Borussia Mönchengladbach fehlten wieder die Basics

Auswärtsprobleme nehmen zu: Borussia fehlten wieder die Basics

Vor ein paar Wochen wurde Borussia noch zu Recht für ihre Auswärtsstärke gefeiert, nach vier Niederlagen in Folge hat sich das komplett erledigt. Die punkt- und meist torlosen Auftritte der Gladbacher in der Fremde haben ein gemeinsames Defizit.

Fünf Kilometer hinter Frankfurt

Der FC Bayern hat nicht nur den Meisterkampf in der Bundesliga auf dem Gewissen, sondern auch der Laufstatistik einen Bärendienst erwiesen: Jahr für Jahr landen die Bayern mit ihrer Kilometerzahl weit hinten oder sogar ganz hinten, Jahr für Jahr werden sie trotzdem souverän deutscher Meister. Borussia Mönchengladbach dagegen hat auch beim 0:2 gegen Eintracht Frankfurt etwas für die Rehabilitation der Laufstatistik getan. Je weniger Kilometer am Ende auf dem Zähler sind, desto näher liegt der Eindruck, die berühmten Basics hätten gefehlt. Seit Wochen bekommt es Borussia immer wieder hin, eine gute Distanz zurückzulegen (am Freitag waren es 118,8 Kilometer) und trotzdem deutlich von ihren Gegner übertroffen zu werden. Beim Abpfiff hatte Frankfurt 5,1 Kilometer mehr zurückgelegt. Bei einer derartigen Differenz verliert Borussia in dieser Saison immer, andersherum gewinnt sie immer, wenn sie mehr läuft. Manchmal sagt die Laufstatistik eben doch einiges aus - erst Recht, wenn sich nur 44 Prozent gewonnene Zweikämpfe dazugesellen.

Nur eine schwächere Serie seit 2008

Die Überleitung zur neuen Auswärtsschwäche geht einfach. Mitte November holte Gladbach beim 4:2 in Berlin die letzten Punkte in der Fremde - mit 3,6 Kilometern mehr als der Gegner. Seitdem gab es ein 0:3 in Wolfsburg (5,2 Kilometer weniger), ein 0:1 in Freiburg (5,4 weniger), ein 1:2 in Köln (2,1 weniger) und eben das 0:2 in Frankfurt (5,1 weniger). Innerhalb von zwei Monaten hat Borussia unter Dieter Hecking mehr Auswärtsspiele verloren als vorher in elf. Seit dem Wiederaufstieg 2008 gab es nur eine längere Negativserie, unmittelbar vor André Schuberts Entlassung im Herbst 2016. Am Karnevalssonntag in Stuttgart gilt es, deren Einstellung zu verhindern.

Hazards Serie ist gerissen

"Thorgan", sagte Christoph Kramer auf die Frage, wer denn den nächsten Gladbacher Elfmeter schießen werde. "Ich bestimmt nicht." Ohne Hazards Fehlschuss in der 78. Minute wäre es sicher etwas geworden mit einem Punktgewinn in Frankfurt und dem zweiten Platz für 19 Stunden. Im Jahr 2017 war der Belgier ein überdurchschnittlich guter Elfmeterschütze mit fünf Treffern in sechs Versuchen, jetzt hinkt er der Quote erst einmal hinterher. Matthias Ginters Rat aus der Vorwoche wäre auch diesmal ein guter gewesen: flach schießen.

Platz-zwei-Phobie

Die erste Chance auf den zweiten Platz ließ Borussia am 20. August liegen: Damals war es noch verkraftbar, das Derby gegen Köln nur 1:0 statt 3:1 zu gewinnen. Am 3. Dezember hätte es den Vizestatus mit einem Sieg in Wolfsburg gegeben, es gab ein 0:3. Am 9. Dezember war Punktgleichheit mit dem Zweiten drin, Jannik Vestergaard schoss ein Eigentor gegen Schalke und der Video-Assistent war der zwölfte Mann des Gegners. Am 12. Dezember winkte Punktgleichheit für eine Nacht, Borussia verlor 0:1 in Freiburg. Durch das Abrutschen auf Platz acht hatte sich das Thema erst einmal erledigt, bei einem Derbysieg in Köln wäre Gladbach wieder gleichauf mit dem Zweiten gewesen. Und wer nicht so viele derartige Chancen vergeben würde, hätte auch in Sachen Tordifferenz bessere Argumente. Trotz all der verpufften Möglichkeiten war Borussia vor dem Spiel in Frankfurt dann mal wieder kurz davor: Ein Punkt hätte gereicht. Und diese Saison will es eben so, dass chronische Platz-zwei-Verweigerer ständig in den Rückspiegel schauen müssen.

Harmlos gegen Frankfurt

In der Schlussphase nahm Dieter Hecking seinen letzten möglichen und ersten freiwilligen Wechsel vor. Jonas Hofmann schien trotz seiner Torlosigkeit in der Bundesliga eine gute Wahl zu sein, um den Ausgleich noch zu erzwingen. Schließlich hat er als einziger Gladbacher in den vergangenen zwei Jahren gegen Frankfurt getroffen. Nach 480 Pflichtspielminuten hat Hofmann sein Alleinstellungsmerkmal noch immer. Vergangene Woche widerlegte Borussia mit dem Sieg gegen Augsburg alle Angstgegner-Thesen, mit der Niederlage in Frankfurt hat sich die Lieblings-Auswärtsgegner-These erstmal erledigt. Zum zweiten Mal seit 2009 verlor Borussia bei der Eintracht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Borussia in Frankfurt: Einzelkritik

(jaso)
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