. Jeder Spieler will möglichst erfolgreich sein, das wäre man, wenn man in der Champions League spielt. Und auch jeder Fan würde sich sicher wünschen, wenn wir dort wieder dabei wären. Das wäre etwas Besonderes. Aber erstmal zählt das Hier und Jetzt.

Vorher steht 2020 die Europameisterschaft an. Sie sollen im Blickfeld von Bundestrainer Joachim Löw sein, gab es mal Kontakt?

Neuhaus Nein, das ist für mich auch Zukunftsmusik, für mich zählt, nun hier in Mönchengladbach gute Leistungen zu zeigen. Und dann lasse ich mich mal überraschen. Aber es gibt im nächsten Jahr auch noch das Olympische Turnier in Tokio, da dürfte ich in meinem Alter auch noch spielen, das ist auch ein Ziel von mir.

Dafür müssen Sie gute Leistungen im Verein zeigen. Gegen Schalke haben wir Sie nicht so stark gesehen …

Neuhaus Da gebe ich Ihnen Recht. Es fehlt sicherlich noch ein Stück. Von meiner Grundeinstellung und Bereitschaft war es sicherlich in Ordnung, aber ich habe in einigen Bereichen noch Luft nach oben. Ich kann das realistisch einschätzen.

Mit Mainz 05 treffen Sie nun auf einen Gegner, der nicht in der Findungsphase ist, sondern mit einer eingespielten Taktik auftritt.

Neuhaus Wir wissen, was uns dort erwartet, das wird ein unangenehmes Spiel. Sie werden wahrscheinlich in ihrem gewohnten System agieren, sie haben oft mit der Raute im Mittelfeld gespielt. Wir wollen fußballerisch besser auftreten, aber im Vordergrund stehen die drei Punkte, die wir unbedingt holen wollen.

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