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Borussia Mönchengladbach: Fans durch Becherwürfe im Stadion verletzt

Vorfälle gegen Hoffenheim : Becherwürfe im Borussia-Park bleiben ein Problem

Im ersten Heimspiel der Saison gegen 1899 Hoffenheim verletzten sich Borussia-Fans nach Becherwürfen, vor allem nach Toren der Gladbacher passiert das immer wieder. Der Klub weiß um das Problem. Welche Maßnahmen er ergreift – und welche er nicht ergreifen will.

Für Max Keldenich war Borussias erstes Heimspiel der Saison abrupt beendet. Kaum hatte Nico Elvedi in der 78. Spielminute gegen 1899 Hoffenheim das entscheidende Tor zum 3:1-Endstand erzielt, da traf den Fan im Block 16 etwas Hartes am Hinterkopf. „Ich habe sofort gewusst, dass es ein Bierbecher war, auch wenn ich ihn danach nicht gesehen habe. Ich kann auch nicht sagen, ob er aus dem Oberrang kam oder von weiter hinten in meinem Block. Doch ich habe sofort stark geblutet, das war schon ein Schock“, sagt Keldenich.

Zusammen mit einem Freund verließ der 32-Jährige sofort den Block und wandte sich an den Ordnungsdienst, der sie an die Notfallsanitäter weiterleitete. Im Elisabeth-Krankenhaus wurde seine Wunde schließlich geklebt. „Die Wunde ist mittlerweile gut verheilt. Es war auch keine schwerwiegende Verletzung. Aber ich möchte eindringlich auf das Problem von Würfen mit Hartplastik-Bechern aufmerksam machen. In der Notfall-Aufnahme habe ich nach dem Hoffenheim-Spiel einen anderen Fan aus Block 16 getroffen, der auch eine Platzwunde hatte“, sagt Keldenich. Und er sehe immer wieder Becher nach Gladbacher Toren durch den Block fliegen.

Sabine Duman kann Keldenichs Schilderungen bestätigen. Sie leitet die Organisation des Sanitätsdienstes der Malteser bei Heimspielen der Borussia. „Bei fast jedem Spiel müssen wir Verletzte nach Becherwürfen versorgen. Und das passiert zumeist nach einem Torjubel“, sagt Duman. Und neu sind den Sanitätern die Kopfwunden nach Toren der Borussia keineswegs. Im Jahr 2016 bezifferten die Malteser die Zahl der Stadionbesucher, die mit Kopfwunden genäht werden müssen, auf 50 bis 60 pro Saison.

Der Verein arbeitet derweil daran, dass die Zahl der Vorfälle nun, da nach längeren pandemiebedingten Einschränkungen der Borussia-Park wieder voll ausgelastet werden darf, nicht wieder auf diese Werte ansteigt. „Die Unsitte der Becherwürfe ist dem Verein bewusst, und Borussia versucht dies mit verschiedenen Maßnahmen einzudämmen“, teilt der Klub auf Nachfrage unserer Redaktion mit. So sei schon vor einigen Jahren ein Clip mit Maskottchen Jünter gedreht worden, um auf die Gefahren für Dritte bei Becherwürfen hinzuweisen.

  • Hannes Wolf⇥Foto: Dirk Päffgen
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Zudem hat Borussia den Becherpfand von einem auf zwei Euro erhöht. Damit seien die Würfe auch bereits zurückgegangen – mit Ausnahme des Gästebereichs. „Dort haben wir auf Einwegbecher umgestellt, weil die Pfand-Erhöhung nicht geholfen hat“, teilt der Verein mit. Gerade die leichteren Einwegbecher sieht der nun betroffene Fan Max Keldenich als eine Chance, das Verletzungsrisiko durch Würfe abzumildern. Komplett auf diese Becher umstellen will der Verein aber nicht: „Borussia steht für Nachhaltigkeit und betreibt seit 2004 den Borussia-Park mit einem Mehrweg-Becher. Dies ist in der Baugenehmigung verankert und wird vom Umweltamt der Stadt Mönchengladbach gestützt.“ Damit habe der Klub den schwereren Weg eingeschlagen.

„Wir wollen den Fan erreichen, damit er umdenkt und sein Handeln verändert. Wir hätten die Möglichkeit, die Becher auf der Tribüne ganz zu verbieten. Doch damit schrauben wir unsere viel gelobte Fankultur im Fußball immer weiter mit Restriktionen nach unten. Dies kann nicht unser Ziel sein“, antwortet der Klub auf Nachfrage der Redaktion. Zudem sei das Angebot aktuell um einen neuen, besser recyclebaren Becher erweitert worden, der auch nicht mehr so scharfe Kanten am Boden habe. Die Malteser hatten gerade diese Unterkanten früher schon als Problem ausgemacht. „Es kann durchaus sein, dass damit die Auswirkungen der Verletzungen nicht mehr ganz so schlimm sein werden. Doch die Becherwürfe sind definitiv weiter ein Problem“, sagt Sabine Duman.

Max Keldenich hat das zum Saisonauftakt zu spüren bekommen. Er hat sich nach dem Vorfall auch an Borussia gewendet. „Wir haben ihm daraufhin geraten, Anzeige zu erstatten. Inzwischen wurde die Anzeige aufgenommen und die Polizei wird nun die entsprechenden Kamerabilder aus dem Stadion auswerten“, teilt der Verein mit, der jedem von Becherwürfen betroffenen Opfern zu einer Strafanzeige rät. Borussia ahnde jeden Becherwerfer mit drei bis sechs Monaten Stadionverbot, heißt es weiter. Und bei einer Schädigung Dritter werde das Stadionverbot langfristig ausgesprochen und der Verein verlange einen Schadenersatz für den Geschädigten. Auch das soll abschrecken vor Becherwürfen.

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