Borussias Portugiese Geht es jetzt schnell bei Famana Quizera?

Mönchengladbach · Borussias Portugiese Famana Quizera kam selbstbewusst von seiner Leihe aus Portugal zurück. Ob der Edeltechniker aber seine Chance bei Daniel Farke nutzen kann, bleibt abzuwarten. Gladbach dürfte bei einer Anfrage wohl gesprächsbereit sein.

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Foto: Dirk PŠffgen/Dirk Paeffgen (dirk)

Famana Quizera ist zurückgekommen. Sogar Raffael, ein Fan und eine Art Ziehvater von Borussias Portugiesen, hatte damit nicht gerechnet. Eine Saison spielte Quizera in seiner Heimat bei Academico Viseu, einem Zweitligisten. Der Klub aus Zentral-Portugal, dessen Mehrheitseigener eine Firma des Hoffenheim-Mäzens Dietmar Hopp ist, hatte eine Kaufoption, ließ sie aber verstreichen.

Mit 17 kam Quizera begleitet von großen Erwartungen aus der Akademie von Benfica Lissabon ins Gladbacher Internat und galt als das hoffnungsvollste Talent im Fohlenstall. Er kickte als U17-Spieler in der U19 mit und verzückte dort mit seinem technisch hochwertigen Spiel Fans wie Experten. Wenn es gegen den Nachwuchs Borussia Dortmunds ging, war es das Duell zwischen Quizera und Youssoufa Moukoko, das Duell der Supertalente.

Dass dieser schmale Kerl, der aus dem malerischen Sintra in der Nähe Lissabons stammt, es schaffen würde in die Bundesliga, schien fast logisch. Raffael schwärmte von Quizera und nahm sich seiner an, er ist sich immer noch sicher: Wenn Quizera das Vertrauen und die Chance bekommt, kann er es schaffen.

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Foto: dpa/David Young

Es sah danach aus, als Quizera während der ersten Corona-Monate als einzig Verbliebener im Internat regelmäßig bei Marco Rose mittrainierte. Es war scheinbar alles auf dem richtigen Weg. Doch als es dann in die Saison 2020/21 ging, war Quizera außen vor. Der einzige Debütant mit dem Label „Eigengewächs“ unter Rose war Rocco Reitz, von Quizera war keine Rede mehr, er verschwand wieder in der U23.

Als dann Adi Hütter kam mit seinem System mit der Doppelzehn, wäre Quizera vielleicht eine Option gewesen, doch er war weg und sammelte Spielpraxis in Portugal. „Es war eine gute Zeit für mich, ich habe viel gespielt, es war eine gute Erfahrung“, sagte Quizera, der inzwischen äußerst passabel Deutsch spricht, vergangene Woche im Gespräch mit unserer Redaktion.

24 Spiele von 34 möglichen machte Quizera bei Viseu, fünf Tore schoss er, vier davon allerdings in der Schlussphase der Saison, in den letzten vier Spielen. Das reichte nicht, den Klub zu überzeugen, die Kaufoption zu ziehen. So ging es nach dem Urlaub gestärkt zurück aus seiner Heimat an den Niederrhein. Und dort wollte Quizera nun endlich das Versprechen einlösen, mit dem er einst kam.

Elf Tore in der U17 Borussias waren ein Appetizer, vielleicht waren die Erwartungen aber ganz einfach zu groß danach, zumal ihn immer wieder Verletzungen zurückwarfen. Quizeras Bewerbungsphase um einen Platz bei den Profis fiel zudem in die Zeit der RB-isierung des Borussen-Fußballs, diese etwas robustere Herangehensweise mit dem ewigen Anlaufen und Stressen des Gegners, liegt einem Spielertypen wie Quizera weniger. „Es ist eben so im Fußball, es gehört neben der Arbeit auch Glück dazu“, sagte der Portugiese. Als er oben ankam, war nicht die Zeit der feinen Klinge, andere Tugenden waren gefragt.

Der Ballbesitz-Ansatz des neuen Trainers Daniel Farke ist eigentlich etwas, das ihm gefällt. „Für mich ist es super, wenn ich mehr Ballkontakte habe“, sagte Quizera. „Ich bin immer noch ein junger Spieler. Ich bleibe ruhig und versuche mich im Training anzubieten“, sagte er. Dass Quizera mit seinen „tollen technischen Skills“, die Farke gefallen, einer ist, der ein Team weiterbringen kann, ist anzunehmen. Doch braucht es die nötige Konsequenz in den entscheidenden Szenen, und die hat Quizera nicht immer.

Nimmt man das vergangenen Wochenende als Maßstab, gewinnt der geneigte Beobachter den Eindruck, dass Quizera im Vergleich zu den anderen hinten dran ist, seine Chance also wohl nicht genutzt hat. Beim 1:1 in Lüttich kam er nur in den letzten 13 Minuten für Alassane Plea ins Spiel, tags darauf in Duisburg spielte er weder gegen den MSV noch gegen Athletic Bilbao. Bei Breel Embolo war, als sich dessen Wechsel nach Monaco anbahnte, sein Nicht-Einsatz gegen Viktoria Köln der Vorbote des Abschieds.

Borussias Portugiese Famana Quizera: Steht er schon wieder vor dem Abschied.

Borussias Portugiese Famana Quizera: Steht er schon wieder vor dem Abschied.

Foto: Dirk Päffgen

Quizeras Vertrag endet 2023, eine weitere Leihe käme nur bei einer Vertragsverlängerung in Frage. Er ist gestärkt zurückgekommen aus Portugal. Ob sich die Geschichte von Borussia und Quizera aber noch zum Guten wendet, wird sich vielleicht sogar sehr kurzfristig zeigen. Aktueller Status: Wenn es eine Anfrage gibt, dürfte Borussia gesprächsbereit in der portugiesischen Personalie sein, das ist keine allzu steile These. Unter Umständen kann es auch schnellgehen mit dem erneuten und dann endgültigen Abschied Quizeras.

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