Borussia Mönchengladbach feiert die alten Zeiten

Neues Vereinsmuseum eröffnet : Borussia feiert die alten Zeiten

Mit zahlreichen Vereinslegenden hat Borussia Mönchengladbach am Freitag sein Museum „Fohlenwelt“ eröffnet. Das aktuelle Team kämpft ums internationale Geschäft.

Die Frage, ob Borussia Mönchengladbach reif für Europa ist, wird sich noch klären in dieser Saison. Aber es kann eben auch noch schief gehen und ein Tabellenplatz jenseits internationaler Weihen werden. Dass sich das finanziell bemerkbar machen würde, haben die Zahlen des Jahres 2018 gezeigt: Ohne Europa gab es ein Minus von 3,7 Millionen Euro.

Am Samstag gegen Hoffenheim können die Borussen einen wichtigen Schritt in Richtung Zielerfüllung machen, dazu jedoch muss es bestenfalls den ersten Heimsieg seit dem 26. Januar geben. Da schafften sie ein 2:0 gegen den FC Augsburg, es war der zwölfte Heimsieg in Serie, womit ein Rekord aus den 80er-Jahren eingestellt wurde. Wer sich darüber und über sonstige Dinge aus der seit 119 Jahren langen Vereinsgeschichte des niederrheinischen Fußballklubs ausführlich informieren möchte, der kann das ab Sonntag im neuen Vereinsmuseum der Gladbacher tun, das am Freitag eröffnet wurde.

Viele Stars aus den vergangenen Borussia-Epochen kamen dafür nach Gladbach, nie zuvor, darauf wies der Verein stolz hin, gab es eine derartige Ansammlung großer Borussen wie zu diesem Anlass. Fohlenelf-Ikonen wie Günter Netzer, Berti Vogts, Jupp Heynckes, Allan Simonsen und Ulrik le Fevre gaben sich die Ehre, auch Lothar Matthäus und Stefan Effenberg waren da. Und Uwe Rahn. Der spielte sogar eine Sonderrolle bei der Eröffnung. Denn 1987, als Rahn Torschützenkönig der Bundesliga war, war es verpasst worden, ihm die dazugehörige Torschützenkanone zu überreichen. Das wurde am Freitag nachgeholt. „Es ist toll, die Kanone nach 32 Jahren noch zu bekommen“, sagte Rahn.

Für die Ikonen des Klubs war es spürbar ein Vergnügen durch die Schau zu schlendern, die im Erdgeschoss des Neubaus „Borussias 8 Grad“ angesiedelt ist. Fast alle Borussen-Tore gibt es da in bewegten Bildern zu sehen, die schönsten in der Abteilung „Torfabrik“. Das aktuelle Team war wegen der Vorbereitung auf das Samstags-Spiel nicht da, doch ist man geneigt zu sagen: Zur Vorbereitung auf das Hoffenheim-Spiel könnten die Jetztzeit-Borussen Anschauungsunterricht nehmen, wie es geht mit dem Befördern des Runden ins Eckige. Geschichte verpflichtet und kann daher zuweilen erdrückend sein, doch kann man auch von ihr lernen. Und schließlich sind fehlende Tore ein Hauptgrund dafür, dass Gladbach nach der starken Hinrunde nun zittern muss um Europa. Nur 13 Treffer in 14 Spielen schaffte Borussia, so viele gab es zu Torfabrik-Zeiten in kurzer Zeit. „Aber ich hatte auch solche Phasen. Du musst immer weiter daran arbeiten, irgendwann klappt es dann wieder“, sagte Rahn.

Um sich für den Schlussspurt dieser Saison emotional anzuspornen, bietet sich ein 19 Minuten langer Film an, der im Museum die Geschichte des Vereins erzählt. Wenn am Sonntag die ersten Besucher das Museum betrachten, kommt ganz zum Schluss das Ergebnis des Spiels gegen Hoffenheim. Dass da möglichst ein positiver Ausgang der Partie vermeldet werden kann, ist der Anspruch. Im Museum kommen also auch Gegenwart und Zukunft zusammen – und es ist dort ausdrücklich noch Platz gelassen für neue Geschichten in der Zukunft.

Für jene, die schon Geschichte geschrieben haben, war der Gang durch das Museum wie ein Blick in den Spiegel: „Es ist überwältigend, es ist wichtig, die Tradition hochzuhalten. Mit alten Weggefährten durch die Ausstellung zu gehen, weckt viele Emotionen in mir“, sagte Netzer. Auch Rahn und Simonsen waren angetan von der Schau.

Simonsen traut den Gladbachern zu, dass sie alle drei Spiele gewinnen und es noch in die Champions League schaffen. „Das ist mein Tipp“, sagte der Däne. Auch Uwe Rahn hofft, dass es im nächsten Jahr für die Gladbach „in der berühmten Liga weitergeht. Darum muss es gegen Hoffenheim krachen“, sagte Rahn. Er wird am Samstag zum ersten Mal nach – geschätzt – 25 Jahren ein Gladbach-Spiel sehen. „Den Glauben, dass es klappt, habe ich immer. Aber wir wurden in den vergangenen Jahren immer ein wenig enttäuscht. Ich hoffe natürlich, dass es nicht wieder so kommt. Es wäre wichtig“, sagte Netzer.

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