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Borussia Mönchengladbach: Fehlender Heimvorteil spiegelt Bundesliga-Trend wider

Nach dem 1:2 gegen Mainz 05 : Der Heimvorteil ist nicht nur für Borussia keiner mehr

Die Bundesliga steuert auf einen Minusrekord zu. „Es ist tatsächlich nicht mehr so wichtig, wo du spielst“, sagt Gladbach-Trainer Marco Rose. Der Trend ist eindeutig.

Als Gastgeber des ersten Bundesliga-Geisterspiels hat Borussia vor knapp einem Jahr mit dem Derbysieg gegen Köln erst einmal keine Zweifel aufkommen lassen, dass sie mit den neuen Gegebenheiten zurechtkommt. Lange hatte Gladbach nach dem FC Bayern die beste Bilanz in Heimspielen vor leeren Rängen. Doch der Trend ist längst ein anderer. 17 Punkte hat Borussia bereits zu Hause abgegeben in dieser Saison, 13 gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte, davon drei am Samstag beim enttäuschenden 1:2 gegen Mainz 05.

Die These, dass der Heimvorteil am Dienstag auf dem Flug von Düsseldorf nach Budapest zum Champions-League-Spiel gegen Manchester City ins Handgepäck passt, weil er so klein geworden ist, lässt sich momentan schwer widerlegen. „Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass es nur noch ums Thema Reisen geht: Bin ich vorher im Hotel oder nicht?“, sagt Trainer Marco Rose. „Du spielst bei Heimspielen in deinem Stadion und hast ein paar Leute um dich herum, die dir vertraut sind. Ansonsten ist es tatsächlich nicht mehr so wichtig, wo du spielst.“

In der Mischsaison, die in der Normalität begann und in der Pandemie beendet wurde, hatte Roses Borussia 38 Heimpunkte eingefahren, es war die drittbeste Bilanz seit 1984. Unter Lucien Favre holte sie 2014/15 einmal 39 Zähler und unter André Schubert waren es 2015/16 sogar 40. Vergangene Saison gingen lediglich die Topspiele gegen RB Leipzig, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen verloren. Darüber hinaus gab es zum Auftakt gegen den FC Schalke 04 und später gegen die TSG Hoffenheim Punktverluste.

Bemerkenswert: Mit nur fünf Siegen aus zwölf Spielen liegt Gladbach diese Saison immer noch über dem Ligaschnitt. Es dürfte am Ende einen Negativrekord geben, vermutlich erstmals eine Heimsieg-Quote von weniger als 40 Prozent. Auch Tippspiel-Teilnehmer agieren unter erschwerten Bedingungen. Der Fußball ist auf seine Essenz reduziert, mehr „Entscheidend is auf’m Platz“ war nie.

Welche Auswirkung Geisterspiele auf die Ergebnisse im K.o.-Modus des Europapokals mit Hin- und Rückspielen haben, dazu gibt es gerade die ersten Erkenntnisse. In 20 Partien der Champions League und Europa League gab es vergangene Woche nur drei Heimsiege, allerdings spielten die gesetzten Teams zunächst auswärts und nicht alle Heimteams daheim. Vergangene Saison brach die Pandemie mitten in der ersten K.o.-Runde aus, die beiden Europapokal-Wettbewerbe wurden im Sommer in jeweils einer Partie pro Duell ausgespielt.

Nur eines hat Corona nicht geändert: Nach wie vor entscheidet bei identischer Trefferzahl nach zwei Partien die Zahl der auswärts erzielten Tore. Ganz ausblenden kann Borussia das Heimrecht am Mittwoch also nicht.