Borussia Mönchengladbach: Fanprojekt besteht seit 30 Jahren

30-jähriges Jubiläum des Fanprojekts: Fans schwelgen in Erinnerungen

Hunderte Anhänger der Borussen treffen sich am heutigen Samstag und feiern das 30-jährige Bestehen des Gladbacher Fanprojekts. Als es 1988 gegründet wurde, war ein Verein von Fans für Fans noch ein Unikum in Deutschland.

Wenn sich am Samstagabend hunderte Borussenfans im Borussia-Park treffen, werden sie auch in Erinnerungen schwelgen an den Bökelberg, den Fanladen in Eicken und die Kneipen rund um Borussias Geburtsstätte. Die Gedanken gehen zurück in eine Zeit, in der die Haare vorne kurz und hinten lang, die Flutlichtmasten des altehrwürdigen Gladbacher Stadions weithin sichtbar waren und man sich ein Ticket zumeist noch am kleinen Kassenhäuschen kaufte.

Das Gladbacher Fanprojekt feiert 30-jähriges Bestehen. Die Party, die – passend zu Borussias Gründungsjahr – um 19.00 Uhr beginnt, steht daher unter dem Motto „1988“. „Es wird eine Art Zeitreise“, sagt FPMG-Sprecher Dirk Kramer. Das bedeutet: Die Fans kommen in Trikots und Borussia-Outfits jenes Jahres. Es war das Jahr, in dem ein Unikum im deutschen Fußball entstand – das Mönchengladbacher Fanprojekt, der Verein von Fans für Fans. Mittlerweile heißt die Dachorganisation der Gladbach-Fans zwar „FPMG Supporters Club“, doch es ist weiterhin ein Projekt „von Fans für Fans“. Dieses hatte zwar 1988 den offiziellen Startschuss, aber zuvor einen langen Vorlauf.

Ein paar Wickrather Fußballfans machten den Anfang, sie gründeten Mitte der 70er Jahre den ersten Borussia-Fanklub. Nach und nach entstanden immer mehr Fanklubs, und bereits 1980 kam die Idee auf, sich gemeinsam zu organisieren. Drei Jahre später wurde sie durch die Gründung der „Interessengemeinschaft der Borussia-Mönchengladbach-Fanclubs“ in die Tat umgesetzt. Die IG setzte sich nicht nur zum Ziel, gemeinsame Auswärtsfahrten und Veranstaltungen zu organisieren, sondern auch, die Anonymität in der Fankurve ab- und den Kontakt zum Verein aufzubauen.

Guten Kontakt pflegten vor allem Theo Weiß, der Vorsitzende der IG, und Helmut Grashoff. Borussias Manager war sich – anders als viele andere Verantwortliche in den Bundesligavereinen – früh der Bedeutung der Fanpflege bewusst und stand 1988 schließlich auch der Gründung des Fanprojekts positiv gegenüber. „Helmut Grashoff hat anerkannt, dass wir wichtiger Bestandteil der Familie Borussia sind, er hat zugehört und sich mit unseren Sorgen auseinandergesetzt. Und er hat im Verein und vor allem nach außen hin Türen für uns geöffnet und großen Wert auf unsere eigene Verantwortung gelegt“, erinnerte sich Weiß einmal in einem Interview mit dem Fan-Blog „mitgedacht-block.de“.

Am 26. November 1988 wurde zwischen Borussia und dem Fanprojekt ein erster Kooperationsvertrag geschlossen, und am 4. Januar 1989 erhielt das Fanprojekt den Status als eingetragener Verein. Weiß wurde Geschäftsführer des Vereins und sollte über die Mitgliedsbeiträge bezahlt werden. Doch die Anfänge gestalteten sich schwierig, und als das Fanprojekt nach einer misslungenen Auswärtsfahrt deutlich im Minus stand, rettete es Grashoff mit einer 10.000-Mark-Spende. Zudem regte er die Installierung eines Fanbeauftragten an. Weiß übernahm zunächst das Amt, 1990 folgte ihm Holger Spiecker. Das Projekt war endgültig auf den Weg gebracht und entwickelte sich dank vieler kleiner Schritte zu einem Erfolgsmodell: Das Fanprojekt organisierte eine „Deutsche Meisterschaft der Borussia-Fanclubs“, es erhielt Platz im Stadionheft „Fohlen-Echo“ für eigene Themen, und Spieler, Trainer und Präsidiumsmitglieder besuchten Fanklubs. Das Projekt gewann stetig an Akzeptanz, sowohl bei Borussia selbst als auch bei Fanklubs sowie den nicht organisierten Fans.

„Ich wünschte, alle Vereine wären auf diesem Gebiet so initiativ wie wir und dass solche Projekte auch öffentliche Anerkennung und Unterstützung fänden. Sie sind ein lohnenswerter Weg zur Normalisierung der Fanszene, und immer wieder freue ich mich, wenn die Früchte der vertrauensbildenden Arbeit sichtbar werden“, schrieb Grashoff in seinem 1991 erschienen Buch „Meine launische Diva“.

Der 1997 verstorbene Manager würde wohl mit Stolz auf das 30-jährige Bestehen des Fanprojekts schauen. Das Projekt gehört zu den größten Fanvertretungen in Deutschland, die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter kommen weiterhin direkt aus der Fanszene, und es hat durch das Fanprojekt „De Kull“ auch einen sozialpädagogischen Auftrag. Gute Gründe für Borussias Fans, um am heutigen Samstag zu feiern – und in Erinnerungen an die spannenden Anfänge im Jahr 1988 zu schwelgen.

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