Borussia Mönchengladbach feiert Punktgewinn der glücklichen Sorte

Borussia Mönchengladbach : Ein Punktgewinn der besonders glücklichen Sorte

Eine Mannschaft, die derart unterlegen ist, nimmt nur in einem von zehn Fällen einen Punkt mit. Borussia Mönchengladbach ist das beim 0:0 gegen Eintracht Frankfurt gelungen. Nun steckt sie in der rekordverdächtig engen Bundesliga in der Mitte fest.

"Glücklich" ist fast noch untertrieben

Raffael versuchte es einmal und wurde abgeblockt. Lars Stindl blieb gänzlich ohne Torschuss. Wann und wie Thorgan Hazard einen abgegeben haben soll, müsste man noch einmal gegenchecken, die Statistik schreibt ihm jedenfalls einen Schuss zu. Borussias 36-Tore-Trio blieb in Frankfurt so blass wie selten. Alle sechs Versuche der Gladbacher, von denen nur Oscar Wendts in der ersten Halbzeit nicht daneben ging, ließen den Expected-Goals-Zähler am Ende bei 0,22 stehen. Mehr durfte Borussia nicht erwarten, deshalb heißt es im Englischen "Expected Goals". Die Eintracht lag nach 90 Minuten bei 2,36 Toren, inklusive des Elfmeters. So viel zu vereiteln, war eine außergewöhnliche Leistung Yann Sommers. 2,36:0,22 — ein derartiges Verhältnis bringt der überlegenen Mannschaft in 92 Prozent aller Fälle einen Sieg. Borussias Punktgewinn war enorm glücklich.

Einmalig in 22 Jahren

"Gefahr" und "Hoffnung" — das waren die beiden Worte, mit denen quasi alle Befragten die aktuelle Lage in der Tabelle kommentierten. Statt jeweils fünf Punkten nach oben (Platz sechs) und unten (Platz 16) sind es nun jeweils vier. Borussia hängt in einer einmaligen Saison genau zwischen Gut und Böse. Noch nie seit Einführung der Drei-Punkte-Regel vor 22 Jahren trennten den Sechsten und den 16. lediglich acht Zähler, nachdem alle Teams 26 Spiele absolviert hatten. Wo das für jeden Einzelnen hingehen wird, vermag niemand zu prophezeien. Für Hertha als Tabellenfünften gibt es auch nur die Blickrichtung nach unten. Dieses enge Dutzend trifft bis zum Saisonende noch in mehr als 30 Duellen aufeinander. Gleich am Dienstag messen sich Köln und Frankfurt sowie Bremen und Schalke, bevor am Mittwoch Gladbach gegen Berlin spielt und Wolfsburg gegen Freiburg.

Wiedersehen in drei Wochen

Patrick Herrmann und Branimir Hrgota unterhielten sich noch lange im Spielertunnel. Lars Stindl zog sein Trikot aus und gab es Borussias ehemaligem Athletiktrainer Klaus Luisser, der jetzt in Frankfurt arbeitet. Warum sich Gladbachs Co-Trainer Dirk Bremser und Eintracht-Coach Niko Kovac so herzlich begrüßten, bedarf ein paar Sekunden des Nachdenkens — dann kommt man drauf, dass beide drei Jahre gemeinsam bei Hertha BSC gespielt haben. Angesichts des mehrfachen Wiedersehens passt es doch, dass beide Teams sich am 25. April noch einmal treffen. Über das DFB-Pokal-Halbfinale, das dann im Borussia-Park stattfindet, verloren beide Seiten am Samstag kaum ein Wort. Nach zwei torlosen Remis in dieser Saison wird dann spätestens im Elfmeterschießen einer reingehen müssen.

Gladbachs Verletzungen von A bis Z

Am Mittwoch werden Borussias Profis die unglaubliche Marke von 250 verpassten Spielen aufgrund von Verletzungen und Erkrankungen überbieten. Tony Jantschke erweitert die medizinische Akte mit einer Handgelenksprellung, sein Einsatz am Mittwoch ist fraglich. All das hat die Gladbacher in dieser Saison schon zum Zuschauen verdammt, von A bis Z:

Achillessehnenreizung (2x), Adduktorenprobleme, Adduktorenzerrung, Außenbandriss im Knöchel, chronische Rückenprobleme, Erkältung, Faszienriss im Hüftbereich, grippaler Infekt (3x), Innenbandteilriss im Knie, Kapselriss im Sprunggelenk, Kniereizung, Knochenhautreizung, Knorpelschaden im Knie, Leistenprobleme, Magen-Darm-Infekt (2x), Muskelbündelriss, Muskelfaserriss im Adduktorenbereich, Muskelfaserriss im Hüftbeuger, Muskelfaserriss im Oberschenkel (3x), Oberschenkelprobleme, Oberschenkelzerrung, Probleme mit der Hüftmuskulatur, Probleme mit der Oberschenkelmuskulatur, Riss der Außenbänder im Sprunggelenk, Riss des vorderen Innenbandes, Riss des Syndesmosebandes, Rückenbeschwerden, Sehnenabriss in der Leiste, Sehnenriss im Beckenbereich, Sprunggelenksstauchung, Verletzung am Schienbeinköpfchen und Wadenbein, Zerrung der Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur.

Aprilscherz in der Kurve

Kurz gab es Irritationen, als die Frankfurt Ultras scheinbar das Gladbacher "Nordkurve"-Banner präsentierten. Doch bald danach lösten sie selbst auf: alles nur ein Aprilscherz. Eingeleitet hatten sie die Aktion mit einem Banner, auf dem "Morgenstund hat Gold im Mund" stand. Ob Aprilscherze immer noch witzig sind, es zuletzt 2007, 1994 oder gar noch nie waren, ist letzten Endes Geschmackssache. Bemerkenswert ist auf jeden Fall der Aufwand, solch eine auf den ersten Blick täuschend echt aussehende Kopie anzufertigen, die sich lediglich dadurch verriet, dass sie etwas zu neu aussah.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Frankfurt - Gladbach: Einzelkritik

(jaso)
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