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Borussia Mönchengladbach fehlen Tore und Chancen dafür: Lars Stindl kennt das Problem

Darum fehlt es an großen Chancen : Stindl moniert Borussias Torproblem

Bei Borussias 1:2 gegen Mainz bestätigte sich ein Trend der vergangenen Spiele. Marco Roses Mannschaft hat große Probleme bei der Chancen-Produktion. Auch Standards sind aktuell kein Weg zum Erfolg.

Lars Stindl hat seinen Job gemacht. Er hat sein zehntes Tor in dieser Saison erzielt beim 1:2 gegen Mainz. Es wären wohl sogar schon elf Treffer, wenn er den Elfmeter hätte schießen dürfen, den Schiedsrichter Markus Schmidt zunächst pfiff, dann aber, nachdem er den Videoassistenten konsultiert hatte, zurücknahm. Stindl stand bereit, zum sechsten Mal in dieser Saison vom Punkt zu treffen. Dass er es getan hätte, darf man angesichts der bisherigen 100 Prozent-Quote des Kapitäns annehmen.

Bei seinem Tor arbeite Stindl mit der üblichen Präzision, wenn bei ihm die rechte Innenseite im Spiel ist. Nur: So viel Klarheit im Strafraum, so viel Qualität beim Abschluss gab es ansonsten nicht in diesem Spiel. Alassane Plea war der fleißigste Absender von Torschüssen, indes passierten sie alle in der ersten Halbzeit. In der zweiten war es insgesamt sehr mau vor dem Tor der Mainzer. Borussia fehlen Tore – aber eben inzwischen auch Großchancen. Die Expected-Goals-Werte, die Auskunft über die Chancen-Qualität geben, sind seit Jahresbeginn deutlich gesunken. Vor der Winterpause lag der Wert zuweilen über drei, jetzt meist unter eins.

Stindl, mit 17 Punkten Gladbachs bester Scorer, ist sich der Probleme bewusst. „Wir haben viel Aufwand betrieben und hatten vor allem in der zweiten Hälfte viel Ballbesitz. Jedoch haben wir es nicht geschafft, gefährlich in den Strafraum zu kommen und unsere Überlegenheit in zwingende Torchancen umzumünzen. Es gab zwar zwei, drei Halbchancen, aber es war offensiv einfach zu wenig und nicht zielstrebig sowie konsequent genug“, sagte der 32-Jährige, der sich sein 200. Spiel als Borusse (65 Tore) anders vorgestellt hatte.

Jonas Hofmann, der Stindl das Tor auflegte, äußerte sich ähnlich. „Zwar hatten wir unsere Möglichkeiten, das 2:1 zu machen, aber leider haben wir es zwei, drei Mal vor dem Sechzehner nicht gut ausgespielt. Wir haben diese Chancen zu einfach hergegeben, waren in diesen Szenen viel zu fahrlässig. Der letzte Pass oder letzte Schritt hat meistens gefehlt. Dadurch haben wir es verpasst, in Führung zu gehen. Vorne haben wir in der entscheidenden Phase nicht die nötige Konsequenz an den Tag gelegt“, sagte Hofmann.

Nun sind gerade Stindl und Hofmann die, die die neuralgischen Räume kennen und gut bespielen können. Gegen Mainz gelang ihnen das kaum. Vor dem 1:0 war es das Solo von Valentino Lazaro, nach dem Hofmann Stindl einsetzte, das die Chance aufmachte, eine Einzelaktion also. In der Szene zeigten die Borussen die nötige Überzeugung Richtung Tor, die ansonsten fehlte. „Bis kurz vor die Box sind wir immer wieder in Räume gekommen, in die wir rein wollten. Letztlich hatten wir aber nicht die nötige Konsequenz, um Mainz noch weiter hinten reinzudrücken und uns noch mehr Torchancen herauszuspielen“, sagte Trainer Marco Rose. So waren die Gladbacher den Anforderungen, die der Tag an die Offensive stellte, nicht gewachsen. „Wir haben wieder zwei Gegentore bekommen und hätten daher schon drei selbst machen müssen, um drei Punkte mitzunehmen. Natürlich sind wir grundsätzlich in der Lage dazu. Uns fehlt momentan aber die Überzeugung und Konsequenz in Richtung letztes Drittel“, sagte Rose.

Da auch die Effektivität fehlte, um die nicht ganz so großen Gelegenheiten, die sich unter anderem Plea boten, eiskalt zu nutzen, ist eben keine Alternative da, wenn sich die Borussen schwer tun bei der Produktion von Großchancen. Die Mainzer machte es vor bei seinen Toren: Kamen sie gut in den Strafraum, war der Ball drin im Tor von Yann Sommer. Gegen Borussia Dortmund, beim 4:2, machten die Gladbacher drei Standard-Tore, es schien, als sei da ganz etwas Neues auf dem Weg. Doch auch in dieser Disziplin, die gerade, wenn spielerisch nicht viel zusammenläuft, hilfreich ist, ging zuletzt nicht mehr viel. In den fünf Pflichtspielen seit dem BVB-Erlebnis gab es keinen Standard-Treffer mehr. Stindl versuchte es gegen Mainz mit einem direkten Freistoß, doch anders als beim 3:3 in Frankfurt gelang es ihm nicht, den Ball im Tor unterzubringen.

Nun kommen reihenweise Top-Spiele, und da müssen die Borussen schleunigst wieder mehr Durchschlagskraft und Effektivität entwickeln, ob nun spielerisch oder durch Standards oder sonstwie. Denn: „Wir brauchten wieder Siege“, forderte Rose. Nur Tore werden dafür sorgen, dass es damit etwas wird. Der Arbeitsauftrag bis Mittwoch, wenn um 21 Uhr das Champions-League-Spiel in Budapest gegen Manchester City ist, ist daher eindeutig: „Wir müssen wieder klarer werden im letzten Drittel“, sagte Rose. Wie es geht, machte Lars Stindl vor, als er gegen Mainz beim 1:1 seinen Job machte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Borussias Scorerliste 2020/21