Borussia Mönchengladbach Johnson sieht seine Zukunft bei Borussia

Mönchengladbach · Borussia Mönchengladbachs Fabian Johnson hat nicht vor, zu wechseln - höchstens von der Tribüne auf die Bank nach überstandener Verletzung.

Borussia Mönchengladbach: Das ist Fabian Johnson
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Das ist Fabian Johnson

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Foto: afp, dg

Fabian Johnson hätte Lars Stindl den Titel streitig machen können. Doch beim 2:1-Erfolg gegen Mainz fehlten nicht nur Raffael und Oscar Wendt, die beiden ältesten Feldspieler, sondern auch der drittälteste. Also führte Stindl die jüngste Gladbacher Startelf der Saison als "Methusalem" an, während Johnson - im Dezember wird er 30 - von zu Hause zuschauen musste.

Allerdings darf der US-Amerikaner hoffen, sieben Wochen nach seinem Muskelfaserriss im Oberschenkel in Kürze vom Sofa zumindest auf die Bank zu wechseln. Nach dem Teil-Comeback am Dienstag konnte er gestern bereits die gesamte Trainingseinheit mitmachen. "Es sieht ganz gut aus", sagt Johnson. "Wie es am Wochenende aussieht, weiß ich noch nicht. Das wird der Trainer in Absprache mit den Athletik- und Reha-Coaches entscheiden." Die überdurchschnittlich lange Ausfallzeit erklärt er mit der Art des Risses. "Er war relativ nah an der Sehne, deshalb ist es nicht ganz so schnell verheilt, wie wir gehofft hatten", sagt Johnson.

Auch wenn er zuletzt achtmal in Folge passen musste, so häufig wie nie zuvor in drei Jahren Gladbach, ist Borussia inzwischen der Verein, für den der gebürtige Münchner die meisten Profispiele gemacht hat. "Ich habe bis jetzt gute Jahre hier gehabt. Jeder kann froh sein, für so einen Verein zu spielen", sagt Johnson. Und er plant, die Bilanz von 101 Einsätzen noch deutlich auszubauen. Ein Jahr vor seinem Vertragsende im Sommer 2018 sei ein Abgang kein Thema, im Gegenteil. "Dass wir Gespräche führen, ist kein Geheimnis. Ich fühle mich hier wohl und hoffe auch, dass Max Eberl mit meiner Arbeit zufrieden ist", sagt der 29-Jährige, der also bald der nächste "interne Transfer" werden könnte, wie der Sportdirektor bei Vertragsverlängerungen zu sagen pflegt.

In drei Spielzeiten am Niederrhein war Johnson oft ein Barometer für Borussias Leistungen. 2014/2015 gab es mit ihm in der Startelf keine Niederlage in der Bundesliga. Am Anfang der Saison 2015/2016 riss die Serie beim Auswärtsspiel in Dortmund und ein paar Tage später ein paar Muskelfasern in Johnsons Wade. Im ersten Spiel unter André Schubert kehrte er zurück und häufte bis Ende 2015 weitere zehn Spiele ohne Niederlage an. Das Wellental des Jahres 2016 ließ sich dann auch an Johnsons Quote ablesen: 21-mal begonnen, zehnmal verloren.

Unvergessen ist das wochenlange Missverständnis-Pingpong zwischen Johnson und Lucien Favre, der den überragenden Rechtsverteidiger der US-Nationalmannschaft nach der WM 2014 lieber im linken Mittelfeld sehen wollte. Dort machte er bis heute auch die Mehrheit seiner Spiele für Borussia - und vor allem seine besten. "Ich denke schon, dass ich mich nochmal entwickelt habe. Es war mein Ziel, europäisch zu spielen. Dass es so gut geklappt hat mit den zwei Champions-League-Teilnahmen, war natürlich überragend", sagt Johnson.

Das Adjektiv "polyvalent" hat er quasi im Spielerpass stehen. Wortwörtlich übersetzt heißt es ja nicht "vielseitig", sondern "vielwertig". Als kurz vor und kurz nach Schuberts Entlassung die Führungsspieler-Debatte schwelte, wurde auch Johnson von Eberl und Co. in die Pflicht genommen. Er ist nicht nur der drittälteste Feldspieler, sondern auch im Mannschaftsrat, gilt als beliebt und geachtet. Dass Borussia in den vergangenen acht Spielen, von denen nur drei gewonnen wurden, Johnson vermisst hat, würde er gerne noch zeigen. "So eng, wie es ist, brauchen wir vielleicht sogar neun Punkte. Natürlich ist es machbar, aber wir sollten nicht so weit vorausschauen, sondern auf Augsburg gucken", sagt er - wenn es geht, nicht von der Tribüne aus.

(RP)