Borussia Mönchengladbach: Florian Neuhaus entschied sich gegen den FC Bayern

„Habe meine Wahl nie bereut!“ : Darum entschied sich Neuhaus gegen den FC Bayern

Gladbachs Mittelfeldspieler Florian Neuhaus entschied sich mit zehn Jahren für 1860 München. Jetzt spielt er erstmals als Profi gegen die Bayern, den Klub, deren Fan sein Vater ist.

Wer weiß, was heute wäre, wenn sich Florian Neuhaus im zarten Alter von zehn Jahren entschieden hätte, ein „Roter“ zu werden. Vielleicht würde er für die Bayern spielen und nicht mit Borussia bei den Bayern. Denn der FC Bayern wollte ihn haben, den kleinen Knirps mit dem großen Talent, und sein Vater wäre auch stolz gewesen, schließlich ist er Bayern-Fan. Doch als die erste große Karriereentscheidung anstand, stellte der Senior sein Bayern-Herz hinten an und die Familie Neuhaus entschied: Florian wird ein „Blauer“. Er heuerte bei 1860 München an, dem Lokalrivalen.

„Als das Angebot kam, war für meine Familie und mich von Anfang an klar, dass ich das mit 1860 machen will. Ich war damals zehn Jahre alt, und der Ruf von 1860 war da schon sehr gut, teilweise sogar besser als der von Bayern München, was die Jugendarbeit angeht. Die Durchlässigkeit zu den Profis und das familiäre Umfeld waren ein Thema für uns, und deswegen habe ich mich für 1860 entschieden. Das habe ich bis heute nicht bereut und bin froh, zehn Jahre dort gespielt zu haben“, erklärte Neuhaus zuletzt im Interview mit unserer Redaktion.

Die Fans von Fortuna Düsseldorf, an die Borussia ihn eine Saison auslieh, werden so eine Geschichte gern gehört haben, gehört zum allgemeinen Liedgut des Aufsteigers doch der Song „Ich würde niemals zum FC Bayern gehen“ von den „Toten Hosen“. Nun, ob ein Spieler mit dem Können eines Florian Neuhaus so etwas kategorisch ausschließen wird, sei dahingestellt, doch damals war es so — weswegen der am Samstag nun gegen die  Bayern antritt in dem Stadion, das er nur in der blauen Variante kennt.

Rot wird sie leuchten bei Neuhaus’ Premieren-Spiel als Profi bei den Bayern. Hinter verschlossenen Türen wird deren großer Boss Uli Hoeneß vielleicht schon das eine oder andere Mal geflucht haben, warum dem Branchenprimus dieser großartige Kicker durch die Lappen gegangen ist. Borussias Manager Max Eberl, der zugriff als Neuhaus nach dem Abstieg der „Löwen“ ablösefrei zu haben war, weiß indes auch, dass Neuhaus auf dem „Im-Blickfeld-für-die-Zukunft“-Zettel der Kaderplaner der Bayern stehen wird. Alles andere wäre höchst verwunderlich.

Für Neuhaus, geboren in Landsberg am Lech, bedeutete die Rückkehr in die alte Heimat erstmal Organisations-Stress. „Ich musste einige Karten besorgen“, gestand er. „Die ganze Familie wird da sein.“ Sein Ansinnen, mit Borussia ausgerechnet beim Rekordmeister den ersten Auswärtssieg der Saison zu schaffen, bringt seinen Vater in einen Zwiespalt, zumal Gladbach an den Bayern vorbeiziehen und sie in eine noch tiefere Sinnkrise stürzen könnte. Doch der Mann ist das gewohnt. Und zum Sohn zu halten, wenn der mit dem Erzrivalen 1860 gegen die Bayern spielt, war vermutlich noch komplizierter.

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